Porträt von Martine Hansen

„Eine absolute Fachfrau“

Schon als CSV-Oppositionsleaderin hatte sich Martine Hansen als Sprachrohr der konventionellen Landwirtschaft im Parlament hervorgetan. Als sie 2023 Landwirtschaftsministerin wurde, war die Freude bei den Bauernverbänden groß. Vor zwei Monaten teilte CSV-Premier Luc Frieden ihr mit, sie solle von Georges Mischo das Sportressort übernehmen. Martine Hansen stellte sich nicht auf den Kopf.

Premier Luc Frieden und Großherzog Guillaume mit Sportminister Martine Hansen bei Vereidigung am 11. Dezember

Am 11. Dezember mit Premier Luc Frieden, nachdem Großherzog Guillaume Martine Hansen als Sportminister vereidigt hatte Foto: Editpress/Julien Garroy

Martine Hansen (60) ist Luxemburgs erste hauptamtliche Sportministerin. Ihr unglücklicher Vorgänger Georges Mischo hatte als Arbeitsminister nicht nur OGBL und LCGB gegen sich aufgebracht, sondern als Sportminister auch das „Comité olympique et sportif luxembourgeois“ (COSL). Schließlich war er ausgerechnet über sein Prestigeprojekt Nationales Sportmuseum gestolpert und am 7. Dezember auf Druck der Gewerkschaften, der LSAP-Opposition, Reporter und des Premierministers zurückgetreten. Am gleichen Tag habe Luc Frieden ihr mitgeteilt, dass sie das Sportressort übernehmen soll, sagte Hansen kürzlich im Gespräch mit dem Tageblatt. Dass der frühere LCGB-Generalsekretär Marc Spautz Arbeitsminister werden würde, hatte sich schon länger abgezeichnet. Dass Hansen zusätzlich zur Landwirtschaft und zum Konsumentenschutz den Sport übernehmen würde, war weniger vorhersehbar. In Luc Friedens Regierung haben nur Frauen mehr als zwei Ressorts: Yuriko Backes von der DP, die vom Premier delegierte Elisabeth Margue von der CSV und nun auch Martine Hansen.

Sie wisse nicht genau, ob Frieden sie gefragt habe oder nicht; hätte sie sich auf den Kopf gestellt, hätte sie das Sportressort wohl nicht annehmen müssen, mutmaßt Hansen. Es wäre ihr lieber, „de Georges“ wäre noch da. Doch Sport sei eine sehr schöne Aufgabe. Sie läuft in ihrer Freizeit und fährt Rennrad, manchmal von ihrem Zuhause in Heiderscheidergrund in ihre Ministerien nach Luxemburg-Stadt.

„Wann ech eng Decisioun geholl hunn, da maachen ech et“, sagt Martine Hansen. Am 11. Dezember wurde sie gemeinsam mit Marc Spautz vereidigt. Wie schon am 30. April 2013, als sie den zum Europäischen Gerichtshof wechselnden François Biltgen als Hochschulministerin und Spautz Marie-Josée Jacobs als Familienminister ersetzte. Allerdings nur für sieben Monate, weil die CSV nach den vorgezogenen Neuwahlen in die Opposition musste.

Null Toleranz

Martine Hansen ist eine Opportunistin – im besten Sinne des Wortes. Sie nutzt die Gelegenheiten, die sich ihr bieten, passt sich an neue Lebenslagen anstandslos an. Obwohl sie nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften in Hohenheim bei Stuttgart Beamtin im Landwirtschaftsministerium werden wollte, landete sie im Bildungswesen. 2005, als der damalige Direktor der Ackerbauschule, Norbert Feltgen, sie fragte, ob sie seine Nachfolge antreten wolle, habe sie nicht lange gezögert. Bevor sie die Schulleitung übernahm, begann sie ein Fernstudium in Bildungsmanagement an der Technischen Universität Kaiserslautern. Mit einer Null-Toleranz-Einstellung gegenüber Cannabis legte sie als Direktorin des „Lycée technique agricole“ den Grundstein für ihre politische Karriere. Im Herbst 2011 ließ sie umfangreiche Urintests in der Ackerbauschule durchführen. Nachdem ein Schüler sich an die Öffentlichkeit gewandt hatte, weil „ganze Klassen“ ohne „akuten Tatverdacht“ zu Urintests gezwungen worden seien und von „Hexenjagd“ und „Demütigung“ gesprochen hatte, befassten sich das Parlament und der Ombudsman mit dem Fall.

Octavie Modert und Marc Spautz im April 2013 nach Ernennung durch Jean-Claude Juncker als politische Quereinsteigerin.

Mit Octavie Modert und Marc Spautz im April 2013, nachdem Jean-Claude Juncker die Direktorin der Ackerbauschule als politische Quereinsteigerin in die Regierung geholt hatte Foto: Editpress/Martine May

Mitglied der CSV war sie schon 2008 geworden, als der damalige Nord-Abgeordnete Marco Schank sie als Kandidatin für die Kammerwahlen rekrutieren wollte. Die alleinerziehende Mutter lehnte ab, ihre Tochter war damals vier Jahre alt. Als Jean-Claude Juncker sie 2013 fragte, ob sie Ministerin werden wolle, sagte sie zu. Davor habe sie sich mit ihren Eltern und ihrem damaligen Lebenspartner, dem heutigen Diekircher CSV-Gemeinderat Dan Kneip, beraten; ihr Nachbar habe ihr versichert, er werde ihre Tochter, die gerade die erste Kommunion gefeiert hatte, ab und an zur Schule fahren. Martine Hansen wusste, worauf sie sich einließ: Nach dem Rückzug von Marie-Josée Jacobs aus der Politik brauchte die CSV eine neue Frau im Norden. Paperjam berichtete damals, Betty Fontaine sei Junckers erste Wahl gewesen, doch die Erbin der Simon-Brauerei hatte andere Pläne.

Als Sportministerin ist Hansen in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter als in ihren anderen Ressorts. Seit ihrem Amtsantritt war sie bei den nationalen Cyclocross-Meisterschaften in Diekirch, um Medaillen zu überreichen; beim CMCM-Leichtathletik-Meeting in der Coque posierte sie mit den Rekordhalterinnen Patrizia Van der Weken und Victoria Rausch. Etwas Publicity tut ihrer Partei gut, ihr persönlich auch. Umso mehr sie in ihrem Wunschressort Landwirtschaft seit Wochen in der Kritik steht.

Neuausrichtung

Das „Mouvement écologique“ (Méco) veröffentlichte vor drei Wochen seine Analyse zu dem von Martine Hansen im Dezember vorgestellten Aktionsplan zur Bio-Landwirtschaft. Der „PAN-Bio 2030“ sei ohne Beteiligung der betroffenen und interessierten Akteure erstellt worden und liege weit hinter den sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Erfordernissen zurück, bemängelt die Umweltorganisation. Eine von ihr geforderte „Table ronde“ zur Biolandwirtschaft habe Hansen abgelehnt, bedauerte Méco-Präsidentin Blanche Weber kürzlich im Lëtzebuerger Land. Obwohl die Biodiversität in Luxemburg stark rückläufig sei und die Gewässer in keinem guten Zustand seien, stelle der Bioaktionsplan keine Verbindung zwischen Biolandwirtschaft und Umweltschutz her. CSV-Umweltminister Serge Wilmes sei leider kein wirksames Gegengewicht zu Hansens „pragmatischer“ Landwirtschaftspolitik, moniert das Méco. Auch die Plattform „Meng Landwirtschaft“ forderte im Tageblatt eine „grundlegende Neuausrichtung“ der luxemburgischen Agrarpolitik. Selbst der DP-Abgeordnete und Biobauer Luc Emering zeigte sich enttäuscht von Martine Hansen „PAN-Bio 2030“.

Dass in ihrem Aktionsplan geringere Anforderungen stehen als im „PAN Bio 2025“, den ihr LSAP-Vorvorgänger Romain Schneider 2020 auf den Weg gebracht hatte, sei „Charaktersache“, sagt Martine Hansen kürzlich im Gespräch mit dem Tageblatt. Sie setze sich lieber niedrigere Ziele, die sie überschreite, als zu hohe, die sie nicht erreiche. Die Teilumstellung auf Bio zu fördern, sei fruchtbarer, als Betriebe zur kompletten Umstellung zu zwingen. Beim Wasserschutz seien die Messkriterien zu streng: Obwohl rund 30 Substanzen untersucht würden, reiche es aus, dass für eine Substanz der Messwert überschritten wird, damit das Wasser insgesamt für schlecht erklärt werde. Deshalb wolle sie die Messstandards überdenken, sagt Hansen. Beim Biolandbau sei auch nicht nur alles „wäiss“, als Beispiel nennt sie Kupferansammlungen im Boden: „Das ist ein Schwermetall.“ Nicht zuletzt habe die Regierung Beihilfen beschlossen, um den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, unterstreicht die „Dossiers-Politikerin“, wie politische Weggefährten sie gegenüber dem Tageblatt bezeichnen.

Planungssicherheit

Nur fehlt dem Staat das Geld, um diese Beihilfen vollumfänglich auszubezahlen. Schon Mitte Dezember bemängelte die Bauernzentrale in einer Mitteilung, dass die staatlichen Prämien für gekoppelten Obst- und Gemüsebau um zehn Prozent, die für den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel um 20 Prozent gekürzt worden seien. Als die grüne Abgeordnete Joëlle Welfring vor zwei Wochen in einer mündlichen parlamentarischen Frage von der Landwirtschaftsministerin wissen wollte, wie dieser „flagrante Mangel an Planungssicherheit“ für die Bauern zu erklären sei und was die Regierung dagegen zu unternehmen gedenke, geriet Hansen in Erklärungsnot und verlor sich in technischen Details. Das Problem war schon letztes Jahr bekannt, die Regierung hatte das Ausmaß der Anträge offensichtlich unterschätzt.

Die von der EU-Kommission geplante Reform des EU-Haushalts gefährdet die Planungssicherheit der Bauern zusätzlich. Künftig soll die gemeinsame Agrarpolitik keinen eigenen Fonds mehr haben. Dadurch könnten der luxemburgischen Regierung künftig zehn Millionen Euro weniger zur Unterstützung der Bauern zur Verfügung stehen, rechnete Hansen kürzlich im Radio 100,7 vor.

Georges Mischo im Januar 2019 im Parlament bei politischer Diskussion und Debatte

Im Januar 2019 mit Georges Mischo im Parlament Foto: Editpress/Julien Garroy

Eine „Gefahr“ sehen die Bauern auch in dem von der luxemburgischen Regierung unterstützten Handelsabkommen, das die EU mit den Mercosur-Staaten abschließen will (das EU-Parlament hat vor zwei Wochen entschieden, das bereits unterzeichnete Abkommen durch den Europäischen Gerichtshof überprüfen zu lassen). Die Landwirtschaftsprodukte aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay würden nicht denselben strengen Auflagen unterliegen wie in Europa und könnten die Preise für Fleischerzeugnisse drücken, bemängelte der Präsident der Bauernzentrale, Christian Wester, in den Medien. Obwohl das Mercosur-Abkommen eigentlich in die Zuständigkeit des für den Außenhandel zuständigen DP-Ministers Xavier Bettel fällt, erntete Martine Hansen den Spott, als sie vor zwei Wochen am Rande eines Ministertreffens in Brüssel zugab, nicht alle Einzelheiten des Abkommens zu kennen. Über die letzten Details der Garantien und Schutzmaßnahmen für europäische Bauern sei sie nicht genau im Bilde, sagte sie dem Wort. Drei Tage später begab sich der EU-Kommissar für Landwirtschaft, Christophe Hansen, nach Luxemburg, um den Fauxpas seiner Cousine auf einer Pressekonferenz auszubügeln.

Konventionell

Die Kritik der Bauernzentrale trifft Martine Hansen härter als die der Umweltverbände und Biolandwirte. Schon als die CSV noch in der Opposition war und sie 2018 die erste weibliche Fraktionsvorsitzende ihrer Partei wurde, setzte sie sich für die Belange der konventionellen Landwirtschaft ein. Die komplette Umstellung auf Biolandbau lehnte sie ab: Das sei unrealistisch, würde die flächendeckende Landwirtschaft zerstören und die Produkte verteuern, sodass sie nicht mehr für alle erschwinglich seien, behauptete sie seit 2015. In der Folge entwickelte sie die Erzählung, dass konventionelle Landwirtschaft nicht weniger nachhaltig sei als Biolandwirtschaft, forderte, die gesamte Landwirtschaft müsse effizienter und ressourcenschonender werden. Die der CSV historisch nahe stehende Bauernzentrale, zu deren Sprachrohr sie im Parlament wurde, lobte die CSV-Abgeordnete aus dem Norden regelmäßig in ihrer Verbandszeitung Lëtzebuerger Bauer für ihren realistischen und pragmatischen Ansatz.

Nachdem die großen Bauernverbände am 11. Oktober 2022 vor dem Parlament gegen die neue europäische Gemeinsame Agrarpolitik und den Entwurf zum neuen Agrargesetz demonstriert hatten, sah der frühere Wort-Journalist Laurent Schüssler, seit April 2021 Direktor der Bauernzentrale und Chefredakteur des Bauer, „dunkle Gewitterwolken am Horizont aufziehen“. Während er die mutmaßliche Abwesenheit des damaligen LSAP-Landwirtschaftsministers Claude Haagen und der grünen Umweltministerin Joëlle Welfring bei dem Protest auf ihr mögliches „Desinteresse an den Sorgen der kleinen Leute“ zurückführte, schätzte er den Antrag der CSV-Abgeordneten Martine Hansen, die eine Analyse und Reformulierung der wichtigsten Punkte des Entwurfs zum Agrargesetz forderte, als überaus wichtig ein.

„Verbotspolitik“

Insbesondere den Umweltkurs der Grünen verunglimpfte die Oppositionsführerin von der CSV immer wieder als „ideologische Verbotspolitik“. Mit zum Teil hetzerischen Leitartikeln stärkte der Lëtzebuerger Bauer ihr den Rücken. Gemeinsam erklärten sie die Grünen zum Feindbild, wetterten gegen „übertriebenen“ Umweltschutz, Bauverbote in der Grünzone und zu viel Bio. In vielen europäischen Ländern bestritt die politische Rechte mit Grünen-Bashing ihre Wahlkampagne. Auch CSV-Spitzenkandidat Luc Frieden stimmte vor drei Jahren in den Chor mit ein. Und hatte damit Erfolg, wie das Wahlresultat zeigt. Die hohen Verluste der Grünen ermöglichten der CSV auch ohne nennenswerte Zugewinne die Rückkehr in die Regierung.

Als Martine Hansen im November 2023 Landwirtschaftsministerin wurde, kannte die Freude der Bauernzentrale keine Grenzen. Ihr Direktor leitartikelte im Bauer: „Das Landwirtschaftsministerium kommt wieder in CSV-Hände. Dort, wo es nach dem Zweiten Weltkrieg und bis 2013 – mit zwei Ausnahmen – immer war. Mit Martine Hansen, einer studierten Agrar-Ingenieurin und der früheren Direktorin des Lycée technique agricole (LTA), übernimmt eine absolute Fachfrau das Ressort.“

Martine Hansen zeigt sich erkenntlich, als Ministerin arbeitet sie vor allem mit der CSV-nahen Bauernzentrale, der DP-nahen Baueren-Allianz und dem vom früheren ADR-Abgeordneten Robert Mehlen gegründeten „Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ zusammen. Für Bauen in der Günzone und Ammoniakemissionen gelten seit zwei Jahren weniger Verbote, die CSV-Ministerin gewährt den Landwirten mehr „Eigenverantwortung“.

Einweihung des Radwegs Wiltz-Kautenbach im Juli 2021 mit Mobilitätsminister François Bausch und grüner Nachhaltigkeit

Im Juli 2021 mit dem grünen Mobilitätsminister François Bausch bei der Einweihung des Radwegs zwischen Wiltz und Kautenbach Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Trotz aller Kritik an Mercosur und gekürzten Prämien steht die Bauernzentrale hinter ihrer Ministerin. Vor zwei Wochen kritisierte Laurent Schüssler „die Piraten, aber vor allem die Grünen“, weil sie sich „plötzlich kämpferisch gegen Mercosur“ gäben. Als die Grünen in der Regierung waren, „war von diesem Verständnis für die Sorgen der Bauern wenig zu spüren“, schreibt der Leitartikler, sie hätten der Landwirtschaft „lange eher kritisch bis ablehnend“ gegenübergestanden. Über die Regierung, die CSV und Martine Hansen verliert er kein Wort.

Rucksack

Jeder sei geprägt, von dem Umfeld, aus dem er stamme, trage seine Herkunft in seinem Rucksack, sagt die Agrarsoziologin Hansen: „Ech kommen aus dem ländleche Räum, aus enger relativ buedemstänneger Famill, an ech positionnéiere mech och oft an déi Richtung.“ Ihre Eltern waren Landwirte, als Kind half sie, das Heu einzufahren, und manchmal auch beim Melken. Weil keine seiner drei Töchter den elterlichen Betrieb in dem 600-Einwohner-Dorf Harlingen übernehmen wollte, ging der Vater in den „Nebenerwerb“ – zur Eurofloor in Wiltz. Die Mutter führte den Hof eine Zeit lang weiter, den Milchbetrieb stellte sie ein und stieg auf Rindfleischproduktion in Mutterkuhhaltung um. „Die Milchrente hat den Umstieg erleichtert“, sagt Martine Hansen. Ihr Vater war in den 70er Jahren kommunalpolitisch aktiv, begleitete als Gemeinderatsmitglied die Fusion von Harlingen mit Mecher zur Stauseegemeinde. Ihre Familie habe der CSV politisch nahegestanden, eine Parteikarte habe ihr Vater jedoch nicht gehabt.

„D’Martine ass vill ënnerwee“, sagen Parteikollegen, insbesondere im Ösling ist Hansen gut vernetzt. Nicht nur, weil sie als Lehrerin und Direktorin der Ackerbauschule Landwirte und Förster ausgebildet hat und persönlich kennt. Ihre Eltern hatten viele Geschwister, sie hat unzählige Cousins und Cousinen, manche sind ebenfalls Politiker. Etwa Marie-Rose Scharfe-Hansen, die zwölf Jahre für die CSV im Gemeinderat von Niederanven saß. Ihre Nichte Marthe Scharfe war vor zwei Jahren Präsidentin der „Chrëschtlech-sozial Fraen“ und 2023 Kandidatin zu den Kommunal- und Kammerwahlen. Ihre Cousine Sylvie Hansen ist mit Fedil-Direktor René Winkin verheiratet und war 30 Jahre lang die rechte Hand des mächtigen Merscher Bauherrn Nico Arend (Arend&Fischbach), bevor sie sich 2022 als Unternehmensberaterin selbstständig machte. Sylvie Hansen ist die Schwester von Christophe Hansen, Martine Hansens wohl bekanntestem Cousin.

Doppelspitze

Seit Christophe Hansen 2007 für die EU-Abgeordnete Astrid Lulling zu arbeiten begann, strebte er stets eine europäische Karriere an: 2018 rückte er für Viviane Reding ins Europaparlament nach, 2019 wurde er wiedergewählt. Um die Schwergewichte Marco Schank und Aly Kaes zu ersetzen, stellte Luc Frieden ihn und die 16 Jahre ältere Martine Hansen 2023 als Doppelspitze im Nordbezirk auf. Sein Mandat als Europaparlamentarier ließ Christophe Hansen für acht Monate ruhen, um als Kammerabgeordneter den EU-Wahlkampf zu bestreiten. Zur Belohnung machte ihn Luc Frieden zum EU-Kommissar für Landwirtschaft. Seitdem gestaltet die Familie Hansen sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene die Landwirtschaftspolitik maßgeblich mit.

2016 war Martine Hansen von der christlich-sozialen Jugend in den Ring geworfen worden, um die CSV als nationale Spitzenkandidatin in die Kammerwahlen zu führen. Schließlich setzte sich Claude Wiseler durch. 2019 war die bekennende „Süvchen“-Fahrerin im Rennen um den Parteivorsitz, doch am Ende gewann Frank Engel die Kampfabstimmung gegen Serge Wilmes. Martine Hansen wurde Fraktionspräsidentin und half Gilles Roth, Léon Gloden und den anderen Abgeordneten dabei, dem widerspenstigen Engel die „Frëndeskrees“-Affäre anzuhängen, ihn aus der Partei zu jagen. Als die CSV ihr im April 2021 Gilles Roth als Ko-Fraktionspräsident zur Seite stellte, war Martine Hansen dankbar, nicht die ganze Arbeit alleine machen zu müssen. Es sei leichter gewesen, „d’Band am Grëff ze halen“, sagt sie heute. Weil das Kammerreglement keine Doppelspitze in der Fraktion vorsieht, musste sie sich den Präsidentenzuschlag mit Roth teilen.

Leithirsch

Bei den beiden letzten Kammerwahlen wurde sie im Nordbezirk Erstgewählte, seit 2024 ist sie zum zweiten Mal CSV-Vizepräsidentin (nach 2014-2019), gemeinsam mit Stéphanie Weydert und Christian Weis. In den letzten Umfragen war sie hinter Kammerpräsident Claude Wiseler die zweitbeliebteste CSV-Politikerin, im Ranking lag sie vier Plätze vor Luc Frieden. „Ein richtiger Karrieremensch bin ich nicht“, sagt Hansen. Landwirtschaftsministerin zu werden, sei jedoch ihr Ziel gewesen, seit sie Politik macht. Als nationale Spitzenkandidatin anzutreten, traue sie sich zu, doch für die Partei sei es besser, einer aus den großen Bezirken übernehme diese Aufgabe, meint Hansen. Sie pflegt ihr Image des „Éisleker Meedchen“, sagt weiterhin hartnäckig „hott“ statt „huet“, „nit“ statt „net“, „schöd“ statt „schued“.

2021, als sich die CSV nach der „Frëndeskrees“-Affäre neu aufstellte, sagte sie dem Land: „Es muss nicht immer für alles einen Leithirsch geben“. Inzwischen sieht sie das etwas anders. „Wat kloer ass, et brauch een e Chef. Et kann een net eng Partei mat alle Leit op engem Niveau leeden.“ Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass einer alles vorgibt, es sei wichtig, dass diskutiert werde, doch irgendjemand müsse danach eine Entscheidung treffen. „Unser Chef, unser Kopf ist Luc Frieden, wir stehen hinter ihm“, sagt Martine Hansen.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

UNRWA und LUXEMBURG

UN-Palästinenserhilfswerk steht unter Druck

Porträt von Martine Hansen

„Eine absolute Fachfrau“

Grundschulen

Meisch stellt neuen Lehrplan für Grundschulen vor