Luxemburg
Hitzeschutz für Obdachlose: Regierung plant keine „Summeraktioun“
Luxemburg verbessert den Hitzeschutz für Obdachlose, verzichtet aber auf sommerliche Notunterkünfte nach dem Vorbild der „Wanteraktioun“. Das sind die geplanten Maßnahmen.
Sommerliche Notunterkünfte für Obdachlose hat die CSV‑DP-Regierung nicht geplant Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Während der Hitzewelle Mitte Juni starb ein 75-jähriger Obdachloser im Bahnhofsviertel von Luxemburg-Stadt. Laut Staatsanwaltschaft ist die Todesursache wahrscheinlich eine Hyperthermie. Der tragische Fall löste eine gesellschaftliche Debatte über den behördlichen Umgang mit Hilfsbedürftigen und eine Ausweitung der Hitzeschutzprogramme aus.
Die Auswirkungen von Hitzewellen auf obdachlose Menschen in Luxemburg lassen sich derzeit nicht verlässlich beziffern. Hitzebedingte Todesfälle sind generell schwer eindeutig festzustellen, da häufig mehrere medizinische und äußere Faktoren zusammenspielen. Zudem gibt es keine landesweit konsolidierten Daten, mit denen sich die Folgen großer Hitze speziell für Menschen ohne festen Wohnsitz erfassen ließen. Das antworten Familienminister Max Hahn (DP) und Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) auf eine parlamentarische Frage von Marc Baum („déi Lénk“).
Regierung will Maßnahmen schärfen
Bereits bestehende Anlaufstellen für obdachlose Menschen passen ihr Angebot während Hitzeperioden an. Dazu gehören unter anderem längere Öffnungszeiten sowie eine Ausweitung auf Sonn- und Feiertage. Betroffene sollen so die Möglichkeit haben, sich während der heißesten Stunden an kühle Orte zurückzuziehen, so die Minister in ihrer Antwort.
In Ettelbrück, Luxemburg-Stadt, Esch/Alzette und Differdingen gibt es in Zusammenarbeit mit dem Familien- und dem Gesundheitsministerium Möglichkeiten, sich abzukühlen und zu stärken. Auch bestehende Angebote wie die Tagesnotstruktur am Findel sowie zusätzliche Duschmöglichkeiten sollen dazu beitragen, Menschen bei extremer Hitze einen würdevollen Alltag zu ermöglichen. Auf die zusätzlichen Duschmöglichkeiten hatte der Familienminister bereits Ende Juni auf Facebook hingewiesen.
Kein signifikanter Anstieg der Patientenzahlen
Als Reaktion auf die Hitzeperiode Ende Juni 2026 wurde zudem der direkte Austausch zwischen Hilfsorganisationen und besonders betroffenen Menschen verstärkt. Dadurch konnten konkrete Erfahrungen mit der extremen Hitze sowie die Bedürfnisse der Betroffenen erfasst werden.
Ärztliche Hilfsorganisationen, die in ständigem Kontakt mit obdachlosen Menschen stehen, verzeichneten allerdings keinen signifikanten Anstieg der ambulanten Behandlungen. Dazu zählt etwa „Médecins du Monde“.
Keine neuen Übernachtungsstätten geplant
Sommerliche Notunterkünfte nach dem Vorbild der „Wanteraktioun“ (WAK) sind derzeit nicht geplant. Die Regierung begründet dies damit, dass sich die Bedürfnisse im Sommer von jenen im Winter unterscheiden. Die „Wanteraktioun“ soll Menschen vor allem vor den gesundheitlichen Folgen extremer Kälte schützen.
Bei großer Hitze liege das größte Risiko dagegen vor allem während der heißen Stunden am Tag. Im Sommer konzentrieren sich die Maßnahmen deshalb auf die Versorgung mit ausreichend Wasser sowie auf Möglichkeiten, sich im Schatten aufzuhalten und abzukühlen.
Eine wichtige Rolle spiele außerdem die aktive Information durch Hilfsteams vor Ort. Sie sollen obdachlose Menschen frühzeitig vor besonders heißen Stunden warnen und sie darauf hinweisen, Schutz aufzusuchen und ausreichend zu trinken. Eine „Summeraktioun“ nach dem Vorbild der „Wanteraktioun“ hat für die Regierung daher derzeit keine Priorität.