Bee Secure Radars

20 Prozent der 17- bis 30-Jährigen sehen KI als Freund – OKaJu warnt vor Risiken für Minderjährige

Der neue Bee-Secure-Radar zeigt: KI und soziale Medien gehören für viele junge Menschen zum Alltag – doch ihr Einfluss wird oft als negativ empfunden. Gleichzeitig warnt der OKaJu vor Risiken für Minderjährige und fordert strengere Regeln für Bildschirmnutzung und Online-Plattformen.

Sicherheitsrisiken und Schutzmaßnahmen für Minderjährige im Internet erklärt

Wie sicher ist das Internet für Minderjährige? Foto: Freepik/frimufilms

Bee Secure und Bildungsminister Claude Meisch (DP) haben am Dienstag die neueste Ausgabe des „Bee Secure Radar“ vorgestellt. Der 84-seitige Bericht analysiert die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien durch junge Menschen in Luxemburg, mit besonderem Fokus auf Künstliche Intelligenz (KI). Die Daten beziehen sich auf das Schuljahr 2024/25 und stammen von Schülern, Eltern sowie Lehr- und Erziehungspersonal.

Der erste Kontakt mit der digitalen Welt erfolgt heutzutage bereits in jungem Alter: 32 Prozent der Kinder machten diesen 2026 im Alter von zwei bis drei Jahren – ein Wert, der laut Bee Secure in den letzten Jahren relativ stabil geblieben ist. Viele Kinder zwischen sieben und 13 Jahren besitzen bereits ein eigenes Gerät. 62,4 Prozent verfügen über ein Tablet, das sie im Schnitt mit 7,7 Jahren erhielten. 51,7 Prozent besitzen ein eigenes Smartphone, das erste im Durchschnitt mit 8,22 Jahren.

KI als Freund?

Chatten gehört für viele zum Alltag: 57 Prozent der 17- bis 30-Jährigen geben an, dass Online-Kommunikation zu ihrem psychischen Wohlbefinden beiträgt. 49 Prozent bewerten auch die Nutzung von KI-Chatbots wie ChatGPT als positiv für ihr Wohlbefinden.

84 Prozent dieser Altersgruppe nutzen Chatbots zumindest gelegentlich, 19 Prozent sogar eine Stunde täglich oder mehr. Trotz der intensiven Nutzung bleibt der Einfluss umstritten: Rund ein Drittel glauben, dass KI ihre Fähigkeit zu kritischem und autonomem Denken negativ beeinflusst. Nur 16 Prozent sehen einen positiven Effekt, 40 Prozent keinen nennenswerten. Der Einfluss auf soziale Kompetenzen und Empathie würde weniger, auf Recherchefähigkeiten hingegen leicht positiv bewertet.

17 Prozent der Nutzer empfinden KI sogar als Freund, 20 Prozent nutzen sie gegen Einsamkeit. Fünf Prozent glauben, dass KI Zeit mit anderen Menschen ersetzen kann, während 76 Prozent reale Kontakte bevorzugen. 45 Prozent holen sich zumindest gelegentlich persönliche Ratschläge bei der KI – wenngleich nicht genau hervorgehoben wird, was als persönlicher Ratschlag gilt. 22 Prozent besprechen mit ihr sogar Themen, die sie sonst niemandem anvertrauen würden.

Hass im Netz

Der Einfluss der sozialen Medien auf die Psyche wird allgemein weniger positiv empfunden: 59 Prozent geben an, dass sie negative Auswirkungen auf ihr mentales Wohlbefinden haben, nutzen sie aber dennoch häufig. Nur 11 Prozent verbringen weniger als eine Stunde täglich auf sozialen Plattformen, rund ein Drittel hingegen vier Stunden oder mehr.

Das Problem von Hass im Netz ist bekannt: Fast 80 Prozent der Befragten zwischen 17 und 30 Jahren werden zumindest gelegentlich mit Hassrede gegen Frauen, LGBTQIA+-Personen sowie Menschen aufgrund von Herkunft oder Religion konfrontiert. Etwa die Hälfte dieser Nutzer stoßen zumindest gelegentlich auf Hass gegenüber Menschen mit einer Behinderung. Wie sich herausgestellt hat, seien derartige Erfahrungen relativ geläufig bei Jugendlichen – insbesondere auf Instagram, TikTok, Facebook und YouTube.

62 Prozent der Eltern von Kindern zwischen drei und elf Jahren und 97 Prozent der Eltern von 12- bis 16-Jährigen haben mit ihren Kindern über Risiken im Internet gesprochen. Hauptthemen sind Desinformation und exzessive Bildschirmnutzung. Persönliche Erfahrungen – egal ob positive oder negative – teilen jedoch nur wenige Eltern mit ihren Kindern.

„Kein sicherer Ort für Kinder“

Auch der OKaJu (Ombudsman für Kinder und Jugendliche) äußerte sich anlässlich des „Safer Internet Day 2026“ am Dienstag zur Sicherheit von Minderjährigen im Netz. Das Internet sei „trotz einiger Fortschritte immer noch kein sicherer Ort für Kinder“*. Demnach sei es nach mehr als zwanzig Jahren Sensibilisierungsarbeit höchste Zeit für einen Kurswechsel. Der OKaJu unterstütze den Grundsatz der Europäischen Kommission, wonach das, was offline illegal ist, auch online illegal sein müsse.

Der OKaJu plädiert unter anderem für die Einführung eines gesetzlichen Mindestalters für Bildschirmnutzung, den Besitz von Smartphones (15 Jahre) und vernetzten Geräten sowie für den selbstständigen Zugang zum Internet und zu sozialen Netzwerken ohne Aufsicht. Zudem fordert er verbindliche Altersüberprüfungen, eine stärkere Verantwortung der Online-Dienste, die konsequente Anwendung des Prinzips „Sicherheit durch Design“ (safety by design) durch Technologieanbieter sowie eine klare gemeinsame Verantwortung von Staat, Plattformen und Erwachsenen.

In seiner Mitteilung weist der OKaJu auf die vielfältigen Risiken durch soziale Medien, KI und generell vernetzte Geräte hin. Zwei aktuelle Studien zeigten, dass der Besitz eines Smartphones vor dem 13. Lebensjahr mit einer Verschlechterung der psychischen und physischen Gesundheit einhergehe. Kritisch sieht der OKaJu zudem, dass sogenannte „Safe Phones“ für Kinder in Luxemburg nicht weiter beworben werden.

* Der OKaJu meint damit Menschen unter 18 Jahren

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