Editorial

Luxemburgs Verteidigungsdirektion muss dringend ihre Kommunikation überdenken

Wer militärisches Material statt der Dinge, die man schützen will, auf seine Banknoten druckt, hat schon verloren, wofür man eigentlich zu kämpfen bereit ist.

Auch der Airbus A400M ist Teil der Motivreihe, die die Verteidigungsdirektion auf Facebook veröffentlicht hat.

Auch der Airbus A400M ist Teil der Motivreihe, die die Verteidigungsdirektion auf Facebook veröffentlicht hat. Screenshot: Facebook/Directorate of Defence

Vielleicht wäre in diesem Fall ein klassisches Bart-Simpson-Nachsitzen förderlich. Immer wieder mit weißer Kreide auf schwarzer Tafel schreiben: Als öffentliche Institution soll ich keinen Social-Media-Trend mitmachen. Als öffentliche Institution soll ich keinen Social-Media-Trend mitmachen … Denn wer diese Lektion noch immer nicht gelernt hat, fängt sich regelmäßig verdiente Klatschen ein. Dieses Mal: die luxemburgische Verteidigungsdirektion.

Was ist passiert? Die EZB hat Motive für die künftigen Euro-Geldscheine zur Bürgerabstimmung ausgegeben. Es gibt zwei Motivgruppen: Vögel und Flüsse, oder europäische Persönlichkeiten. Die Verteidigungsdirektion hat sich daraufhin einen Spaß gemacht und eine dritte Gruppe vorgeschlagen, samt KI-Illustration: militärisches Gerät. Das hat für Empörung über politische Lager hinaus und tief in die Gesellschaft hinein gesorgt. In der Direktion dürfte es jetzt Ärger geben, denn Verteidigungsministerin Yuriko Backes (DP) war über den KI-Gag nicht informiert.

Eine klassische „nonpology“

Sicherlich, wir leben in Zeiten, die leicht zu empören sind. Aber die Verteidigungsdirektion tut immer wieder auch ihr Übriges. Zum Beispiel im vergangenen Jahr beim Tag der offenen Tür der Armee auf dem Herrenberg. Da nahm Ministerin Yuriko Backes fröhlich ein Gewehr in die Hände, es war ein gefundenes Fressen für die begleitenden Fotografen. Und ein Foto, das für viel Kritik und Befremden sorgte, selbst bis in die Reihen der Armee hinein. Backes’ Vorgänger, der grüne Verteidigungsminister François Bausch, hatte sich bei solchen Anlässen immer davor gehütet, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Um eben solche Bilder zu vermeiden.

Armee und Militär sind in den vergangenen Jahren massentauglicher geworden, die Verteidigungsdirektion muss in ihrer Kommunikation jedoch dringend aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen. Sonst riskiert sie, die Bevölkerung zu verprellen und ihre Unterstützung für wichtige Ziele zu verlieren. Denn selbstverständlich ist die europäische Sicherheit ein wichtiges Thema. Und selbstverständlich braucht es dazu gutes Material made in Europe.

Die Reaktion der Direktion auf die Kritik war jedoch alles andere als souverän. Vielmehr ähnelte sie in Form und Inhalt einer leeren Entschuldigung, die man im modernen Englisch so treffend als „nonpology“ bezeichnet. Erstens: Verantwortungsdiffusion (die anderen europäischen Verteidigungsinstitutionen haben auch mitgemacht). Zweitens: Schuldverlagerung (sorry, wenn sich jemand verletzt gefühlt hat). Drittens: Einsichtslosigkeit. „Die Europäische Union verkörpert ebenso wie Luxemburg die Grundwerte Frieden, Demokratie, Menschenrechte und Freiheit“, schreibt die Direktion noch in der Nacht auf Freitag. „Die dargestellten militärischen Mittel stehen diesen Werten keineswegs entgegen, sondern sind darauf ausgelegt, deren Schutz zu gewährleisten.“

Historische Nachbarn: Kuba und der Ostblock

Was in der Direktion aber niemand zu verstehen scheint: Wenn man diese militärischen Mittel statt der Dinge, die man schützen will, auf seine Banknoten klatscht, dann hat man schon verloren. Dort, wo die großen zivilisatorischen Errungenschaften eines Landes oder eines Kontinents präsentiert werden. Die großen Männer und Frauen, die Politik, Gesellschaft und Kultur geprägt haben. Die ikonischen Bauwerke, die bahnbrechenden Erfindungen, die erhabenen Kunstwerke. Eben all das, was es zu verteidigen gilt. Das ist Europa. Wer an dieser Stelle einfach das militärische Gerät setzt, hat schon verloren, wofür man eigentlich zu kämpfen bereit ist. Und ist damit kaum besser als die Säbelrassler mit ihren Militärparaden.

Wessen sich ebenfalls niemand in der Direktion klar zu sein scheint, ist die historische Nachbarschaft, in die man sich mit Waffen auf Geldscheinen begibt: die ehemalige Tschechoslowakei 1964, Kuba nach der Revolution und die Sowjetunion 1938.

1 Kommentare
Jeff 31.07.202620:21 Uhr

Ech sinn dofir dass den Transportministère eng Banknout mat engem CFL Zuch virdrop an engem Elektro-Bus hannendrop veröffentlecht. Gratis Transport eben, dat ass beachtlech.

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