Gütertransport
„Romantik auf Achse ist nur ein Mythos“: Unterwegs mit Europas Lkw-Fahrern
Trotz Klimakrise gibt es mehr und mehr Lastwagen auf den europäischen Straßen. Viele Fernfahrer, von denen ein großer Teil aus osteuropäischen und zentralasiatischen Ländern stammt, arbeiten unter prekären Bedingungen.
Ein Sonntagnachmittag auf dem Parkplatz Kutzhof an der A8 Foto: Editpress/Stefan Kunzmann
„Das Essen ist fertig. Guten Appetit!“, sagt Lukas und deutet auf einen großen Topf mit Pasta und Tomatensoße, zubereitet auf einem Gaskocher. Er hat zwei Gäste eingeladen, seinen „Nachbarn“ Vytautas und mich. Für mehr reichen die Klappstühle nicht. Lukas und Vytautas kennen sich schon lange. Ihre beiden Sattelschlepper stehen direkt nebeneinander und spenden an diesem heißen Sonntagnachmittag bei Wilgartswiesen zwischen Landau und Pirmasens genügend Schatten. „Es war nicht einfach, einen Platz zu finden“, sagt Lukas, „aber Vytautas hat mir einen reserviert.“
Die beiden Litauer kamen am Samstagabend noch rechtzeitig auf dem Lkw-Parkplatz an der Bundesstraße 10 an, die durch den Pfälzer Wald führt. Ab Mitternacht gilt das Wochenendfahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen. „Wir haben noch Karten gespielt und mit unseren Frauen telefoniert“, erzählt Lukas. Der 38-Jährige zeigt mir in der Fahrerkabine ein Foto seiner Frau Lina und der Kinder Matas und Amelija. „Noch weitere fünf Tage von insgesamt vier Wochen bin ich unterwegs, dann geht es zurück nach Klaipéda“, sagt er und strahlt. Dann wolle er zwei Wochen Ferien in seiner Heimatstadt an der Ostsee machen. Er gibt zu, dass er Heimweh hat. Zwar bekomme er gutes Geld, etwa 2.400 Euro netto, Zulagen nicht einberechnet. Auch freue er sich, wenn er befreundete Kollegen wie Vytautas treffe. „Aber meine Familie fehlt mir.“