Ökologische Landwirtschaft
„Mouvement écologique“ zerpflückt den Nationalen Bioaktionsplan der Agrarministerin
Deutliche Kritik übt das „Mouvement écologique“ in seinem Avis am Nationalen Bioaktionsplan (PAN-Bio 2030). Die Umweltschützer beklagen eine „fehlende Weichenstellung für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft“ und dass sie nicht in die Ausarbeitung mit einbezogen wurden – und werfen gleich drei Ministerien Versagen vor.
Alles bio oder was? Der Anteil ökologisch gehaltener Rinder liegt in Europa nur bei sieben Prozent. Hier bei einem Biobauern in Tüntingen. Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Er war schon lange erwartet worden. Dann kam er zwei Tage vor Heiligabend. Das Ministerium für Landwirtschaft Ernährung und Weinbau hatte sich das ideale Ambiente ausgesucht, einen biologischen Bauernhof, um den Aktionsplan zur Bio-Landwirtschaft PAN-Bio 2030 vorzustellen. Die Reaktion auf die vorweihnachtliche Bescherung ließ nicht lange auf sich warten – nun auch vom „Mouvement écologique“. Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hatte die Plattform „Meng Landwirtschaft“, die aus 21 Organisationen besteht, ihren Forderungskatalog, ein Plädoyer für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik, an die zuständige Ministerin Martine Hansen (CSV) überreicht.
Der Dialog sei begrenzt, strukturelle Veränderungen seien nicht eingeleitet worden, bedauerten die Akteure von „Meng Landwirtschaft“. Dabei hätten sich die zentralen Herausforderungen nicht verändert: der Schutz des Klimas, der Umwelt und der Tiere, die Stagnation im Bio-Sektor und die hierzulande geringe Selbstversorgung mit gesunden und nachhaltigen Produkten sowie fehlende Perspektiven für die hiesigen Landwirte. Mit dem PAN-Bio 2030 ist die bisherige Zielvorgabe eines Anteils der Biolandbaus an der landwirtschaftlichen Fläche von 20 Prozent im Jahr 2030 auf 15 Prozent heruntergeschraubt worden, was einer Steigerung von einem Prozentpunkt pro Jahr gleichkommt. Das ursprüngliche Ziel war nach Hansens Worten „zu ambitioniert“ gewesen. Der PAN-Bio 2030 solle pragmatischer und marktorientierter sein als sein Vorgänger, weniger flächenbasiert als an der gesamten Wertschöpfungskette orientiert. Die Zielvorgabe wurde demnach deutlich heruntergesetzt. Bis 2050 waren sogar hundert Prozent anvisiert.
Die Europäische Union strebt 25 Prozent bis 2030 an. Nach den Angaben des unabhängigen Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), eines der führenden Forschungszentren im ökologischen Landbau weltweit, waren 2023 erst knapp elf Prozent erreicht worden. Dabei hatte zu dieser Zeit Liechtenstein mit 44,6 Prozent den weltweit höchsten Bio-Flächenanteil. Österreich lag mit 27,3 Prozent weltweit an zweiter Stelle und in der EU vorn. Italien weist übrigens die höchste Zahl an Biobetrieben auf.
„Weit hinter den Notwendigkeiten“
Vor einigen Tagen hat sich auch das „Méco“ zum Nationalen Bioaktionsplan geäußert. Generell fehle es an einer Weichenstellung hin zu einer zukunftsorientierten Landwirtschaftspolitik, so die Umweltschutzorganisation, die bedauerte, in der Ausarbeitung des Aktionsplans nicht eingebunden worden zu sein. Der PAN-Bio 2030 weise einige Schwachstellen auf und bleibe „weit hinter den Notwendigkeiten zurück“, so das Méco. Es verweist dabei auf Studien. So schütze der ökologische Landbau die Biodiversität viel stärker als die konventionelle Landwirtschaft, „die in ihrer heutigen Form leider maßgeblich an der Zerstörung natürlicher Lebensräume und dem dramatischen Artenrückgang beteiligt ist“. Außerdem sei etwa die Biolandwirtschaft in finanzpolitischer Hinsicht von Vorteil, schließlich würden zum Beispiel die hohen Kosten, die aufgrund der Nitratbelastungen durch die konventionelle Landwirtschaft entstehen, wegfallen.
Der ökologische Landbau muss aus Sicht der Umweltschützer als Pfeiler zum Erhalt der Kulturlandschaft dienen und ein „zentrales Element der agrarökologischen Transformation“ sein. Nicht zuletzt sei er weitaus weniger dem Weltmarkt und der geopolitischen Lage ausgeliefert. Das Méco wirft in seiner Stellungnahme nicht nur der Landwirtschaftsministerin, sondern auch den beiden Ressortleitern Martine Deprez (Gesundheitsministerin) und Serge Wilmes (Umweltminister) Versagen vor.
„Sogar der beste Plan kann nur greifen, wenn auch ausreichend Ressourcen zur Umsetzung zur Verfügung stehen“, argumentieren die Umweltschützer. „Dabei muss festgestellt werden, dass die derzeitigen Strukturen im Landwirtschaftsministerium im Bereich Biolandbau bei Weitem unterentwickelt und unzureichend sind.“ Zwar gebe es eine entsprechende Abteilung in der „Administration des services technqiues de l’agriculture“ (ASTA), diese sei jedoch nicht ausschließlich für Biolandbau zuständig. Letzterer würde im Ministerium sträflich vernachlässigt.
Green Deal sieht 25 Prozent vor
Das Méco fordert die „konsequente Beteiligung nicht-staatlicher Akteure an der Ausgestaltung sowie der konkreten Umsetzung der Maßnahmen“ und meint damit unter anderem die Vermarkter und Nichtregierungsorganisationen. Dazu bedürfe es auch eines detaillierten Austauschs über die Fortentwicklung des Plans mit allen Akteuren. Der bisherige Aktionsplan, der Ende 2025 auslief, hatte sein Ziel von 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche deutlich verfehlt. Die Messlatte sei sehr hoch gelegt worden, hätte aber durchaus erreicht werden können, „wenn verstärkt an der Umsetzung gearbeitet worden wäre und eine starke strukturelle und verbindliche Einbindung des Sektors stattgefunden hätte“, so die Umweltschützer. Dies sei auch unter den vorherigen Regierungen nicht der Fall gewesen. Der europäische Green Deal sieht sogar einen Bioanteil von 25 Prozent der EU-weiten Anbaufläche bis 2030 vor.
Das Zeugnis, das die Umweltschützer der Regierung in puncto Engagement für Biolandwirtschaft ausstellen, fällt demnach nicht gut aus: Schließlich zähle Luxemburg zu den Schlusslichtern, was den Anteil des Biolandbaus an der Fläche betrifft. Ein guter Aktionsplan hätte eine detaillierte Bestandsaufnahme und Analyse der Umsetzung des PAN-Bio 2025 beinhalten müssen. Wichtig seien zudem ausreichende statistische Daten.
Noch viel Luft nach oben
Nicht zuletzt weist das Méco darauf hin, dass der PAN-Bio 2030 mit anderen staatlichen Vorgaben verknüpft werden müsse: etwa mit dem Naturschutzplan, dem Agrargesetz, dem „Plan alimentaire“ und dem nationalen Klima- und Energieplan, ebenso mit dem nationalen Biodiversitätsplan. Letzterer liege, unter anderem weil er ohne die Beteiligung der betroffenen und interessierten Akteure erstellt wurde, „weiter hinter den Erwartungen und Erfordernissen aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Sicht zurück“, schlussfolgert die Umweltschutzorganisation. Sie erwartet von der Regierung darüber hinaus ein klareres Bekenntnis zum Ziel eines 100-Prozent-Biolandbaus im Jahr 2050.
„Meng Landwirtschaft“ hatte bereits einmal mehr darauf hingewiesen, dass die hohe Milchproduktion hierzulande Böden und Gewässer überfordert: 85 Prozent der Agrarfläche würden für Nutztiere verwendet, nachhaltig wären hingegen 65 Prozent ohne zusätzliche Futterimporte. Die Betriebe müssten unterstützt werden, um ihre Tierbestände zu reduzieren und die landwirtschaftliche Produktion zu diversifizieren. Der Biolandbau stagniere, stattdessen müsste er als Leitbild anerkannt werden. Dabei ist er erwiesenermaßen nachhaltiger, weil er Wasser und Böden schützt und Treibhausgasemissionen verringert.
Damit einher geht das Gebot, das derzeitige Ernährungssystem umzustellen, zum Beispiel weniger Fleisch und Abfall zu produzieren. Doch gerade die ökologische Tierhaltung spielt in Europa nach wie vor eine geringe Rolle: So liegt etwa der Anteil der ökologisch gehaltenen Rinder bei sieben Prozent, der von Schweinen sogar nur bei einem Prozent. Alles bio oder was? Mitnichten: Es ist noch viel Luft nach oben. Die Landwirtschaft bleibt weiterhin ein umkämpftes Feld, wenn es um Nachhaltigkeit geht.

Wohin fährt die luxemburgische Landwirtschaft? Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante