Editorial
Wenn das Foto zum Fake wird – und was das für Luxemburgs Monarchie bedeutet
Ein von der US-Botschaft retuschiertes Foto mit dem Großherzog sorgt für Kopfschütteln in Luxemburg. Völlig zu Recht. Doch das Bild wirft eine weitere Frage auf: die nach der Rolle des Großherzogs in den internationalen Beziehungen des Landes.
Links das Originalbild, rechts das von der US-Botschaft verbreitete retuschierte Foto, aus dem Ex-US-Botschafterin Cynthia Stroum entfernt wurde Collage: Tageblatt, Fotos: LACC, Instagram der US-Botschaft
Im Englischen spricht man von einem „gift that keeps on giving“. Eine Fundgrube, die nie versiegt. Für Journalisten sind Social-Media-Profile von Politikern und politischen Playern eine solche Fundgrube. Seit Ende vergangenen Jahres lohnt sich in dieser Hinsicht vermehrt der Blick in die Onlinekanäle der US-amerikanischen Botschaft in Luxemburg und auf die Facebook- und Instagram-Accounts von Botschafterin Stacey Feinberg. Mehr als einmal sorgte ein solcher Blick bereits für Erstaunen. Die Shitstorms ließen jeweils nicht lange auf sich warten.
Nun veröffentlichten die US-Botschaft und die US-Botschafterin ein Foto, aus dem eine Person digital wegradiert ist, auf dem aber Luxemburgs Staatschef und Großherzog, der Außen- und der Finanzminister zu sehen sind, ebenso wie Feinberg. Nicht mehr zu sehen auf dem in offiziellen Kanälen verbreiteten Bild ist die ehemalige US-Botschafterin in Luxemburg, Cynthia Stroum. So wird das Foto zum Fake: Was die US-Botschaft hier gepostet hat, entspricht nicht der Wirklichkeit. Das war immer schon ein No-Go und erinnert an dunkle Zeiten. In Zeiten von Fake News, in denen wir täglich hinterfragen müssen, ob irgendein Filmchen im Internet KI ist oder nicht, ist das Vorgehen umso bedenklicher. Wir können nur eine Grenze ziehen, und die heißt: Bei der Wirklichkeit bleiben. Wo sollen wir die Grenze sonst ziehen?
Bei dem Foto, von dem hier die Rede ist, war es offensichtlich. Wer es sah, dem stach es ins Auge. Ein spannendes Bild, das schlecht bearbeitet war; ein Glück, denn anders wäre es nicht aufgefallen.
Das ganze Setting des noblen Metropolitan Club in New York, alle im Smoking oder im eleganten Kleid. Und wie sie alle dreinschauen! Ein bisschen wie im Film. Sodass man jedes Detail anschauen will, reinzoomt – und dann in der Kulisse, im Hintergrund, einen Mann entdeckt, dem Arm und Schulter fehlen. Ab da ist klar: Hier stimmt etwas nicht, jemand ist aus dem Bild gelöscht. Mithilfe des Internets ist das Originalbild mit der ehemaligen Botschafterin schnell gefunden.
Warum Stroum entfernt wurde und wer den Schritt veranlasste, wollte die US-Botschaft uns nicht sagen. Was bekannt ist: Stroum ist damals in Ungnade gefallen und musste nach wenig mehr als einem Jahr ihren Posten wieder räumen. Während ihrer 14-monatigen Amtszeit von Ende 2009 bis Anfang 2011 hatten offenbar mehrere Mitarbeiter der Botschaft um eine Versetzung in den Irak oder nach Afghanistan gebeten. Stroum dürfte in der US-Botschaft auch 2026 noch persona non grata sein. Sie aus einem Foto zu löschen, auf dem zudem Großherzog Guillaume, Xavier Bettel und Gilles Roth zu sehen sind, bleibt trotzdem unannehmbar. Ein solches Vorgehen darf keine Schule machen: Man kann nicht alle Prinzipien für ein Posting über Bord werfen.
Das Foto wirft noch eine weitere Frage auf. Eine, die nur Luxemburg betrifft.
Beim Betrachten des Bildes drängt sich eine unbequeme Frage auf: Ist das ein Setting, in dem Luxemburg seinen Großherzog zeigen will, und ist das das Setting, in dem Luxemburgs Großherzog sich selbst sehen will? Guillaume nahm bereits an solchen Events in New York teil, als Erbgroßherzog an der Spitze einer Wirtschaftsmission.
Mittlerweile ist Guillaume Großherzog. Im Verständnis des Geschäftsmodells unserer parlamentarischen Monarchie waren die Royals immer die Türöffner. Der „Kleine“ für die Wirtschaftsevents, der „Große“ für den Eindruck bei Chinesen, Golfstaaten und Co. Nun muss der „Große“ weiter die Rolle des „Kleinen“ mitspielen. Und langsam lassen sich die Nachteile erkennen, nicht zuletzt wegen dieses Fotos, ob bearbeitet oder nicht.
Die Frage, die sich stellt: Hat Luxemburgs Großherzog noch dieselbe Strahlkraft in die Welt hinein, wenn er gleichzeitig an verhältnismäßig kleinen Events teilnehmen muss, wo zudem, wie im jetzigen Fall, sich andere dank seiner Anwesenheit mit fremden Federn schmücken können? Rund um den Thronwechsel haderten Hof und Regierung damit, wie es weitergehen soll mit den Wirtschaftsmissionen, ob Guillaume sie auch als Grand-Duc begleitet. Langsam wird klar, warum das eine heikle Frage ist – und warum Luxemburg diese Rolle neu justieren sollte.