Editorial

Sportministerin Martine Hansen muss erst mal aufräumen und deeskalieren

Für Martine Hansen beginnt das Abenteuer im Sportministerium mit zahlreichen Altlasten: Statt eines Neubeginns wird die 60-Jährige erst einmal aufräumen müssen.

Martine Hansen startet neues Kapitel im Leben, symbolisch für Neuanfang und persönliche Entwicklung

Für Martine Hansen beginnt das neue Kapitel nicht bei null Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Neue Sportministerin, alte Probleme: Martine Hansen ist seit Mitte Dezember 2025 im Amt. Ihre ersten Dienstmonate wird die CSV-Politikerin wohl oder übel damit verbringen müssen, mit der nötigen Sorgfalt und Dialogbereitschaft für Beruhigung in einem ungewohnt angespannten Sektor zu sorgen. Die sportlichen Ergebnisse der Luxemburger Aushängeschilder sind nach wie vor auf Weltniveau, doch an der Basis haben die vergangenen Monate der Krisen und verhärteten Fronten ihre Spuren hinterlassen.

Die 87,4 Millionen Euro, die dem Sportministerium 2026 zur Verfügung stehen, werden nicht reichen, um das angezählte Ehrenamt zu retten. Noch immer stehen Kinder quer durchs Land auf Wartelisten, um sich bei einem Schwimmunterricht anmelden zu können. Fußballplätze und Turnhallen platzen bei der hohen Nachfrage aus allen Nähten. Die administrativen Anforderungen an Vereinsdelegierte werden ebenso nicht kleiner. Probleme, die Georges Mischo sicher nicht zu verschulden hat und für die auch Hansen keine Wunderlösung auftreiben wird.

Doch bevor sich die neue Sportministerin konkret mit den Kernproblemen und der Realität auf dem „Terrain“ beschäftigen kann, die Trainer und Vereinsverantwortliche im Alltag beschäftigen, muss sie mit der Aufarbeitung der administrativen Fehler bei politischen Entscheidungen ihres Vorgängers loslegen – wie auch ihr Kollege Marc Spautz im Arbeitsministerium. Das Fiasko rund um das Sportmuseum ist nur die Spitze des Eisbergs. Die einseitige Kommunikation und mangelnde Diskussionsbereitschaft waren die Hauptvorwürfe, die das Olympische Komitee an Mischo richtete. Die Schaffung einer weiteren staatlichen Einrichtung, der „Initiative pour la promotion de l’emploi dans le secteur du sport“ (IPESS), bei der sich das COSL nicht ausreichend einbezogen und konsultiert fühlte, löste im Oktober 2025 eine Debatte über die Autonomie des Sports aus.

Ein erster Schritt in Richtung Deeskalation ist gemacht. Der Dialog mit dem Gremium wurde wieder aufgenommen: Hansen betonte im Tageblatt-Interview nicht umsonst, dass sie Politik für den Sport mit dem Sport machen wolle.

Dazu gehört auch, das IPESS-Projekt besser zu vermarkten, als das bislang der Fall war. Sich Arbeitskräfte von einer staatlichen Einrichtung auszuleihen, klingt für unerfahrene „Bénévoles“ nämlich zunächst nach bürokratischem Aufwand und vielleicht auch sogar nach internem Diskussionsstoff mit unbekanntem Personal. Da die Reform des „Subside Qualité+“ für fachgerechte Betreuung auf sich warten lassen wird (da sie derzeit an die Fortschritte eines Digitalisierungsprogramms geknüpft ist), müssen sich Sportvereine 2026 weiter in Geduld üben.

Die neue Sportministerin wird so oder so nicht viel Zeit für brandneue Projekte haben, sondern erst einmal mit der Umsetzung der zahlreichen Dossiers beschäftigt sein, die unter Mischo in Auftrag gegeben wurden – und die sie nun mittragen muss. Viel wichtiger wird in den nächsten zweieinhalb Jahren allerdings sein, weitere Phasen von angespannten Verhältnissen zwischen den wichtigsten Gremien zu vermeiden.

1 Kommentare
Heini 23.01.202609:05 Uhr

Heini
Leider werden zuviel Gelder für Sport ausgegeben, teure Infrastrukturen
mit unbezahlbarem Unterhalt usw. Andere Probleme wie Altersversorgung,Bildung,
Pensionen,Krankenkassenprobleme werden nicht genügend unterstützt,
viele dringende andere Probleme sind dann für Politik Nebensache.
Bis jetzt immer nur Versprechen von CSV-DP, ansonsten dreimal nix.

Das könnte Sie auch interessieren