Das Ende des Jobwunders
Luxemburgs Privatsektor schafft 2025 nur noch wenig neue Stellen
Die Entwicklung auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt im Jahr 2025 war, wie bereits im Jahr 2024, nicht erfreulich. Das zeigen neue Statec-Zahlen. Wegen der schrumpfenden Zahl der Jobs im Bauwesen, wie auch einem allgemein langsameren Wachstum in anderen Bereichen hat der Privatsektor, netto, nur wenig neue Jobs geschaffen.
Ohne das starke Wachstum beim Staat wäre die Zahl der Arbeitsplätze in den beiden letzten Jahren in Luxemburg kaum gestiegen Foto: Editpress/François Aussems
Manche „Probleme“ lösen sich von selbst: Während Jahren wurde sich in Luxemburg über zu viel Wachstum, zu viele neue Jobs beschwert. Das ist nun seit zwei Jahren wahrlich nicht mehr der Fall.
Neue, vorläufige Jahreszahlen von Statec zeigen, wie schwach diese Entwicklung im Jahr 2025 tatsächlich war: Verbucht wurde ein Plus von rund 5.300 neuen Jobs – deutlich weniger als in den guten Jahren (2017 bis 2019), als mehr als 14.000 neue zusätzliche Arbeitsplätze pro Jahr entstanden sind.
Die Details zeigen zudem, dass die Entwicklung volkswirtschaftlich noch negativer ist, als aus dieser Zahl ersichtlich: Der kleine verbuchte Zuwachs ist nämlich fast allein auf den Staat zurückzuführen. Im Privatsektor gab es während des gesamten Jahres 2025 nur ein sehr kleines Nettojobwachstum.
Die Krise im Bausektor belastet
Von den 5.300 neu geschaffenen Arbeitsplätzen entfallen 4.400 auf den Staat. Im Privatsektor sind somit innerhalb eines Jahres, netto, nur rund 900 zusätzliche Jobs entstanden. Ähnlich schlecht waren die Zahlen bereits im Jahr 2024.

Ein wichtiger Grund dieser schlechten Entwicklung ist dabei die weiterhin sehr negative Entwicklung im luxemburgischen Bauwesen. Innerhalb des Jahres 2025 hat Statec, den vorläufigen Zahlen zufolge, hier einen Rückgang von mehr als 1.100 Jobs gemessen. Seit Beginn der Krise auf dem Luxemburger Immobilienmarkt im letzten Quartal 2022 bis zum Tiefstpunkt im dritten Quartal 2025 ist ein Verschwinden von 4.800 Arbeitsplätzen im Bauwesen gemessen worden. Mit anderen Worten: Jeder zehnte Job im Bausektor ist in dieser Zeit gestrichen worden.
Hinzu kamen letztes Jahr ebenfalls noch ein weiterer Abbau der Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie (minus 245 Jobs) und im Bereich ICT (minus 500 Jobs). In beiden Bereichen waren auch im Vorjahr Rückgänge bei der Zahl der Jobs gemessen worden.
Der Jobabbau in diesen Sektoren war dermaßen hoch, dass der Zuwachs der Arbeitsplätze in anderen Sektoren nicht ausgereicht hat, die Zahlen spürbar zu verbessern. Im Bereich der spezialisierten Unternehmensdienstleistungen sind 930 neue Jobs entstanden, im Finanz- und Versicherungswesen 400 zusätzliche Arbeitsplätze und im Gastgewerbe war es ein Plus von rund 600.
2,6
neue Jobs pro Tag hat der Privatsektor letztes Jahr in Luxemburg gechaffen. In den guten Vorjahren war es hingegen regelmäßig ein Plus von 30 neuen Arbeitsplätzen pro Tag.
Umgerechnet in neue Jobs pro Tag bedeutet das, dass der Privatsektor letztes Jahr im Schnitt nur noch 2,6 neue Arbeitsplätze pro Tag geschaffen hat. In den guten Vorjahren war es hingegen regelmäßig ein Plus von 30 neuen Jobs pro Tag.
Ohne Staat kaum Wachstum
Im Gegensatz zu dem heftigen Einbruch im Privatsektor ist die Schaffung neuer Jobs beim Staat heute in etwa auf gleicher Höhe als in früheren Jahren: 2025 sind im Schnitt täglich 12 neue Arbeitsplätze geschaffen worden.
Gilt noch zu erwähnen, dass es nicht nur Jobs in der Verwaltung sind, die beim Staat geschaffen wurden. Von den 4.400 neuen Jobs sind letztes Jahr rund 2.000 im Gesundheitswesen, 1.000 im Bildungsbereich und 1.400 bei der Verwaltung entstanden.
Seit Jahren ist das Gewicht des Staates als Arbeitgeber am Wachsen: Im Jahr 2000 stand er für 17 Prozent aller Beschäftigten hierzulande – heute hat er einen Anteil von 23,1 Prozent. Fast unbemerkt hat es damit in den letzten Jahren eine Verschiebung zwischen den Sektoren gegeben: Der Staat hat mittlerweile den traditionellen Spitzenreiter „Handel“ als größten Arbeitgeber überholt.
Die Aussichten für die Zukunft bleiben nicht sonderlich optimistisch, auch wenn es noch vor einigen Wochen Anzeichen für eine Besserung gab. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet Statec für das laufende Jahr, laut den Prognosen von Ende Februar, lediglich eine Zuwachsrate von 1,6 Prozent bei der Beschäftigung, nach 1,1 Prozent im Jahr 2025. Mit einem Erreichen der einstigen Zuwachsrate von drei Prozent pro Jahr wird, zumindest bis 2029, nicht gerechnet. Hinzu kommt, dass das statistische Institut nun Ende März erklärt hat, dass es die bestehenden Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Luxemburg, aufgrund der schwierigen geopolitischen Lage, für das laufende Jahr wohl herunterschrauben muss.
Das Wachstum der Zahl der Arbeitsplätze ist ein wichtiger Faktor für die Luxemburger Staatsfinanzen, bedingt durch Steuern auf den Gehältern. Die Einnahmen aus diesem Bereich sind seit vielen Jahren am Wachsen: 2010 war die Marke von zwei Milliarden Euro jährlich ständig überschritten worden. Seit 2014 liegen die diesbezüglichen Jahreseinnahmen bei mehr als drei Milliarden. Von den 25,6 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, die der Staat im Jahr 2025 verbucht hat, sind allein 6,7 Milliarden auf die Steuern auf Gehälter zurückzuführen. Wegen der Entwicklung der Sozialabgaben bedeuten diese Zahlen auch für das Renten- und das Gesundheitswesen nichts Gutes.
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