US-Botschaft

Aus Foto mit dem Großherzog entfernte Person ist Ex-Botschafterin Cynthia Stroum

Ein bearbeitetes Foto der US-Botschaft wirft Fragen auf. Jetzt ist klar: Die entfernte Person ist Ex-Botschafterin Cynthia Stroum. Stroum ist eine durchaus umstrittene Figur. Trotzdem bleibt die Frage: Warum wurde sie aus dem Bild gelöscht?

Ex-Botschafterin Cynthia Stroum wurde aus dem Foto der US-Botschaft digital entfernt, Wegradierung sichtbar

Wegradiert: Die Frau, die aus dem Foto der US-Botschaft retuschiert wurde, ist Ex-Botschafterin Cynthia Stroum Fotos: LACC von paperjam.lu, Instagram US-Botschaft Luxemburg

Mitte April haben Großherzog Guillaume, Xavier Bettel und Gilles Roth an einem Wirtschaftsevent in New York teilgenommen. Ebenfalls vor Ort war US-Botschafterin Stacey Feinberg. Später veröffentlichten sowohl Feinberg als auch die US-Botschaft in Luxemburg ein Foto des Abends – allerdings in bearbeiteter Form. Mehrere Personen wurden per Bildbearbeitung aus der Aufnahme entfernt.

Vor allem die verschwundene Frau in der Bildmitte warf Fragen auf. Das Tageblatt berichtete am Dienstag exklusiv darüber. Die US-Botschaft wollte zunächst nicht mitteilen, um wen es sich handelt. Inzwischen ist klar: Bei der entfernten Person handelt es sich um Cynthia Stroum, ehemalige US-Botschafterin in Luxemburg.

Der belastende Bericht aus Washington

Stroum war von Dezember 2009 bis Januar 2011 im Amt – eine vergleichsweise kurze Amtszeit. Aus gutem Grund: Zwei Wochen nach ihrem Rücktritt veröffentlichte das US-Außenministerium einen Bericht über die Zustände in der Botschaft auf dem Limpertsberg. Darin wurde Stroum scharf kritisiert. Ihr wurden unter anderem ein „konfrontativer Führungsstil“, chronische Personallücken sowie das Fehlen einer klaren strategischen Ausrichtung vorgeworfen. Teile der Botschaft seien unter ihrer Führung in einen „Zustand der Dysfunktion“ geraten.

Bereits im Februar 2011 berichtete das Tageblatt, dass in Washington große Unzufriedenheit mit der Leistungsfähigkeit der Botschaft geherrscht habe. „Wegen interner Probleme spielt die Botschaft keine entscheidende Rolle in der Interessenvertretung und der Berichterstattung“, hieß es damals unter Berufung auf den Bericht. Dabei seien die Entwicklungen in Luxemburg für die USA und andere Botschaften in EU- und NATO-Staaten durchaus relevant.

Die Spannungen innerhalb der Botschaft sollen so weit gegangen sein, dass Mitarbeitende von einem Klima der Einschüchterung sprachen. Einzelne hätten sogar um Versetzungen in Einsatzgebiete wie Irak oder Afghanistan gebeten.

Fragen zur Bildbearbeitung bleiben offen

Auch nach ihrem Ausscheiden blieb Stroum dem Großherzogtum verbunden. Laut einem Tageblatt-Bericht aus dem Jahr 2015 war sie an der Organisation einer Reise des damaligen Premierministers Xavier Bettel beteiligt. In einem Interview mit dem Business Journal erklärte sie damals, sie habe sich dafür eingesetzt, dass ein Ableger der Kaffeehauskette Starbucks nach Luxemburg kommt. Anfang 2016 eröffnete die erste Filiale am Flughafen Findel. Heute ist die Kette mit mehreren Standorten im Land vertreten. Stroum bekannte damals, sie sei „ein Fan“ Bettels.

Stroum, eine Philanthropin aus Seattle, Risikokapitalinvestorin und bedeutende Spendensammlerin der Demokraten, war 2009 von Barack Obama zur Botschafterin in Luxemburg ernannt worden.

Viele positive Erinnerungen scheint die US-Botschaft an ihre Amtszeit jedoch nicht zu haben. Selbst 15 Jahre später wird Stroum aus offiziellen Fotos entfernt. Dieses Mal von einem mit Großherzog Guillaume, Finanzminister Gilles Roth und – für Stroum vielleicht besonders bitter – Außenminister Xavier Bettel.

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