Editorial
Football Unites the World? Vor einer WM mit politischen Kontroversen
Noch bevor bei der größten Fußball-WM aller Zeiten der erste Ball rollt, sorgen nichtsportliche Schlagzeilen für Aufsehen. Einreiseprobleme, Visa-Hürden und politische Kontroversen werfen bereits vor Turnierbeginn einen Schatten auf das globale Fußballfest.
Vom FIFA-Motto „Football Unites the World“ könnte diese WM kaum weiter entfernt sein Foto: AFP/Juan Mabromata
Der Countdown ist zu Ende: Am Donnerstag beginnt sie, die Fußball-WM der Superlative. Drei Gastgeber, 16 Spielorte, 48 Mannschaften, 104 Spiele, 39 Tage Fußballspaß. Die FIFA lebt ihren amerikanischen Traum. Doch ein Traum ist dieses Spektakel längst nicht mehr. Vom Motto des Weltfußballverbandes „Football Unites the World“ könnte diese WM kaum weiter entfernt sein.
Nicht etwa die Verletzung von Messi oder die Rückkehr von Manuel Neuer ins deutsche Tor, sondern die Trump-Regierung und ihre strenge Einwanderungspolitik bestimmten in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen. In den letzten Tagen reihte sich dann ein Negativbeispiel an das andere. So darf das iranische Team inzwischen zwar für seine drei Vorrundenspiele einreisen, aber nur am Spieltag selbst. Einfach war die Reise auch nicht für den irakischen Stürmer Aymen Hussein, der am Flughafen sieben Stunden befragt worden sein soll.
Verstörend sind auch die Bilder der Teams aus Senegal und Usbekistan, die strengen Sonderkontrollen unterzogen wurden. Wenigstens durften sie einreisen, was längst nicht für jeden zutrifft. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass dem für die WM vorgesehenen somalischen Schiedsrichter Omar Artan trotz gültigen Visums die Einreise verweigert wurde. Begründung: Er stehe „mit mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen in Verbindung“.
Ein Fanvisum ist derweil für viele afrikanische Anhänger ein Ding der Unmöglichkeit, und auch bei einigen schottischen Fans wurde der ESTA-Status zuletzt kurzfristig geändert. Unproblematisch läuft es auch nicht für alle Journalisten. Viele haben keine oder nur eine beschränkte Einreiseerlaubnis erhalten. Heißt: Wenn so mancher afrikanische Medienvertreter sein Team nach Kanada oder Mexiko begleiten würde, dürfte er kein weiteres Mal in die USA einreisen.
Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Bei dieser Weltmeisterschaft sicherlich nicht. So sind es nun auch die WM-Teilnehmer, die den tief verwurzelten Rassismus in den USA zu spüren bekommen. Auch wenn es mit Mexiko und Kanada zwei weitere Gastgeber gibt, finden 78 der 104 Spiele (immerhin 75 Prozent) in den USA statt – dem Zentrum dieser WM. Dass hier die völkerverbindende Kraft des Fußballs, von der so gerne gesprochen wird, tatsächlich zum Tragen kommt, damit dürfte kaum noch jemand rechnen.
Und die FIFA? Gianni Infantino schiebt alles geschickt von sich weg. Einreisebestimmungen – nicht sein Aufgabengebiet. Gerade deshalb ist eine ausgewogene Berichterstattung umso wichtiger. In den kommenden Wochen wird das Tageblatt deshalb über das Sportliche, das Politische und all das berichten, was die Sportart Nummer eins ausmacht.