Tag der Arbeit
Keine Versöhnung: Back und Dury stimmen in ihren Reden zum Arbeitskampf ein
Zum 1. Mai sprechen OGBL und LCGB eine Sprache: Die Verhandlungszeit mit der Regierung ist vorbei. Was das für die Tripartite bedeutet.
Von der Abtei Neimënster nach Remich: Die Gewerkschaften haben eine gemeinsame Botschaft für die Regierung Fotos: Sidney Wiltgen (l.)/Luc Laboulle(r.)/Editpress
Zwei Veranstaltungen, eine Botschaft: Zum diesjährigen 1. Mai haben OGBL und LCGB nochmal getrennt gefeiert, Rot in der Abtei Neimënster, Grün in Remich. Inhaltlich sprachen beide Gewerkschaftspräsidenten aber mit einer Stimme. Und die war alles andere als versöhnlich.
Am Horizont: die Tripartite, zu der Premierminister Luc Frieden angesichts der drohenden Energiekrise, der damit einhergehenden Inflation und der schwächelnden Konjunktur eingeladen hat. Die Gewerkschaften werden hingehen, doch die Erwartungen halten sich in Grenzen. LCGB-Präsident Patrick Dury erklärte die Verhandlungszeit schlicht für beendet: „Et ass definitiv eriwwer.“ Was am Tisch nicht erreicht werde, so Dury, werde über andere Mittel erkämpft.
Regierungskapitän Luc Frieden war nicht zum LCGB nach Remich gekommen, dafür aber Vizepremier Xavier Bettel, Finanzminister Gilles Roth, Arbeisminister Marc Spautz, Gesundheitsministerin Martine Deprez, Kulturminister Eric Thill und Digitalisierungsministerin Stéphanie Obertin. Sie liessen die teils heftige Kritik über sich ergehen, die LCGB-Präsident Patrick Dury in seiner sehr kämpferischen und gewohnt emotionalen Rede an der Regierung und insbesondere am Premierminister äußerte.
Beim OGBL haben sich am Morgen vor allem Oppositionspolitiker der LSAP, déi gréng und déi Lénk eingefunden. Vetreter von CSV oder DP waren bei der Rede von Gewerkschaftspräsidentin Nora Back keine anwesend. Traditionell trudeln Regierungsvertreter erst nach ihrem Besuch beim LCGB am Nachmittag in der Abtei Neumünster ein.
Demonstrative Geschlossenheit
Dass beide Gewerkschaften diesmal getrennte Veranstaltungen abhielten, tat der demonstrativen Geschlossenheit keinen Abbruch. Dury spielte in Remich eine Videobotschaft von Nora Back ein, Back ließ in Neimënster die Grüße ihres LCGB-Kollegen per Video ausrichten. Ein bewusstes Symbol: Die Gewerkschaftsunion, seit der gemeinsamen Großdemonstration vom 28. Juni 2025 institutionalisiert, wolle keine Eintagsfliege sein, so Dury, „éischter schonn e Schaffpäerd“.
OGBL-Präsidentin Nora Back formulierte die roten Linien: keine Indexmanipulation, kein Alibi-Theater. Die Gewerkschaften hätten die Tripartite als erste gefordert, der Premier habe lange geblockt. Nun erwarte man eine Tripartite „mat Wäitbléck“ — einen New Deal für Luxemburg, nicht eine Neuauflage der gescheiterten Ronde sociale von 2025, die laut Back nichts als eine Alibiveranstaltung gewesen sei.
Der eigentliche Streitpunkt bleibt der Mindestlohn. Beide Gewerkschaften fordern eine strukturelle Erhöhung um 300 Euro, also rund elf Prozent. Die Regierung hat das bislang abgelehnt und sich hinter einer Berechnungsmethode verschanzt, die OGBL und LCGB als manipuliert zurückweisen. Für den 12. Mai ruft die Gewerkschaftsunion zu einem ersten Mobilisierungstreffen auf.
„Mat eis gëtt et keen zeréck an d‘19. Joerhonnert!“ skandierte Dury am Schluss und erntete viel Applaus, Trillerpfeifenpfiffe und Standing Ovations von den LCGB-Gewerkschaftern, nur die Regierungsmitglieder und die Abgeordneten von CSV und DP blieben sitzen.
Die Drohkulisse steht: Sollte die Regierung zudem das Gesundheitswesen in Richtung Zweiklassenmedizin umbauen, kündigten beide Präsidenten eine Kampagne an, an deren Ende, so die explizite Warnung, der Generalstreik stehe.