Zoff im NetzSeltsamer Online-Angriff auf Météo Boulaide – Meteolux droht dem Tageblatt

Zoff im Netz / Seltsamer Online-Angriff auf Météo Boulaide – Meteolux droht dem Tageblatt
Sind Ernzers Vorwürfe gegenüber Meteolux wirklich nur „Publicity“ oder berechtigte Kritik? Symbolfoto: Editpress/Julien Garroy

Seltsame Online-Angriffe gegen „Météo Boulaide“- Betreiber Philippe Ernzer sorgten am Sonntag für Aufregung. Ernzer vermutet hinter den teils persönlichen Attacken einen Meteolux-Mitarbeiter. Das Tageblatt hat beim staatlichen Wetterdienst nachgefragt, was da läuft. Als Antwort gab es eine Drohung.

Graue Gewitterwolken nicht nur draußen, sondern auch über den sozialen Medien. Wetterexperte Philippe Ernzer von Météo Boulaide, der auch für die Wetterseite und -berichte im Tageblatt zuständig ist, kritisierte den staatlichen Wetterdienst Meteolux dafür, dass er am Sonntag nicht vor den Überschwemmungen im Raum Schengen-Bad Mondorf gewarnt hat. Dort musste kurzzeitig der Autobahnabschnitt der A13 zwischen dem Tunnel Markusberg und der Ausfahrt Mondorf gesperrt werden. Wasser hatte sich auf dem Streckenabschnitt gestaut, sodass ein sicheres Durchkommen nicht mehr möglich war.

Ernzer teilte einen Screenshot der Meteolux-Warnstufe, die für ganz Luxemburg die Farbe Grün anzeigte. Demnach soll zu dem Zeitpunkt keine Gefahr bzw. potenzielle Gefahr durch Wetterereignisse bestanden haben. Ernzer schreibt jedoch, dass Radardaten darauf hinweisen, dass es im Raum Bad Mondorf in weniger als einer Stunde mehr als 50 l/m2 geregnet hat.

Viel Kritik, einige Verwirrung

Ein Facebook-Nutzer stellte daraufhin Ernzers Kompetenzen als Meteorologe infrage: „Du als Profi musst doch wissen, dass ‚laut Radardaten‘ ein gerechneter und nicht ein gemessener Wert ist.“ Diesen Vorwurf lässt Ernzer jedoch nicht auf sich sitzen: Es sei offensichtlich gewesen, dass es noch zu solchen Überschwemmungen kommen könnte.

Ernzer verfüge über eine treue Community, die seine Arbeit sehr schätzt. Viele darunter hätten das Gefühl, nicht ausreichend vom staatlichen Wetterdienst gewarnt zu werden, meint Ernzer. Ein Beispiel: das Hochwasser von 2021. Die Treue seiner Community scheint allerdings auch die unausgesprochene Feindschaft zwischen Météo Boulaide und Meteolux zusätzlich zu befeuern, meint er weiter. Mit einer derartigen abwertenden Haltung und solchen Angriffen werde er, und auch die Betreiber von Météo Remich, des Öfteren konfrontiert – auch und immer wieder vonseiten des staatlichen Wetterdienstes Meteolux, sagt Ernzer im Gespräch mit dem Tageblatt.

Persönliche Angriffe und ein Einschüchterungsversuch

Laut Ernzer war das auch dieses Mal nicht anders. Und so nahm der Online-Streit zwischen Ernzer und dem Facebook-Nutzer dann immer seltsamere Dimensionen an.

Als Ernzer hinter dem Profil einen Meteolux-Mitarbeiter in Führungsposition vermutete, wurden die Angriffe gegen den „Météo Boulaide“-Betreiber rabiater und persönlicher. Das Tageblatt fragte daraufhin bei Meteolux nach. Die betroffene Person wies jede Verwicklung in die Causa ab und bestritt, Autor der Posts gegen Ernzer zu sein. Ernzer würde mit diesen Anschuldigungen „Publicity“ für sich betreiben, hieß es. Darauf folgte so umgehend wie überraschend die Drohung gegenüber dem Tageblatt, Anwälte einzuschalten. Und damit nicht genug: Mit „einem Klick“, wie es am Telefon im Meteolux-Büro hieß, könne das Tageblatt von allen Informationen des staatlichen Wetterdienstes abgeschnitten werden, sollte die Berichterstattung in diesem Fall nicht genehm sein.

Gewitterwolken am realen Himmel – und in den Social Media
Gewitterwolken am realen Himmel – und in den Social Media Foto: Editpress/Guido Romaschewsky

Loewen Patrick
21. Mai 2024 - 15.45

Setzt den Elon Musk elo och am Verwaltungsrot vun Meteolux?

Stein Francois
20. Mai 2024 - 22.37

Berechtigte Kritik oder Verbesserungsvorschläge sowie Nachfragen seitens der freien Presse scheinen aus diktatorischer Einstellung nicht erwünscht oder erlaubt zu sein .Also bringt man als Drohung zwecks Erzüchtigung der kritischen Presse mal Sanktionen ins Spiel, gewollt oder ungewollt...vielleicht nur eine Überreaktion einer beleidigten Leberwurst.Egal wie solche gefährliche Aussagen können nicht geduldet werden.Eine Klarstellung der Sachlage seitens des Verursachers muß her um dann weiterzusehen wo es lang gehen könnte.Wehret den Anfängen..

Goebel Frank
20. Mai 2024 - 21.34

Ansonsten sei mein Artikel zum Unwetter 2021 noch einmal zur Lektüre empfohlen: https://www.tageblatt.lu/nachrichten/luxemburg/die-heftigen-fluten-kamen-auch-in-luxemburg-nicht-ueberraschend-wurde-zu-spaet-und-verhalten-gewarnt/ Highlights: Prognose-Grafiken, die, immerhin, auf "inondations.lu" das sich abzeichnende Malheur anzeigten, wurden später, seltsamerweise, als „versehentlich“ gepostet bezeichnet: Sie seien „so nicht für die Öffentlichkeit gedacht gewesen“. Geheimsache Bevölkerungsschutz! Außerdem vergaß man an anderer Stelle „im Eifer des Gefechts", eine Warnmitteilung per GouvAlert zu versenden.

Goebel Frank
20. Mai 2024 - 21.28

Ah ja. Der Leiter einer öffentlichen Einrichtung, die dazu da ist, vor Unwettern zu warnen, kündigt ausdrücklich an, eben diese Arbeit nicht mehr zu machen und die Einwohner Luxemburgs vorsätzlich zu gefährden, nämlich indem ein Massenmedium nicht mehr informiert wird. Herr Minister für zivile Sicherheit, handeln Sie!

François Besch
20. Mai 2024 - 18.37

Elleng d'Tatsaach, dat de Chef vun enger staatlecher Verwaltung enger Zeitung domadder dréit se 'vun all Informatiounen ofzeschneiden' beweist, dat do méi dohannert stécht. Oarmséileg!

Lucilinburhuc
20. Mai 2024 - 17.58

"ALJP, we have a problem" ALJP = Journalistenvereinigung

Isabelle D.
20. Mai 2024 - 17.54

Ech verstinn net wei dir dem PE vun Météo Boulaide nach mei Plattform kënnt bidden fir Werbung ze machen... Ech denken net dass hien hei d'Opfer ass... Am geigendeel hien ass deen wou hei een an e ganzen Service vum Staat un den Pranger stëllt ouni iergentwelch konkret Beweiser... Daat ass Rufmord! Firun allem Numm a Firnumm ze erwähnen, den Job an Profiler mat Foto vun aneren Sozialen Medien mat dobai ze deelen geet guer net! An dir ennerstëtzt daat?

Nomi
20. Mai 2024 - 17.19

D'Tunnellen gin all Johrs zeg mol gebotzt, mee gin dei' Reenwasserkanael och mol gebotzt ?? Soss geif do keen Wasser sto'en bleiwen !!

Francine Louchetter
20. Mai 2024 - 17.10

Da wird es wohl eine parlamentarische Anfrage geben. Was die Ministerin wohl zu dem anmaßenden Verhalten vom "Staatsdiener" von Meteolux zu sagen hat?