Ernte in Luxemburg

„Der Bauer, der früh ernten musste und verkauft hat, kommt nicht gut weg“

Für die Luxemburger Landwirtschaft war 2026 kein leichtes Jahr. Hitze und Trockenheit setzten der Sommerernte zu, während die Kriege und Turbulenzen auf dem Weltmarkt ihre Ausläufer bis ins Großherzogtum ausbreiteten. So lautet das Fazit des Erntegesprächs am Mittwochmorgen.

Die Sommerernte leidet unter der Hitze und Trockenheit

Die Sommerernte leidet unter der Hitze und Trockenheit Foto: Editpress/Julien Garroy

Während draußen beim Gruppenfoto mit Weizenkörnern in der Hand noch von Landwirtschaftsvertretern und Ministerin Martine Hansen (CSV) gescherzt wurde, wurde es bei der anschließenden Präsentation schnell wieder ernst. Egal ob Serge Turmes von „De Verband“, Steve Turmes von der direkt benachbarten LSG-Kooperative, Günter Mertes von der „Bauere Koperativ“ oder Frédéric Baijot von den „Moulins de Kleinbettingen“ – der Tenor ist der gleiche: 2026 ist bisher nicht so gelaufen, wie man es sich erhofft hatte. Die Veranstaltung spiegelt viele der Sorgen wider, die bereits bei den Tageblatt-Gesprächen mit Gemüsegärtnerin Marie Goergen, Bauer Nico Kass und der „Landwirtschaftlech Kooperatioun Uewersauer“ aufgekommen sind.

Mit Getreide in der Hand wird zum obligatorischen Gruppenfoto mit Ministerin Martine Hansen posiert

Mit Getreide in der Hand wird zum obligatorischen Gruppenfoto mit Ministerin Martine Hansen posiert Foto: Editpress/Georges Noesen

Schuld daran ist vor allem das Wetter. Dabei hatte es im Winter eigentlich gut begonnen. Die Getreidekulturen wurden im Herbst unter normalen Bedingungen ausgesät und hatten den Winter dank ausreichender Niederschläge gut überstanden. Bei der Winterernte blicke man daher „auf zufriedenstellende Erträge zurück“. Auch das Sommergetreide war zunächst auf einem guten Weg – bis die Hitzewellen im Mai, Juni und Juli landesweit zu einer historisch frühen Ernte zwangen. 38 Hitzetage, mit einer Temperatur über 30 Grad hat es 2026 bisher gegeben. 2022, ein ebenfalls extrem warmes Jahr, waren es nur 22 gewesen, gibt Steve Turmes zu bedenken.

Steve Turmes von der LSG-Kooperative

Steve Turmes von der LSG-Kooperative Foto: Editpress/Georges Noesen

Hohe Ausfälle beim Mais

Es sind allerdings nicht nur die hohen Temperaturen, die den Kulturen zu schaffen machen, sondern vor allem ihre Kombination mit langen Trockenperioden. Ein mögliches „El Niño“-Jahr 2027, das noch wärmer als 2026 ausfallen könnte, bereitet Serge Turmes deshalb nur bedingt Sorgen. Warm und feucht könne für die Landwirtschaft durchaus von Vorteil sein, gibt er im Gespräch mit dem Tageblatt zu bedenken. Reihen sich allerdings mehrere Jahre wie 2026 aneinander, werde die Situation zunehmend schwierig. Gerade bei der Versorgung der Viehbetriebe mit ausreichend Futter könnten dann Probleme entstehen. Umso wichtiger sei es, dass die Betriebe in guten Jahren Reserven aufbauen.

„Es gibt keine Kultur, die kein Wasser braucht“, bringt Turmes eines der grundlegenden Probleme auf den Punkt. Auf resistentere Arten oder Sorten umzusteigen, helfe deshalb nur bedingt. Mit Sorge wird derzeit auf die Maisernte geblickt. Hier werden hohe Ausfälle erwartet, da gerade im entscheidenden Zeitraum im Juni und Juli die Niederschläge fehlten. Umso wichtiger werde künftig die Frage, „wie wir mit dem Boden umgehen, damit möglichst viel Wasser im Boden bleibt“. Neben einer besseren Wasserspeicherung im Boden könnten auch frühere Aussaattermine und frühreife Sorten an Bedeutung gewinnen, damit die Kulturen den sommerlichen Trockenperioden zumindest teilweise entgehen.

„Wir müssen uns als Luxemburg, aber auch als Europa, die Frage stellen: Wer produziert künftig beispielsweise noch unser Obst?“, sagt Martine Hansen. „Wir müssen Lösungen finden, wie wir Wasser speichern und anschließend für diese Kulturen nutzen können.“ Die Obstproduzenten fordern entsprechende Anpassungen. Auf die Frage, ob ihr Ministerium denn künftig konkrete Projekte präsentieren würde, sagt Hansen: „Das würde ich sehr gerne machen. Das Auffangen beziehungsweise Speichern von Wasser fällt allerdings in die Zuständigkeit des Umweltministeriums.“ Man sei aber mit allen Verantwortlichen in Gesprächen, um Lösungen zu finden.

Ich weiß auch, dass die Ertragsausfallversicherung nicht alles rettet

Martin Hansen

Landwirtschaftsministerin

Landwirtschaftsministerin Martine Hansen

Landwirtschaftsministerin Martine Hansen Foto: Editpress/Georges Noesen

Hafer und Dinkel als Alternative?

Beim Erntegespräch werden die stabilen Erlöspreise sowie qualitativ guten Ernten von Nischenkulturen wie Dinkel und Hafer als „Lichtblick“ bezeichnet. Die machen aber nur einen Bruchteil des Anbaus aus. Günter Mertes von der „Bauere Koperativ“ sieht zwar mehr Potenzial, warnt aber davor, die Kultur als einfache Alternative zum Weizen zu betrachten. Luxemburg habe zwar eigene Absatz- und Verarbeitungsmöglichkeiten aufgebaut, müsse sich aber weiterhin in diesem internationalen Markt behaupten.

Ähnlich ist die Situation beim Dinkel. Einfach großflächig auf die beiden Kulturen umzusteigen, hält Mertes deshalb für zu kurz gedacht.

Eine Minusrechnung für Bauern

Luxemburg steht mit diesen Klimawandel-Sorgen nicht allein da. Sowohl bei den europäischen Nachbarn als auch in den USA sind die Ernten alles andere als gut ausgefallen und die weltweiten Lagerbestände gehen zurück. Das treibt zwar die Getreidepreise nach einer zu langen Tiefperiode wieder in die Höhe. Aber die frühe Ernte führt zu gewaltigen Einbußen: „Der Bauer, der früh ernten musste und verkauft hat, kommt nicht gut weg“, sagt Serge Turmes. 2025 machte ein Landwirt beim Weizenanbau ein Minus von rund 105 Euro pro Hektar. Wer seinen Weizen 2026 bereits am 5. August verkauft hätte, wäre auf ein Minus von 321 Euro pro Hektar gekommen. Selbst bei einem Verkauf am 20. August, als die Preise bereits höher lagen, standen noch 236 Euro Verlust pro Hektar zu Buche. Erst durch Förderungen wird der Anbau für die Landwirte überhaupt rentabel.

Das Minus trotz gestiegener Preise verursacht nicht nur der Ernteausfall: Viele Kosten sind in die Höhe geschossen. Vor allem der Iran-Krieg treibt die Preise für Dünger und Treibstoff, während auch Material und Löhne teurer geworden sind.

Genau hier sieht auch Landwirtschaftsministerin Martine Hansen die Politik in der Pflicht. „Die große Herausforderung besteht darin, die Landwirtschaft unter diesen unterschiedlichen Bedingungen rentabel zu halten“, sagt sie. Dafür brauche es nicht nur Unterstützung, sondern vor allem Planungssicherheit.

Ertragsausfallversicherungen sollen den Betrieben in schwierigen Jahren wie 2026 zumindest einen Teil des finanziellen Risikos abnehmen. Hansen sieht darin einen Vorteil – erkennt aber an, dass das auch seine Grenzen hat: „Ich weiß auch, dass die nicht alles rettet.“ Die Landwirtschaftsministerin kündigte außerdem an, die Bedingungen für die Weideprämie flexibler zu gestalten und an die tatsächlichen Bedingungen auf den Flächen anzupassen. Die vorgeschriebene Dauer der Beweidung werde schließlich zum Problem, „wenn nichts dasteht“, so Hansen. Es könne nicht sein, dass Bauern wegen der Folgen der Trockenheit zusätzlich mit Sanktionen belegt würden.

Günter Mertes von der „Bauere Koperativ“

Günter Mertes von der „Bauere Koperativ“ Foto: Editpress/Georges Noesen

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