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Ungebremste Sucht: Luxemburg hat ein Glücksspielproblem

Luxemburg hat ein Glücksspielproblem und die Regierung tut zu wenig dagegen.

Ungebremste Sucht: Luxemburg hat ein Glücksspielproblem

Foto: Imago

Wer ab und zu mal in eine Kneipe geht, hat sie schon gesehen. Die Glücksspielautomaten gehören mittlerweile zur Inneneinrichtung. Bei genauerer Beobachtung kommt man sehr schnell zum Schluss, dass Luxemburg ein Problem hat. Immer mehr Menschen sitzen tagsüber oder abends an diesen Maschinen und versuchen ihr Glück. Es handelt sich dabei jedoch keineswegs um harmlose Zockerei. Viele dieser Menschen versuchen, mit dem Glücksspiel ihre Lebenssituation zu verbessern oder sich aus den Schulden zu retten.

Die Präsenz solcher Automaten in Etablissements, wo zudem noch Alkohol ausgeschenkt wird, senkt die Hemmschwelle erheblich. Wie groß das Problem in Luxemburg ist, verdeutlicht sich an einer anderen Stelle. Mittlerweile gibt es sogar Supermärkte, die solche Automaten aufstellen, um die Sucht ihrer Kunden zu bedienen. Es ist genau diese Alltäglichkeit, die große Risiken mit sich bringt. Ein klassisches Casino hat man nicht einfach so vor der Tür – außer die Einwohner von Mondorf. Ein Café mit einem Glücksspielautomaten hat aber fast jeder in seiner Nähe. Das Zocken wird zur Normalität und daraus entwickelt sich bei den meisten eine Sucht.

Die Gewinner sind meistens nicht die Spieler, sondern die Anbieter und eben auch die Kneipen. Die Automaten erlauben es Café-Betreibern, zu überleben. Manche Bars machen den Großteil ihres Umsatzes mit den Maschinen.

Die Luxemburger Regierung hat das Thema zwar nicht völlig ignoriert, tut aber aktuell noch sehr wenig, um das Problem strategisch anzugehen. Derzeit wird vor allem auf Prävention und Eigenverantwortung gesetzt. Einen richtigen Aktionsplan gibt es nicht und ist derzeit auch nicht vorgesehen, wie aus einer parlamentarischen Frage im Januar hervorging. Die einzige konkrete Maßnahme ist aktuell, dass ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht wurde, der künftig die illegalen Automaten aus den Bistros verbannen soll. Davon gibt es laut verschiedenen Schätzungen derzeit rund 4.000 in Luxemburg. Der Markt wird durch diese Maßnahme zwar reguliert, das Problem jedoch ganz und gar nicht gelöst.

Andere europäische Länder sind in dieser Hinsicht einen Schritt weiter. In manchen Ländern gibt es Limits für Einsätze, begrenzte Spielzeit oder verpflichtende Registrierungssysteme, die problematisches Verhalten frühzeitig entdecken.

Luxemburg steht an einem Scheideweg. Ignoriert man das Problem weiter, drohen langfristige soziale Probleme: von Überschuldung bis hin zu psychischen Erkrankungen. Es geht nicht darum, das Glücksspiel zu verbieten, sondern die Risiken für Langzeitschäden zu minimieren. Die Frage ist nämlich heute nicht mehr, ob Luxemburg ein Glücksspielproblem hat, sondern was die Regierung unternimmt, damit es nicht noch schlimmer wird.

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