Offener Brief an Premier

Chirurg Philippe Wilmes: Suspendierung erinnert „an dunkle Zeiten“

Der suspendierte Orthopäde Philippe Wilmes holt in einem Brief an Premier Luc Frieden erneut aus. Die Vorwürfe gegen ihn stammen von anonymen „Denunzianten“ – und er fühlt sich an unfaire Prozesse in „dunklen Zeiten“ erinnert.

Philippe Wilmes spricht öffentlich und ruft zur Unterstützung auf, engagierter Aufruf für Gemeinschaft und Zusammenhalt

Ruft öffentlich zur Unterstützung auf: Philippe Wilmes Archivfoto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Nachdem am Freitag eine Internetseite zur Unterstützung des suspendierten Chirurgen Philippe Wilmes an den Start gegangen ist, folgt am Sonntag ein weiterer Schritt in seiner Medienkampagne. Der Orthopäde schreibt in einem offenen Brief an Premier Luc Frieden (CSV), dass er Unterstützung „von tausenden Leuten“ erhalten habe, welche die Ungerechtigkeit in seinem Fall nicht akzeptieren würden. Und beschwört Parallelen zu „dunklen Zeiten“ herauf.

Wilmes zeigt sich in seinem Brief beruhigt davon, dass es „im Land eine große Mehrheit an guten und anständigen Menschen gibt“. Denn was hier losgetreten worden sei, dürfe nicht durchkommen. Seine Suspendierung hätte das „Land erschüttert“ und erinnere „stark an dunklere Zeiten, in denen Menschen beschuldigt wurden, mit dem Teufel im Bunde zu stehen, Kommunisten zu sein, und dann in einem unfairen Prozess ihre Unschuld beweisen mussten“.

Worum es geht

Dem Orthopäden Philippe Wilmes wird vorgeworfen, bei Kreuzbandoperationen am Knie Eingriffe zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes vorgenommen zu haben, die medizinisch nicht indiziert gewesen sein sollen. Ärzte aus dem CHL sprechen von auffälligen Abweichungen zwischen Anamnese, klinischer Untersuchung, Bildgebung und der gewählten OP-Methode. Aus dem Brief des „Collège médical“ an Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) geht hervor, dass Wilmes auch nachträglich die Änderung eines Bildgebungsberichtes eingefordert haben soll, um eine Operation zu rechtfertigen. Mehrere Patienten, mit denen das Tageblatt sprechen konnte, bekräftigten die Vorwürfe. (siw)

Keine Beweise, nur Vorwürfe von „Denunzianten“

Der Orthopäde argumentiert, dass für seine Suspendierung keine Beweise, sondern nur Vorwürfe weitgehend anonymer „Denunzianten“ vorliegen würden. Das „Collège médical“ habe diese Vorwürfe dann als Fakten an Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) weitergeleitet. Das Gutachten, das Wilmes selbst in Auftrag gegeben habe, würde die Vorwürfe aber entkräften. Laut ihm handelt deswegen nicht nur das „Collège médical“, sondern auch die Ministerin illegal.

„Die Politik müsse aufhören, die Leute für dumm zu halten“, schreibt Wilmes. Alle würden verstehen, was hier passiere. Die Affäre sei „über das Knie gebrochen“. Die skandalöse Suspendierung müsse sofort aufgehoben werden und das „Collège médical“ sowie die Gesundheitsministerin die Verantwortung tragen. Und: Es müsse Licht in die Affäre gebracht werden. Denn es müsse aufgeklärt werden, was wirklich dahinterstecke.

Wilmes hatte bereits in den vergangenen Tagen von einer „politischen Intrige“ und einer „Hexenjagd“ gesprochen. Über seinen Anwalt hatte Wilmes die prozedurale Stichhaltigkeit seiner Suspendierung anzweifeln lassen und von einem Mangel an Rechtsstaatlichkeit gesprochen.

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