Interview mit Litauens Verteidigungsminister
„Die russische Gesellschaft sollte spüren, was sie der Ukraine angetan hat“
In Litauen sichern auch luxemburgische Soldaten die Ostflanke der NATO gegenüber Russland. Ein Gespräch mit dem litauischen Verteidigungsminister Robertas Kaunas über eine neue Phase des Krieges in der Ukraine – und die Zukunft Europas in der NATO.
Robertas Kaunas ist Mitglied der Litauischen Sozialdemokratischen Partei (LSDP) und seit November 2025 Verteidigungsminister Foto: Editpress/Alain Rischard
Tageblatt: Herr Kaunas, Ihre Heimat Litauen ist als Teil des Baltikums Europas Grenze zu Russland. Wie ist die Lage vor Ort aktuell?
Robertas Kaunas: Jedes Land, das eine Grenze mit Russland hat, hat Aggressionen von Russland erlebt. Finnland hatte einen Krieg. Estland, Lettland und Litauen, wir waren fast 50 Jahre besetzt von der Sowjetunion. Das ist eine lange Zeit. Jetzt erleben wir den Krieg in der Ukraine, den Russland begonnen hat. Die Bedrohung durch Russland ist nicht theoretisch. Das ist eine reale Situation. Im Baltikum erleben wir gerade Drohnenüberflüge von russischer und belarussischer Seite. Hinzukommen Desinformationskampagnen, die behaupten, Litauen würde Land zur Verfügung stellen, von wo aus russisches Gebiet angegriffen werde. Das ist Unsinn und eine Lüge. Wenn wir diese realen Bedrohungen mit unserer Geschichte vergleichen, wird umso deutlicher, dass Russland nicht in Frieden mit seinen Nachbarn leben will.