Landwirte

„Landwirtschaft in Flammen“: FLB kritisiert Klimaschutzauflagen und Flächenkauf

Die Landwirtschaft soll einerseits genügend und zu erschwinglichen Preisen Lebensmittel produzieren, andererseits den Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes genügen. Hiermit ist eines der Themen erfasst, mit denen sich der „Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ (FLB) unter dem Motto „Landwirtschaft in Flammen“ nun an die Öffentlichkeit gewandt hat.

Der „Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ (FLB) lud im „Hesper Park“ zur Pressekonferenz ein

Der „Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ (FLB) lud im „Hesper Park“ zur Pressekonferenz ein Foto: Editpress/Georges Noesen

Die genannten Ziele seien wichtig und notwendig, erklärte Jürgen Albers, der zusammen mit Ronny Goedert und Alain Schaack das neue FLB-Präsidium bildet (der bisherige Präsident Aloyse Marx ist nach wie vor im Vorstand). Aber sie müssten umgesetzt werden, sodass die „wirtschaftliche Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe und damit die Lebensmittelproduktion in Luxemburg gesichert bleiben“.

Immer weniger Betriebe, immer mehr Auflagen

Die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft nach den Worten der Bauerngewerkschafter steht, erinnern an die jener berühmten „eierlegenden Wollmilchsau“, der Redewendung, mit der etwas umschrieben wird, was alle Bedürfnisse befriedigt, allen Ansprüchen genügt und nur Vorteile hat. Es sind Ansprüche, denen die Landwirtschaft nicht völlig genügen kann. Man bedenke, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 2000 bis 2025 von rund 2.700 auf etwa 1.800 gesunken ist. Das Bauernhofsterben betrifft vor allem kleinere und mittlere Betriebe, während die Größe der Betriebe eher zugenommen hat. Zugleich sind die administrativen Aufgaben und die Auflagen bezüglich des Umwelt- und Klimaschutzes mehr geworden.

Immer wieder schlagen die Landwirte deswegen Alarm. Dieses Mal ist es der FLB, mit seinen etwa 400 Mitgliedern neben der „Bauerenallianz“ und der „Bauerenzentral“ eine von drei Agrargewerkschaften hierzulande. Immerhin sei die aktuelle Agrarministerin Martine Hansen (CSV) aus dem Sektor, sagt Ronny Goedert. Sie höre den Bauern zu und gehe besser auf ihre Belange ein. Der FLB begrüßt diesen „verstärkten“ Dialog.

Streit um landwirtschaftliche Flächen

In seiner Pressekonferenz in Hesperingen ging der FLB vor allem auf drei Themenschwerpunkte näher ein. Das war etwa die Problematik des Aufkaufs landwirtschaftlicher Flächen durch den Staat als ökologische Kompensationsmaßnahme. Negative Konsequenzen seien steigende Landpreise und ein erschwerter Zugang für Landwirte, vor allem für Jungbauern, zu landwirtschaftlichen Produktionsflächen. „Außerdem unterliegen die von öffentlicher Hand erworbenen Grundstücke nicht mehr den Bestimmungen des für die Landwirte zwingenden Pachtgesetzes“, erklärt Jürgen Albers. Ohne gesetzlichen Pächterschutz komme es zu einem erheblichen Verlust an Planungssicherheit.

Schnell fiel übrigens der Vergleich „mit einem kommunistischen System“. Der FLB, übrigens 1979 von dem später langjährigen FLB-Präsidenten und auch ADR-Parteipräsidenten Roby Mehlen mit ins Leben gerufen, fordert unter anderem im Rahmen der Thematik, dass Eigentümer und Pächter gemeinsam in den Prozess des Flächenaufkaufes mit einbezogen werden. Produktiv eingestufte Acker- und Grünflächen sollten für die Lebensmittelproduktion erhalten bleiben. Ebenso brauche es einen gleichwertigen gesetzlichen Pächterschutz.

Ungünstiges Referenzjahr

Die angestrebten Ziele, den Ausstoß von Ammoniak und Methan bis 2030 zu reduzieren, hält der FLB für unrealistisch, regelrecht „aus der Luft gegriffen“, wie Alain Schaack sagt. Er meint damit die angestrebten Verringerungen der Ammoniakemissionen gegenüber dem Referenzjahr 2005 um 22 Prozent. In Österreich liege das Ziel bei zwölf Prozent, in Irland sogar nur bei fünf Prozent. In Luxemburg sei man über das Ziel hinausgeschossen. Das Referenzjahr 2005 sei denkbar ungünstig gewesen, weil es damals den absolut niedrigsten Rindviehbestand seit langer Zeit gegeben habe.

Investitionen in moderne Stalltechnik, abgedeckte Güllelager und emissionsarme Ausbringungstechniken hätten bereits zu erheblichen Reduktionen geführt: etwa minus elf Prozent. Allgemein dürfe die Reduzierung des Viehbestands – „er ist keine Lösung“ – nicht als pauschales Klimaschutzinstrument betrachtet werden, wenn es um Treibhausgase oder Schadstoffe geht, erklärt Schaack. „Es muss eine Verbesserung in der Tierhaltung und der Entsorgung der Exkremente geben“, so das Präsidiumsmitglied, „und nicht einfach darin, weniger Tiere zu halten.“

Versorgungssicherheit soll Priorität haben

Außerdem sollen die Emissionen nicht einfach ins Ausland verlagert werden: Eine Verringerung der hiesigen Rinderhaltung sei kein Klimaschutzerfolg, wenn dadurch die Milch- und Fleischimporte steigen. Außerdem müsse die Klimaleistung des Grünlands, das 51,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche hierzulande ausmacht, in die Bilanzierung aufgenommen werden. „Die Grünland-Extensivierung macht uns Sorgen“, so Ronny Goedert. Nicht zuletzt dürften Umwelt- und Naturschutz einerseits und die Sicherung der Lebensmittelproduktion andererseits gegeneinander ausgespielt werden. Die Versorgungssicherheit sei prioritär zu behandeln. Ebenso müssten die Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen auf die Biodiversität berücksichtigt werden. Schließlich kenne Letztere keine Landesgrenzen.

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