Analyse
Nächstes Jahr könnte die Staatsschuld auf über 30 Prozent des BIP steigen
Einst war fiskalische Disziplin ein Markenzeichen Luxemburgs – heute zeigen die Zahlen für 2025 ein Bild, das so noch kaum je dagewesen ist. Dass das Defizit höher ausfällt als geplant, ist jedoch kein Ausrutscher, sondern Teil eines strukturellen Musters, dessen Folgen vor allem die junge Generation tragen muss.
Im Finanzministerium ist eine Zeitenwende angesagt Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Noch bis vor wenigen Jahren waren vorbildliche Staatsfinanzen Teil der politischen Identität des Landes, die auch dann hielt, wenn andere Länder lockerer mit ihren Budgets umgingen. Das Tageblatt haderte in dieser Zeit mitunter mit dieser Vorgehensweise. Oftmals wurden Projekte nicht angegangen, da laut der sehr konservativen Finanzplanung dafür kein Geld mehr zur Verfügung stand. Monate später wurden dann millionenschwere Überschüsse verkündet.
Auch der „Conseil national des finances publiques“ (CNFP) beklagte, dass die Planung der Luxemburger Staatsfinanzen jahrelang durch systematische Verzerrungen geprägt war. Im Durchschnitt wurde das Budget für das nächste Jahr jeweils um 523 Millionen Euro zu negativ eingeschätzt, so eine Untersuchung des CNFP zu den Jahren 2007 bis 2023. Vor allem die Einnahmen wurden Jahr für Jahr um mehrere hundert Millionen Euro niedriger geschätzt, als sie letztendlich ausfielen.