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US-Botschaft retuschiert Foto mit Großherzog
Mitte April nehmen Großherzog Guillaume, Xavier Bettel und Gilles Roth an einem Wirtschaftsevent in New York teil. Auch anwesend: US-Botschafterin Stacey Feinberg. Sie postet später ein Foto von dem Abend – ein retuschiertes. Einige Personen wurden per Computerprogramm aus dem Bild entfernt. Warum dieser „Zauber“?
Suchet die Fehler: links das Original, rechts das Instagram-Posting der US-Botschaft Fotos: LACC von paperjam.lu, Instagram US-Botschaft Luxemburg
Der Rahmen ist edel, die Herren tragen Smoking, die Damen elegante Kleider. Der Metropolitan Club in New York ist eine Institution. Hier treffen sich seit mehr als einem Jahrhundert Mitglieder und Gäste aus Politik und Wirtschaft.
So auch am vergangenen 14. April. Am Tisch vorne sitzt Großherzog Guillaume, zu seiner Linken Finanzminister Gilles Roth, stehend dahinter Vizepremier und Außenminister Xavier Bettel, dazu weitere Gäste und gleich hinter Guillaume, im feuerroten Kleid, Stacey Feinberg, US-Botschafterin in Luxemburg.
Anlass ist die alle zwei Jahre stattfindende Verleihung des Luxembourg-American Chamber of Commerce Award. Business as usual also – wenn da nicht, weit im Hintergrund, der Mann ohne Schulter und Arm wäre. Eigentlich ist er nur ein Kopf, aber doch recht einfach zu erkennen. Was wiederum zeigt: Das Foto, das die US-Botschaft sowie US-Botschafterin Feinberg vergangene Woche auf Instagram posteten, wurde zuvor mit einem Bildbearbeitungsprogramm verändert, um Personen daraus zu entfernen.
Manipulierte Bilder im öffentlichen Raum
Die US-Botschaft in Luxemburg verbreitet damit in Zeiten von Fake News ein mit Photoshop bearbeitetes Foto, auf dem der Großherzog sowie zwei Minister und die luxemburgische Botschafterin in den USA, Nicole Bintner, zu sehen sind. Der Grund für diesen Zauber? Der wird auch auf Nachfrage bei der US-Botschaft hin nicht klar.
Ebenfalls abgebildet ist, rechts neben Guillaume sitzend, Ed Morgan, der CEO von Plastikpak Inc. Eine Filiale von Plastikpak, die in Käerjeng ansässige LuxPET, war der diesjährige Preisträger. Auch Michel Franck von der Luxembourg-American Chamber of Commerce (LACC) ist auf dem Foto zu sehen.
Das Originalfoto, aufgenommen von der LACC, lässt sich auf Paperjam.lu betrachten, das eine Fotogalerie zu dem Event online gestellt hat. Und es offenbart einige Überraschungen: Zu sehen ist dort eine weitere Frau neben Feinberg sowie ein Mann, der im Hintergrund vorbeigeht. Anders als der Mann scheint die Frau Teil der Gruppe zu sein, steht sie doch neben allen anderen auf diesem Gruppenfoto und schaut lächelnd und direkt in die Kamera. Es ist auch diese Frau, die Arm und Schulter des Mannes im Hintergrund verdeckt, sodass diese nach dem Wegretuschieren der Frau aus dem Bild fehlen.
Warum überhaupt? Aus der Antwort wird niemand schlau
Die Antwort der US-Botschaft in Luxemburg auf die Tageblatt-Nachfrage fällt recht knapp aus. Über E-Mail informierte die Sprecherin der Botschaft, dass „das von der Botschaft gepostete Bild die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Luxemburg im Rahmen der Business-Award-Gala widerspiegelt“. Das Posting entspreche „dem Rahmen unserer Praxis des Social-Media-Content-Managements“. Ebenso entspreche „die verwendete Bildsprache dem Thema der Veranstaltungen und Aktivitäten, die wir teilen“, so die US-Botschaft. Zu einzelnen Personen wolle die US-Botschaft keine Stellung nehmen.
Die Fragen vom Tageblatt, wer die Bildbearbeitung veranlasste, warum das überhaupt geschah und ob das Verändern von Fotos regelmäßig vorkomme, blieben unbeantwortet. Auch zu der Frage, ob die US-Botschaft es für unbedenklich hält, derart bearbeitete Bilder mit Personen des öffentlichen Lebens wie dem Staatsoberhaupt und hochrangigen Ministern Luxemburgs zu veröffentlichen, gab es keine Stellungnahme.
Stacey Feinberg ist seit vergangenem November US-Botschafterin in Luxemburg. In ihrer noch jungen diplomatischen Laufbahn sorgte Feinberg bereits für einiges Aufsehen. Sie kritisierte China für seine Einflussnahme in Luxemburg (und nebenbei Luxemburg für seine angebliche Naivität). Zudem sorgte Feinberg bereits zweimal für einen Shitstorm gegen ihre Person in Luxemburg. Einmal warb sie für ein Austauschprogramm für junge Menschen aus Luxemburg, als nahezu zeitgleich eine US-Amerikanerin durch Schüsse eines ICE-Agenten in Minneapolis ums Leben kam. Etwas später lobte sie US-Präsident Trump in den sozialen Medien als „greatest President ever“, was viele im Internet mit Häme quittierten.
Angesprochen auf diese Reaktionen sagte Feinberg im Februar im großen Interview mit dem Tageblatt: „Ich muss immer noch das Recht dieser Menschen verteidigen, das im Internet zu schreiben – freie Meinungsäußerung ist freie Meinungsäußerung, aber gefallen tun mir solche Kommentare natürlich nicht.“