Editorial
Der unpopuläre Populist: Wie Trump den Republikanern die Wahlen versaute
„Tut so, als stünde ich auf dem Wahlzettel“, forderte US-Präsident die Amerikaner auf. Und die lieferten – und bescherten den Trumpisten einen herben Dämpfer. Aber Maga ist nicht tot und der Populismus auch nicht.
Trump bei einem Wahlkampftermin in Washington: „Tut so, als stünde ich auf dem Wahlzettel“ Foto: AFP
Die Kongresswahlen in den USA haben den Demokraten einen Kantersieg beschert. In beiden Häusern stellen sie künftig die Mehrheit. Und der Grund dafür ist einzig und allein Donald Trump – und das, was er in den vergangenen Monaten angerichtet hat. „Tut so, als stünde ich auf dem Wahlzettel“, hatte er gesagt. Die Midterms waren eine Abrechnung mit dem Präsidenten. Und jenen, die sein Chaos haben geschehen lassen.
Willige Hofschranzen eines Monarchen
Sieben von zehn Wählern haben bei einer Befragung angegeben, dass der Kongress seiner Kontrollfunktion nicht ausreichend nachkommt. Das ist eine arg euphemistische Formulierung dafür, was aus der „Grand Old Party“ in den vergangenen Jahren geworden ist. Die Maga-Ideologie hat aus Politikern mit freiem Willen Hofschranzen eines Monarchen gemacht. Das Destillat dessen spiegelt sich in der Figur von Speaker Mike Johnson wider, der auch die aberwitzigsten Ideen Trumps mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten verteidigte. Das, um bloß nicht den Anschein zu erwecken, das Parlament habe etwas mit der Kontrolle der Exekutive zu tun.
Aber bevor jetzt – vor allem mit Blick auf die kommenden Schicksalswahlen in Europa – das weltweite Ende des Populismus eingeläutet wird: So einfach ist die Sache nicht. Die Kongresswahlen vom Dienstag haben Maga und die Rechten zwar abgestraft. Den Ausschlag werden aber vor allem jene enttäuschten Ex-Fans gegeben haben, die sich über ihre leeren Geldbeutel ärgern – und den Mann, der das angerichtet hat.
Krieg mit fehlendem Narrativ
Zugegeben – das Wahlergebnis allein auf die hohen Spritpreise zurückzuführen, greift kurz. Aber es ist nicht zu leugnen: Die Inflation, der irrationale Krieg gegen den Iran und mithin eben auch die Preise an der Zapfsäule haben die Wahlen in den USA mindestens genauso mitentschieden wie Trumps in aller Öffentlichkeit zur Schau gestellte Demokratie-Zersetzung. Die Beliebtheitswerte des Populisten fielen so, wie die Zahlen an den Preistafeln der amerikanischen Tankstellen stiegen. Trumps andauernder Iran-Exkurs ist nicht nur brutal und völkerrechtswidrig – er lässt sich auch nicht so einfach mit einem populistischen Narrativ rechtfertigen.
Trump hat die Maga-Populisten mit einer Anwallung unpopulistischer Politik in einen Abgrund gerissen. Aber Maga und der Populismus sind deshalb nicht tot. Und am Horizont wartet ein Mann, der die Klaviatur des Populismus mindestens so gut wie sein Lehrmeister beherrscht – aber dessen politische Vorstellungen möglicherweise weit über die von Trump hinausreichen: JD Vance, ein erzkonservativer Opportunist, geprägt und gefördert von ultra-libertären Ideologen, ist halb so alt wie Trump, aber doppelt so rational. Er wird sich nicht von Kleinkram wie Golddeko, Ballsälen und Reflecting Pools ablenken lassen. Und genau deshalb ist er für die liberale Weltordnung noch viel gefährlicher als Trump.
Die Demokraten haben Trump geschlagen. Ob sie damit auch den Trumpismus besiegt haben, steht auf einem anderen Blatt. Dieses Blatt wird im Jahr 2028 beschrieben – und was darauf steht, wird uns alle betreffen.