Mindestlohn-Debatte
OGBL warnt vor wachsender Frauenarmut in Luxemburg
Die OGBL-Frauenabteilung kritisiert die Entscheidung der CSV-DP-Regierung zum Mindestlohn. Sie warnt vor wachsendem Armutsrisiko bis ins Alter, insbesondere bei Frauen.
Die OGBL-Frauenabteilung warnt vor wachsender Frauenarmut Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
Die CSV-DP-Regierung hat vor Kurzem beschlossen, den Mindestlohn nicht strukturell zu erhöhen. Eine Entscheidung, die für Diskussionen sorgt. Kritik kommt unter anderem von der Frauenabteilung des OGBL. Denn: Insbesondere Frauen leiden laut der Gewerkschaft unter prekären Arbeitsverhältnissen und sind von Armut bedroht. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Dienstag hervor.
Vor allem alleinerziehende Haushalte leben in Luxemburg unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Diese Familien werden überwiegend von Frauen geführt. Die Gewerkschaft warnt: Ein unzureichender Mindestlohn verschlimmert diese Lage weiter.
Ein Blick auf die Daten
Wer in Luxemburg den Mindestlohn verdient
In von Frauen dominierten Branchen verschärfe sich diese Gefährdung zusätzlich. Unter anderem der Reinigungssektor sei „geprägt von niedrigen Löhnen, befristeten Verträgen, hoher Arbeitsbelastung und aufgezwungener Teilzeitarbeit“, schreibt der OGBL. Ähnliche Bedingungen herrschten im Handel. Der in diesen Niedriglohnbranchen häufig erzwungene Rückgriff auf Teilzeitarbeit führe langfristig zu geringeren Einkommen und damit zu reduzierten Rentenansprüchen. 80 Prozent der Bezieher der Mindestrente seien Frauen.
Unsicherheit auf Lebenszeit
Frauen blieben somit ihr Leben lang in prekären Verhältnissen – mit gesundheitlichen Folgen. Denn: Sie verzichten laut OGBL häufiger aus finanziellen Gründen auf medizinische Versorgung und leben im Schnitt bei guter Gesundheit zwei Jahre weniger als Männer. 85 Prozent der gesamten Haushaltshilfen seien zudem von den Sozialämtern verteilte Lebensmittelhilfen. Für die Gewerkschaft ein Zeichen dafür, dass viele Familien Schwierigkeiten haben, sich ausreichend zu ernähren.
Zahlreiche Frauen leisten zusätzlich umfangreiche unbezahlte Arbeit – etwa in der Kinderbetreuung, der schulischen Unterstützung, der Organisation des Familienalltags oder der Pflege älterer Menschen. Diese Arbeit sei gesellschaftlich unverzichtbar, verstärke jedoch die finanzielle Unsicherheit der Betroffenen aufgrund der Abhängigkeit von einem Mindestlohn, „von dem man nicht leben kann“.
Die Gewerkschaft warnt zudem: Mit der Stagnation des sozialen Mindestlohns steige auch das Risiko häuslicher Gewalt. Wirtschaftliche Unabhängigkeit sei ein zentraler Schutzfaktor – besonders mit Blick auf die aktuelle Wohnungskrise.
Die OGBL-Frauenabteilung fordert daher eine sofortige und strukturelle Anhebung des sozialen Mindestlohns und der Mindestrente, eine Anpassung der Teuerungszulage an die Lebenshaltungskosten, einen allgemeinen Zugang zu Gesundheitsleistungen und wirksame Maßnahmen gegen prekäre Wohnverhältnisse. (les)