Eurobarometer-Umfrage
Soziale Medien bereiten große Sorgen
Aus einer jüngst vom Europäischen Parlament (EP) veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage geht hervor, dass die Menschen in Luxemburg wesentlich pessimistischer sind, was die Zukunft der Welt anbelangt, als in den meisten anderen EU-Staaten. Weitestgehend besorgt zeigen sich die EU-Bürger, was die Entwicklungen im Bereich der Medien und Kommunikationswelt anbelangt.
Hassreden und Desinformation bereiten den Menschen in der EU Sorgen: Vor allem die Plattform X des Tech-Milliardärs Elon Musk ist in die Kritik geraten Foto: AFP/Loïc Venance
Jedes Semester veröffentlicht das EU-Parlament eine Umfrage darüber, wie die EU-Bürger zur EU und ihren Institutionen stehen, welche Themen auf EU-Ebene angegangen werden sollen oder vor welchen Herausforderungen die Union steht. Aktualitätsbezogen werden auch andere Themen abgefragt. In der nun vorliegenden Herbstumfrage wurden die Teilnehmer zu ihrer Einschätzung über die Zukunft der Welt befragt. Die wird von den meisten der Befragten, EU-weit 52 Prozent, als pessimistisch bewertet. Nur 44 Prozent haben einen optimistischen Blick auf die Zukunft der Welt. Dazu gehören vor allem die Bürger in den mittelost-europäischen EU-Staaten, die mehrheitlich optimistisch sind. Die Menschen in Luxemburg hingegen zeigen sich mit 68 Prozent ausgesprochen pessimistisch. Nur die Befragten in Schweden (69 Prozent) und den Niederlanden (72) sehen die Zukunft noch schwärzer.
Beim Blick auf das eigene Land wandelt sich die Einschätzung grundsätzlich. Im EU-Durchschnitt sagen 57 Prozent, dass sie mit Optimismus auf die Zukunft ihres Landes blicken, 41 sind eher pessimistisch eingestellt. In Luxemburg ist der Optimismus noch größer: 81 Prozent der Befragten äußerten sich positiv zur Zukunft des Landes, nur in Irland (82) und Dänemark (87) liegen die Werte noch höher. In lediglich drei EU-Staaten überwiegen die Pessimisten: Die Hälfte der Zyprioten, 56 Prozent der Griechen und 62 Prozent der französischen Nachbarn sehen die Zukunft ihres Landes negativ.
Mehrheitlich sehr besorgt sind die Menschen in der EU, wenn es um sicherheits- und schutzbezogene Themen geht. Das gilt etwa für Kriege und Konflikte in der Nähe der EU, über die 72 Prozent im EU-Durchschnitt und 76 Prozent der Befragten in Luxemburg sehr besorgt sind. Andere Themen sind Cyberangriffe aus Nicht-EU-Staaten (EU: 66; Luxemburg 73), Abhängigkeit von Nicht-EU-Staaten bei der Energieversorgung (EU: 62; Luxemburg: 65), Abhängigkeit bei der Verteidigung von Nicht-EU-Ländern (EU: 59; Luxemburg 62) und der Einflussnahme von Nicht-EU-Ländern auf Wahlen und Politik (EU: 56; Luxemburg 47).
Meinungsfreiheit bedroht
Große Sorgen bereiten den EU-Bürgern allerdings auch die Entwicklungen im Bereich der sozialen Medien. So zeigen sich im EU-Durchschnitt 69 Prozent der Befragten – in Luxemburg 77 Prozent – „sehr besorgt“ über die Desinformation, also falsche und irreführende Informationen. Nur elf Prozent der Befragten EU-weit und sieben Prozent in Luxemburg bereitet Desinformation keine Sorgen. Ähnlich verhält es sich mit Hassreden: 68 Prozent der Menschen in der gesamten EU – in Luxemburg 70 Prozent – sind „sehr besorgt“ über Hatespeech und 19 Prozent (EU) beziehungsweise 20 Prozent (Luxemburg) sind „mäßig besorgt“. Seit geraumer Zeit ist in der EU das sogenannte Digitale Dienstleistungsgesetz (Digital Services Act, DSA) in Kraft, mit dem ausdrücklich gegen Desinformation und Hassrede im Netz vorgegangen werden soll. Dieses Gesetz wird von der US-Regierung sowie den Chefs der US-Tech-Konzerne wie Elon Musk scharf kritisiert. Für sie gehören offenbar Hassreden und Desinformationskampagnen zur freien Meinungsäußerung.
Doch auch die EU-Bürger sehen die Meinungsfreiheit bedroht: Darüber sind 67 Prozent sehr (Luxemburg 64 Prozent) und 20 Prozent mäßig (Luxemburg 23 Prozent) besorgt. Ein sehr große Mehrheit der Menschen in der EU blickt mit Sorge auf den Schutz ihrer persönlichen Daten im Internet, mit künstlicher Intelligenz gefälschte Inhalte, die zunehmende Spaltung in der Gesellschaft sowie die Kontrolle sozialer Medien durch einige große Unternehmen. Nur die Unabhängigkeit der Medien im eigenen Land wird in einigen EU-Staaten etwas entspannter gesehen. Zwar sind auch hier noch immer eine große Mehrheit der Befragten im EU-Durchschnitt sehr (56 Prozent) oder mäßig (25 Prozent) besorgt. Doch es gibt vor allem in den nordischen Staaten Lichtblicke: Nicht besorgt über die Unabhängigkeit der Medien zeigen sich in Dänemark 49 Prozent, in Schweden 40 Prozent und in Finnland 38 Prozent der Befragten. In Luxemburg sind es 28 Prozent, während 34 angeben, sehr besorgt und 33 mäßig besorgt zu sein.