Beschäftigung

Auch im ersten Quartal 2026 bleibt die Entwicklung in Luxemburg schlecht

Zu Beginn des Jahres 2026 bleibt die Lage auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt überaus schwach. Die Zahl der Beschäftigten ist im ersten Quartal zwar leicht gestiegen, der Zuwachs kommt aber erneut hauptsächlich aus einem Bereich: dem Staat. Er steht für fast 80 Prozent aller neu geschaffenen Arbeitsplätze.

Luxemburgs Arbeitsmarkt hängt weiter am Staat

Luxemburgs Arbeitsmarkt hängt weiter am Staat Foto: Editpress/François Aussems

Die Zeit, in der die Politik über die Probleme debattiert hat, die eine immer schneller wachsende Zahl an Beschäftigten mit sich bringt, rückt immer weiter in die Vergangenheit. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren ist das Gegenteil der Fall. Die Zahl der Arbeitsplätze wächst nur noch sehr langsam, und das bringt viele eigene Probleme mit sich.

Laut neuen Statec-Zahlen ist die Zahl der Arbeitsplätze in Luxemburg im ersten Quartal 2026 um netto 1.400 Stellen gewachsen. Das sind etwa 15 neue Jobs pro Tag, ein ähnlich hohes – oder niedriges – Wachstum wie in den beiden Jahren zuvor.

15 neue Jobs pro Tag mag nun nach viel klingen, sind es aber nicht. Unter anderem zeigt der Vergleich mit den Jahren zuvor, wie schwach das Wachstum geworden ist: Zwischen 2017 und 2023 sind durchschnittlich etwas mehr als 30 neue Arbeitsplätze pro Tag entstanden. Luxemburg schafft also weiter Jobs. Aber halt deutlich weniger als in jenen Jahren, in denen das Land sich noch Sorgen über „zu viel Wachstum“ machte.

1.400 neue Arbeitsplätze in drei Monaten

Volkswirtschaftlich schlecht ist zudem, dass die große Mehrheit der neuen Arbeitsplätze zwischen Januar und März 2026, wie bereits in den beiden Jahren zuvor, beim Staat entstanden ist. Von den 15 neuen Jobs pro Tag sind stolze 12 auf Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitswesen zurückzuführen: Das sind rund 1.100 der 1.400 neuen Arbeitsplätze. Oder anders gesagt: Ohne den Staat wäre vom Beschäftigungswachstum fast nichts übrig geblieben. Kein anderer Sektor wächst auch nur annähernd so schnell.

Vor allem bei der Zentralverwaltung sowie bei den ambulanten Sozialdiensten für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung wurde im Laufe eines Jahres das stärkste Wachstum verzeichnet, präzisiert Statec.

12

In Luxemburg sind in den ersten drei Monaten 15 neue Jobs pro Tag entstanden. 12 davon hat der Staat geschaffen.

Im Privatsektor sind in den betreffenden drei Monaten netto nur etwa 300 neue Jobs entstanden. Das Muster aus den Jahren 2024 und 2025 setzt sich damit fort. Der private Sektor baut zwar nicht überall Stellen ab. Aber er schafft auch nicht genug neue, um wieder zum alten Motor des Luxemburger Wachstumsmodells zu werden. Pro Tag hat er etwa drei neue Jobs geschaffen – in den guten Vorjahren war es hingegen regelmäßig ein Plus von 30 neuen Arbeitsplätzen pro Tag.

Stagnation im Bauwesen

Im Detail: Im Sektor Handel, Transport sowie Hotel- und Gaststättengewerbe wurde im Quartalsvergleich ein leichter Rückgang bei der Zahl der Arbeitsplätze gemessen. Auch die Informations- und Kommunikationsbranche gab minimal nach. Die Industrie legte derweil leicht, um 0,2 Prozent, zu. Auch der Finanzsektor kam nur auf ein mageres Plus von 0,1 Prozent. Einzig der Bereich der spezialisierten Unternehmensdienstleistungen zeigte mit plus 0,5 Prozent eine etwas bessere Dynamik. Doch das reicht nicht, um die Schwäche im Privatsektor insgesamt zu überdecken.

Im Bauwesen war die Lage in den ersten drei Monaten des Jahres etwas weniger schlecht als in den Vorquartalen. Gegenüber dem vierten Quartal 2025 haben die Statistiker von Statec ein kleines Plus von 0,1 Prozent gemessen. Das ändert aber wenig am Gesamtbild. Im Jahresvergleich liegt die Beschäftigung im Bau noch immer um 0,9 Prozent niedriger. Die Krise im Bauwesen ist also nicht vorbei. Seit Ende 2022 hat die Branche rund 4.700 Jobs abgebaut – das ist in etwa jeder zehnte Arbeitsplatz.

Auffällig ist auch die Entwicklung bei den Grenzgängern. Ihre Zahl wuchs im ersten Quartal um 0,6 Prozent und damit deutlich stärker als jene der in Luxemburg wohnenden Beschäftigten, die nur um 0,1 Prozent zulegte. Besonders stark ist der Zuwachs bei den Grenzgängern aus Frankreich: plus 1,1 Prozent innerhalb von drei Monaten. Die Zahl der Grenzgänger aus Deutschland ging hingegen erneut zurück, dieses Mal um 0,2 Prozent. Auch das ist kein kleines Detail. Es zeigt, dass sich die Attraktivität des Standortes verändert hat.

Schlecht für die Staatsfinanzen

Diese maue Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird nicht ohne Folgen bleiben. Luxemburgs Wohlstandsmodell beruhte lange auf einer einfachen Gleichung: mehr Jobs, mehr Grenzgänger, mehr Lohnsteuern, mehr Sozialbeiträge. Wenn der Privatsektor aber nur noch wenige neue Jobs schafft und der Staat selbst immer stärker zum Jobmotor wird, wird die Rechnung komplizierter: Die Steuereinnahmen werden nicht mehr so schnell steigen wie gewohnt, während zugleich dauerhaft höhere Ausgaben für Gehälter entstehen.

Genau das ist bereits in den Staatsfinanzen sichtbar. In den ersten drei Monaten 2026 stiegen die Ausgaben des Zentralstaats um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Einnahmen legten nur um 4,5 Prozent zu.

1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 11.07.202607:14 Uhr

Stagnation im Bauwesen heißt, dass der Staat sich mal prioritätsmäßig um diesen Sektor kümmern soll und nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch sozial, weil das Land unbedingt neuen Wohnraum braucht, insbesondere bezahlbaren Wohnungsraum… Il y a du pain sur la planche, Monsieur le CEO, komm raus aus dem Walde !

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