Grundschulen
Meisch stellt neuen Lehrplan für Grundschulen vor
Vom Projekt Alpha bis zum Einzug von Künstlicher Intelligenz in den Schulen: Das Bildungssystem muss mit dem gesellschaftlichen Wandel mithalten. Dafür bedarf es jedoch auch der Anpassung der pädagogischen Inhalte – also neuer Lehrpläne. Bildungsminister Claude Meisch stellte am Freitag einen neuen für die Grundschulen vor.
Bildungsminister Claude Meisch am vergangenen Dienstag bei einer Konferenz seines Ministeriums über Künstliche Intelligenz Foto: Editpress/Julien Garroy
Mehr als eine ganze Schullaufbahn ist es her. Die letzte Überarbeitung des Lehrplans für Grundschulen liegt schon 15 Jahre zurück. Es war 2011, also noch in der Anfangsphase der Smartphones. Die Reform fiel in die zweite Amtszeit der damaligen Bildungsministerin Mady Delvaux-Stehres (LSAP). Mittlerweile haben unzählige Kinder und Jugendliche die Schulbank gedrückt. Die luxemburgische Gesellschaft hat sich gewandelt, der Schulalltag und die Schülerschaft ebenso wie die Lernziele. Umso notwendiger war eine Überarbeitung des Lehrplans für die Grundschulen. Den stellte Minister Claude Meisch (DP) zusammen mit Luc Weis, dem Direktor des „Service de coordination de la recherche et de l’innovation pédagogiques et technologiques“ (Script) vor.
Der Lehrplan definiert die Lernziele und Kompetenzgrundlagen, die die Schüler am Ende jedes Lernzyklus erreichen müssen. Mit ihm „modernisieren wir den Rahmen der Grundschulbildung, ohne dessen Grundlagen zu verändern“, erklärte Meisch. Die neue Fassung stehe dabei in einer Kontinuität: Die Fächer und Bewertungsgrundsätze zum Beispiel bleiben unverändert. Die Reform ziele in erster Linie darauf ab, den Bildungsauftrag der Schule zu präzisieren.
„Transversale“ Themenbereiche
Grundlegend neu hingegen ist die Integration von sieben „transversalen“, also fächerübergreifenden Themenbereichen, die nicht in separaten Unterrichtseinheiten behandelt, sondern (für Schüler der Zyklen zwei bis vier) in die bestehenden Fächer integriert werden sollen:
– körperliche, geistige und sozial-emotionale Gesundheit (Wohlbefinden, Resilienz, Verkehrssicherheit und Unfallverhütung);
– Sexual- und Emotionserziehung;
– nachhaltige Entwicklung, Umwelt und verantwortungsbewusster Konsum;
– Medien, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz;
– Wirtschaft, Finanzen und Lebensentscheidungen (Berufsorientierung);
– Kultur, Kunst und Kulturerbe;
– demokratische Bürgerschaft und Menschenrechte.
Diese Themen, die bereits in der schulischen Praxis präsent sind, sollen nun klar definiert und systematischer behandelt werden, nicht als Gegenstand eines bestimmten Fachs, sondern im Rahmen von Aktivitäten. Dafür sind 36 Unterrichtsstunden vorgesehen.
Hinzu kommt die digitale Plattform plandetudes.lu, die ab September in einer für die breite Öffentlichkeit zugänglichen Version in vier Sprachen angeboten wird, um die Transparenz und das Verständnis der Schulziele zu verbessern. Ein Bereich ist für Lehrkräfte mit konkreten Beispielen, pädagogischen Illustrationen und didaktischen Ressourcen. Zusätzliche digitale Tools werden die Plattform nach und nach ergänzen.
Der Lehrplan sei in einem „beispiellosen Konsultationsprozess“ von 2021 bis 2025 entwickelt worden. Fast 1.200 Akteure aus dem Bildungswesen und der Zivilgesellschaft – unter anderem Lehrkräfte, Schüler, Eltern, Gewerkschaften – haben an diesem partizipativen Prozess teilgenommen, und mehr als 6.000 Beiträge wurden analysiert. Die wichtigsten Leitlinien wurden in einem 2023 veröffentlichten Weißbuch festgelegt und in das Regierungsprogramm 2023-2028 aufgenommen. Der neue Lehrplan wird mit der Rentrée des Schuljahres 2026/27 zuerst in den Zyklen eins und zwei eingeführt, 2027/28 in den Zyklen drei und vier. Für die kommenden Monate sind landesweit insgesamt 16 Informationsveranstaltungen für Lehrkräfte vorgesehen.