Wohlstand

Das Ende einer Ära: Luxemburger bald nicht mehr Europas reichste Bürger

Es ist eine Statistik, die für Luxemburg eigentlich schon immer nicht ganz richtig war. Interessant ist die Entwicklung dennoch: Die Einwohner Luxemburgs sind dabei, den Titel als reichste Bürger Europas zu verlieren.

Person vergleicht ihren Reichtum mit anderen, Symbol für soziale Vergleiche und Wohlstandsbewertung.

Wer reich ist, entscheidet meist der Vergleich mit anderen

Dank seiner starken Wirtschaft, des Finanzplatzes und des starken Wirtschaftswachstums standen die Einwohner Luxemburgs seit mehr als 30 Jahren unangefochten an der Spitze der Rankings der reichsten Bürger Europas. Diese Zeit geht nun jedoch ihrem Ende entgegen.

Zwar liegt Luxemburg aktuell beim BIP pro Kopf, laut den vorläufigen Ergebnissen des europäischen Statistikinstituts Eurostat, immer noch an der Spitze – jedoch nicht mehr allein. Mit einer Wirtschaftsleistung von 99.300 Euro pro Kopf war der durchschnittliche Einwohner Luxemburgs deutlich „reicher“ als der durchschnittliche EU-Bürger mit seinen 41.600 Euro pro Kopf, berechnet in Kaufkraftstandards, um Preisniveauunterschiede zwischen den Ländern zu berücksichtigen.

Luxemburg liegt damit 239 Prozent über dem EU-Durchschnitt, während am anderen Ende des Rankings die Bulgaren und die Griechen nur auf 68 Prozent des EU-Mittelwertes kommen.

Im Gegensatz zu den Vorjahren liegt Luxemburg mittlerweile, wie bereits erwähnt, nicht mehr unangefochten an der Spitze. Mit einem BIP pro Kopf von 98.800 (oder 237 Prozent des EU-Durchschnitts) hat sich Irland über die letzten Jahre sehr nahe an Luxemburg herangerobbt. Sollten sich diese Trends so fortsetzen, dann wird die grüne Insel das Großherzogtum im laufenden Jahr, 2026, hinter sich lassen.

Seit 2014 geht es bergab

Ganz überraschend kommt die Zeitenwende nicht. Die Aufholjagd Irlands kam graduell. So stand Luxemburg beispielsweise bereits 1995 mit einem BIP-pro-Kopf von 215 Prozent des EU-Durchschnitts an der Spitze des Rankings. Irland hingegen erreichte nur 107 Prozent. Dazwischen standen Länder wie Deutschland, die Niederlande, Dänemark oder Belgien.

In den folgenden 20 Jahren ging es dann sowohl für Luxemburg als auch für Irland, fast unaufhaltsam weiter nach oben. Im Jahr 2014 verzeichnete Luxemburg, verglichen mit seinen Partnerländern, seinen relativ höchsten Reichtum mit 280 Prozent des EU-Durchschnitts. Irland lag damals, mit 141 Prozent auf dem zweiten Platz.

Ab 2015 ging es dann – verglichen mit dem EU-Durchschnitt – für die Bürger Irlands rasant weiter nach oben. Für Luxemburg hingegen begann ein gradueller Abstieg. Im Jahr 2022 zeigten Eurostat-Zahlen, dass die Region Südirland nun erstmals das Großherzogtum als reichste Region im europäischen Staatenbund, abgelöst hatte.

Hintergrund des starken Zuwachses der Ergebnisse Irlands ist eine Wirtschaft, die nun bereits seit Jahren sehr viel schneller wächst als die luxemburgische. Besonders bemerkenswert war der Unterschied auch im Jahr 2025: Während die Wirtschaftsleistung hierzulande, mit einem Plus von 0,6 Prozent, schwächer gewachsen ist als die der meisten Länder der EU, so erreichte die Zuwachsrate auf der grünen Insel stattliche 12,3 Prozent, das mit Abstand beste Ergebnis in der EU.

Irland wächst deutlich schneller

Damit haben die Bürger Luxemburgs 2025, verglichen mit dem Rest der EU, an Wohlstandsvorsprung eingebüßt (Rückgang von 245 auf 239 Prozent verglichen mit dem EU-Durchschnitt beim BIP pro Kopf), während es für die Iren deutlich nach oben ging (Anstieg von 221 auf 237 Prozent verglichen mit dem EU-Durchschnitt beim BIP pro Kopf).

Es gilt noch zu bemerken, dass der Indikator „BIP pro Kopf“ für Luxemburg immer schon nur bedingt aussagekräftig war. Das liegt daran, dass die erwirtschaftete Wirtschaftsleistung (auch die der Grenzgänger) auf die Köpfe der Einwohner verteilt wird. Luxemburg erscheint also als reicher, als es tatsächlich ist.

Eine ähnliche statistische Verzerrung gibt es auch in Irland. So haben, wegen überaus günstiger Steuersätze viele multinationale Konzerne ihren Europasitz auf der Insel, und verbuchen ihre Gewinne dort. Die reale Binnenwirtschaft Irlands wächst solide, aber deutlich bescheidener, als die BIP-Zahlen vorgeben.

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