EnergieMinister Claude Turmes zieht Bilanz: Luxemburg setzt weiter auf die Sonne

Energie / Minister Claude Turmes zieht Bilanz: Luxemburg setzt weiter auf die Sonne
In Luxemburg hat das Interesse an Solarenergie in den letzten paar Jahren stark zugenommen Foto: Editpress/Alain Rischard

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Am Dienstag zog Energieminister Claude Turmes seine Bilanz der Entwicklung der Solarenergiepolitik in Luxemburg. In den letzten Jahren habe es einen wahrhaften Boom gegeben, unterstrich er. Gleichzeitig berichtete er von neuen Erleichterungen, um den Bereich weiter zu fördern.

Privatleute, Unternehmen und Landwirtschaft in Luxemburg „haben alle Lust auf Solarenergie“, so Claude Turmes vor Journalisten. Nachdem es in den Jahren vor 2019 insgesamt nur kleine jährliche Zuwächse bei der Produktion von Solarstrom gegeben hat, so ist dies seit 2019 anders. „Jahr für Jahr wurde seitdem zehn bis 15 Mal mehr neue Kapazität installiert als vorher“, so der Minister.

Lag die maximale Kapazität zum Erzeugen von Solarstrom 2018 erst bei 131 MW, so sprang sie im darauffolgenden Jahr auf 160 MW. 2021 war, was den Zuwachs angeht, das bisher beste Jahr: Die Produktionskapazität von Sonnenstrom sprang auf 277 MW. Dass das Wachstum im vergangenen Jahr wieder etwas geringer ausfiel (40 Megawatt mehr als 2021), führt der Minister auf Lieferkettenprobleme zurück.

Europaweit gibt es aktuell nur sechs Länder mit einer höheren installierten Pro-Kopf-Kapazität. Spitzenreiter sind die Niederlande, Deutschland, Belgien und Dänemark. „Länder, die früher begonnen haben“, so der Minister. Zudem liegen noch Zypern und Griechenland vor Luxemburg. 

Die Trendwende seit 2019 erklärt er mit drei Faktoren: So seien die Beratung (durch die Klima-Agence) verbessert und die Prozeduren vereinfacht worden. Im Solar-Kataster auf der Webseite Geoportail.lu könne sich beispielsweise jeder das Potenzial des eigenen Hauses anschauen. Zudem sei es finanziell attraktiver geworden. Etwa seien die Einspeisetarife verbessert und zuletzt auch die Mehrwertsteuer von 17 auf drei Prozent gesenkt worden. Zusätzlich sei die bisher erforderliche Integration der Produktion von kleinen Anlagen (unter 30 KW) in der Steuererklärung abgeschafft worden.

Hinzugekommen war zudem eine Erhöhung der Beihilfen zur Errichtung von Anlagen für den Eigenverbrauch, und neuerdings auch für die Batterie. „Die Leute wollen ihren Strom selber herstellen“, so Turmes. Etwas mehr als ein Zehntel der bestehenden Anlagen wird laut ILR mittlerweile für den eigenen Bedarf genutzt. Ein neuer, wachsender Trend.

 Claude Turmes
Claude Turmes Foto: Energieministerium

Für das laufende Jahr 2023 ist Claude Turmes überaus zuversichtlich: Der Netzbetreiber Creos schätze, dass dieses Jahr rund 5.000 neue Anlagen hinzukommen, so der Minister. Verglichen mit den 10.635 bestehenden Anlagen zu Jahresende 2022 wäre das ein enormer Zuwachs. Er rechnet insgesamt mit einem Rekordvolumen von über 400 MW in Luxemburg produziertem Solarstrom.

Um die Entwicklung weiter zu fördern, werden nun noch zusätzliche Verbesserungen hinzukommen, verspricht er. So soll der bisher – im Falle der Produktion für den Eigenverbrauch – benötigte zweite Zähler ab September abgeschafft werden. Zudem ist vorgesehen, die für Anschlüsse notwendigen Prozeduren zu digitalisieren. Es soll möglich sein, die Verträge digital zu unterschreiben. Der Elektriker, der die Anlage installiert, wird eine digitale App erhalten, um den direkten Kontakt mit Creos zu ermöglichen. „Das spart viel Zeit und Geld“, so der Minister.

Mit der Digitalisierung sei „nun auch der Rückstau bei den Hilfen dabei, abgebaut zu werden“. Zudem sollen noch vor dem Sommer zwei Ideen umgesetzt werden: erstens, die Verpflichtung, neue Gebäude automatisch bereit für Solaranlagen zu machen, und zweitens, Hilfen für die Menschen, denen die Mittel zur Errichtung einer eigenen Anlage fehlen.

Des Weiteren habe man sich zuletzt auch mit kleinen, sogenannten „Balkon-Solaranlagen“ beschäftigt. Hierfür seien keine administrativen Schritte notwendig, auch nicht in Residenzen. Der Anschluss könne über den normalen Stecker erfolgen. „Selbst ohne finanzielle Beihilfen zahlt sich die Investition dann innerhalb von fünf bis sieben Jahren aus“, so der Energieminister.

Neue Projektausschreibungen

Gleichzeitig wurde in den letzten paar Jahren, neben den Anstrengungen bei Privathaushalten, auch an der Attraktivität von Solaranlagen für Betriebe gearbeitet, so Turmes. Seit 2019 seien die Beihilfen erhöht und fünf große Ausschreibungen gemacht worden. Mittlerweile gibt es Anlagen auf den Dächern von Produktionshallen, Carports (über Parkplätzen) und selbst ein schwimmendes Solarkraftwerk.

Während das Resultat einer großen Projekt-Ausschreibung für den Eigenverbrauch (75 Unternehmen investieren 44 Millionen Euro) Anfang Juni angekündigt wurde, werde bereits kommende Woche die nächste Ausschreibung gestartet. In dieser soll die Errichtung von Solaranlagen auf Wiesen in Industriezonen erlaubt werden. Zudem soll eine Sonderkategorie für Carports – die wegen der zu errichtenden Struktur etwas teurer sind – geschaffen werden.

„Sehr viele Projekte“ erwartet der Minister dann auch von einer Ausschreibung, die im Bereich der Landwirtschaft gestartet wurde. Da das „einfache Zupflastern von Land“ nicht erwünscht ist, werde es „Solar mit Kartoffeln, Solar mit Hühnern oder Solar mit Kühen“ werden.

Ganz froh sei er zudem auch darüber, dass Luxemburg, wie im Januar angekündigt, dabei ist, eine eigene Produktion von Fotovoltaikmodulen aufzubauen. Bereits im September/Oktober soll die Produktion beginnen und schließlich rund die Hälfte der jährlichen Luxemburger Nachfrage abdecken. „Dann werden wir in Zukunft auch keine Probleme mit den Lieferketten mehr haben.“

4,3 Prozent des verbrauchten Stroms

Bleibt noch zu erwähnen, dass der hierzulande produzierte Solarstrom 2022 gerade mal 4,3 Prozent des gesamten verbrauchten Stroms ausgemacht hat, aber immerhin rund 27 Prozent des Verbrauchs der Haushalte entsprach – wenngleich die Industrie der größte Verbraucher des Landes ist.

Trotz des eigentlich kleinen Anteils sind die Zuwachsraten beachtlich: Im Jahr 2018 stand die Solarenergie erst für 1,8 Prozent des gesamten Verbrauchs und für 12,7 Prozent des Verbrauchs der Haushalte. Der Anteil des für den Eigenverbrauch erzeugten Solarstroms war und bleibt verschwindend gering.


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Grober J-P.
14. Juli 2023 - 9.55

Graphenakkus oder Wasserstofftanks dann kommen wir bestimmt durch den Winter, ohne Sonne.
H. Turmes, wenn Sie mir die Wasserstoffanlage finanzieren bin ich dabei, haben noch Platz in Nachbarsgarten, für Solarzellen. Bitte um Info. Muss Anfragen versenden, das mit den Angeboten wird sehr lange dauern!

Eggs
13. Juli 2023 - 21.06

Trump landet ja auch nachts auf der Sonne. Wegen dem Hitze. Oh mei. Hoffentlich verschwindet die Salat-und Kräuterpartei bald im Wald.

Jemp
13. Juli 2023 - 18.59

"Hinzugekommen war zudem eine Erhöhung der Beihilfen zur Errichtung von Anlagen für den Eigenverbrauch, und neuerdings auch für die Batterie." Gibt es jetzt auch Subsidien für die Batterie? Denn nur mit einem dicken Akku ist eine Solaranlage sinnvoll, da meines Wissens die Einspeisetarife jetzt schon sehr niedrig sind und auch noch fallen werden, falls noch mehr Solaranlagen installiert werden.