Editorial

Wer kann sich das noch leisten? Benzin, Diesel und Heizöl werden zum sozialen Problem

Statt vollzutanken, füllen viele nur noch 20 oder 30 Euro nach. Was an der Zapfsäule beginnt, könnte sich schnell zu einer sozialen und politischen Krise auswachsen.

Der Benzinpreis ist mehr als ein Preis, er ist ein tägliches Stimmungsbarometer – und aktuell geht der Trend klar nach unten

Der Benzinpreis ist mehr als ein Preis, er ist ein tägliches Stimmungsbarometer – und aktuell geht der Trend klar nach unten Foto: Editpress/Miguel Moutinho De Sousa

Wer tankt noch voll? Offenbar immer weniger Menschen in Luxemburg, wenn man den Tankstellenbetreibern glaubt. Statt des „plein“ wird stückchenweise getankt, mal für 20, mal für 30, vielleicht mal für 50 Euro. Die Preise für Benzin und Diesel zwingen viele dazu. Für immer mehr Menschen wird das Auto zur finanziellen Belastung, nicht nur, aber auch in Luxemburg.

Benzin kostet in einem großen Teil der EU inzwischen etwa 1,80 bis deutlich über 2 Euro pro Liter. Die Preise für Diesel und Heizöl steigen ebenfalls.

Benzinpreise werden zur sozialen Belastung

Wer nachts arbeitet oder auf dem Dorf wohnt, kann nicht immer auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Er oder sie sitzt in der Benzinkostenfalle. Dabei geht es um monatelang höhere Ausgaben, nur um zum Arbeitsplatz zu kommen.

Die Politik weiß, was steigende Benzinpreise bedeuten. In mehreren EU-Ländern wurde bereits staatlich eingegriffen. Aber auch diese Hilfen kosten Geld, viel Geld. Italien beziffert seine bisherigen Entlastungen auf mehr als 2,6 Milliarden Euro. Geld, das woanders fehlen wird.

Auch auf EU-Ebene wächst der Druck. Deutschland, Spanien, Portugal, Italien, Polen und Österreich verlangen gemeinsame Beratungen über eine europaweite Besteuerung außergewöhnlicher Gewinne der Ölkonzerne. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen umschiffte das Thema am Mittwoch in ihrer Rede zur Lage der Union mit EU-Floskeln: mehr Diversifizierung, mehr Elektromobilität, mehr europäische Souveränität. Darüber, sich das Geld bei den Ölkonzernen zu holen, verlor sie kein Wort.

Das von Donald Trumps USA und Benjamin Netanjahus Israel mit dem Iran-Krieg entfachte Chaos im Nahen und Mittleren Osten wird tagtäglich schlimmer. In Luxemburg werden die Folgen davon vor allem an der Zapfsäule sichtbar.

Europa bleibt abhängig von Öl und Importen

Der Benzinpreis verdeutlicht den Menschen dort auch, wie abhängig die EU von anderen Staaten ist und wie sehr wir weiter am Tropf fossiler Energien und ihrer unverlässlichen Lieferanten hängen. Europa hat darauf nur sehr begrenzten politischen Einfluss. Diese Energiekrise ist eine Eigenproduktion der Marke Trump. Die Folgen des vom US-Präsidenten losgetretenen Kriegs gegen den Iran bleiben unberechenbar. Klar ist nur: Sie waren teuer, sind teuer und werden teuer bleiben. Und Europa kann wenig dagegen ausrichten. Auch das ist eine bittere Erkenntnis und gefährlich für eine Politik, die ihre Handlungsunfähigkeit immer schwerer kaschieren kann.

Der Benzinpreis ist mehr als ein Preis, er ist ein tägliches Stimmungsbarometer. Kaum eine andere Zahl ist so sichtbar und so leicht mit früher zu vergleichen. Steigt der Preis an der Zapfsäule, wächst schnell das Gefühl, dass alles teurer wird. Studien zeigen, dass sich die Stimmung verschlechtert und das Verbrauchervertrauen sinkt. Genau deshalb entfalten steigende Benzinpreise gesellschaftlich und politisch eine so enorme Wucht. In Frankreich geht bereits die Angst um vor einer neuen Runde „Gilets jaunes“.

Heizöl verschärft die Energiekrise in Luxemburg

Bald beginnt auch noch die Heizsaison. Und es ist ein ziemlicher Unterschied für die Haushalte, ob sie 1.500 Liter Heizöl für 70 Cent einkaufen oder zu den heutigen Preisen. Zusammengenommen mit dem aus den Fugen geratenen Preis für Benzin und Diesel braut sich ein gefährlicher Cocktail zusammen. Auch Menschen in Luxemburg drohen dadurch in existenzielle Probleme zu geraten. Oder sie frieren im Winter. Man muss kein Wahrsager sein, um vorauszusehen, dass es auch im Großherzogtum Haushalte gibt, die ihre Tanks zu diesen Preisen einfach nicht nachfüllen können.

Für Gesprächsstoff ist vor den anstehenden Runden des „Comité de suivi“ der Tripartite demnach gesorgt. Nach einem Sommer, in dem sich die Regierung die brutalen Hitzewellen und die historische Trockenheit vornehmlich aus dem fernen Urlaub angeschaut hat, kommt jetzt der Benzinschock. Davor werden sich Frieden und Co. nicht wegducken können.

1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 17.09.202607:24 Uhr

Gegebenenfalls soll die Regierung eben ihre Steuern und Abgaben auf Benzin, Diesel und Heizöl senken ...zumindest temporär bis die Lage wieder normal ist auf dem Weltmarkt

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