Jahresresultat 2025

ArcelorMittal: Umsatz geht weiter leicht zurück, Gewinn verdoppelt sich

ArcelorMittal konnte sein Ergebnis im vergangenen Jahr deutlich steigern. Auch für das angelaufene Jahr gibt sich der luxemburgische Stahlproduzent optimistisch, selbst für Europa.

ArcelorMittal Logo vor Werk in Luxemburg, Konzern in guter Lage, offene Fragen zum Standort Luxemburg

Dem Konzern ArcelorMittal geht es gut. Zum Standort Luxemburg gibt es jedoch viele offene Fragen. Foto: Editpress/Julien Garroy

Der Luxemburger Konzern ArcelorMittal, der derzeit auf Kirchberg seinen neuen Hauptsitz baut, hat 2025 seinen Nettogewinn deutlich steigern können: Am Ende des Jahres stand ein Plus von 3,15 Milliarden Dollar in den Büchern. Das geht aus dem am Donnerstag vorgestellten Jahresergebnis hervor.

Im Vorjahr belief sich der Gewinn auf nur 1,3 Milliarden Dollar. Noch ein Jahr vorher, 2023, waren wegen einer weniger dynamischen Nachfrage nur 919 Millionen Dollar Nettogewinn verbucht worden.

Von den außergewöhnlich guten Ergebnissen aus den Jahren 2021 und 2022 bleibt der Konzern jedoch weit entfernt. Mit einem Umsatz von jeweils deutlich über 75 Milliarden Dollar hatte ArcelorMittal damals historische Rekordgewinne von fast 15 Milliarden Dollar (2021) und 9,3 Milliarden Dollar (2022) verbucht.

Das Geschäft mit der Herstellung von Stahl ist von jeher anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Wächst die Wirtschaft, dann ist die Nachfrage hoch – schrumpft die Wirtschaft, dann wird auch meist weniger investiert und die Nachfrage nach Stahl ist weniger dynamisch.

Das Volumen der Verkäufe derweil ist letztes Jahr weiter leicht geschrumpft: Der Umsatz ist von 62,4 Milliarden Dollar auf 61,4 Milliarden Dollar zurückgegangen; das Volumen der ausgelieferten Tonnen Stahl von 54,3 auf 54 Millionen Tonnen. Bereits letztes Jahr waren diese Zahlen leicht rückläufig. Dass der Gewinn 2025 trotzdem gestiegen ist, spiegelt in erster Linie geringere Wechselkurs- und sonstige Nettofinanzierungskosten sowie geringere Steueraufwendungen wider, so der Konzern.

Optimismus für Europa

Getrieben durch Zukunftsinvestitionen ist die Nettoverschuldung um 2,8 Milliarden auf 7,9 Milliarden Dollar, gestiegen. Viele Jahre lang hatte der Stahlkocher mit einem hohen Schuldenstand zu kämpfen: Nach der Fusion von Arcelor mit Mittal Steel lag die Summe Ende 2008 bei über 26 Milliarden Dollar.

Für das angelaufene Jahr 2026 gibt man sich optimistisch. Es wird ein Anstieg der weltweiten Nachfrage (ohne China) von plus zwei Prozent erwartet. ArcelorMittal prognostiziert dabei einen Anstieg der Stahlproduktion und -lieferungen in allen Regionen, unterstützt durch operative Verbesserungen und durch Auswirkungen von Handelsschutzmaßnahmen.

„Weltweit sind die Aussichten günstiger“, wird Geschäftsführer Aditya Mittal zitiert. „Darunter auch in Indien, wo wir unsere Präsenz ausbauen und unser Produktangebot verbessern.“ Auch profitiere man „in einzigartiger Weise von neuen makroökonomischen Wachstumstreibern wie der Energiewende, Verteidigung, Rechenzentren und Infrastruktur“. Insgesamt sei man, dank dieser Kombination aus positiven regulatorischen Entwicklungen, strukturell unterstützenden Makrotrends und einem verbesserten operativen Umfeld „gut aufgestellt, um unser langfristiges Ziel, konstante Renditen für unsere Aktionäre zu erzielen, weiter zu verfolgen“.

Zufriedene Aktionäre

Auch zu Europa äußert sich der Konzern positiv, was in den vergangenen Jahren eher selten vorkam. Wegen eines weltweiten Trends zu mehr inländischer Versorgung, einschließlich der Einführung weitreichender Zölle, hätten nun endlich mehr Länder Maßnahmen ergriffen, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Fertigungsindustrie zu stärken, so Mittal. „Nirgendwo war dies notwendiger als in Europa, wo ArcelorMittal bedeutende, hochwertige Betriebe unterhält.“ Das werde es nun jedoch den europäischen Herstellern ermöglichen, wieder ein nachhaltiges Nutzungsniveau zu erreichen, gesunde Kapitalrenditen zu erzielen und wieder Marktanteile von Importen zurückzugewinnen.

Die Anleger reagierten sehr positiv auf die vorgestellten Zahlen und Prognosen. Am frühen Nachmittag lag die ArcelorMittal-Aktie rund 1,1 Prozent im Plus, bei 48,1 Euro pro Anteilsschein. Innerhalb eines Jahres hat sich ihr Wert somit fast verdoppelt. Vor einem Jahr lag der Kurs bei unter 25 Euro. Im Mai 2020, zur Corona-Zeit, lag der Wert eines Anteilscheins teilweise noch bei weniger als 9 Euro pro Titel.

Der in Luxemburg beheimatete Konzern gilt als zweitgrößter Stahlhersteller der Welt. Gemessen an der Produktionsmenge wurde er 2020 von der China Baowu Group überholt.

Keine Informationen zu Luxemburg

Was spezifische Informationen zur Situation von ArcelorMittal am Standort Luxemburger Werke betrifft, so wollte die zuständige Luxemburg-Chefin des Stahlkonzerns, Valérie Massin, Tageblatt-Fragen nicht beantworten. Ein betreffendes Telefongespräch, das für Donnerstagnachmittag anberaumt war, wurde kurzfristig wieder abgesagt. Das, nachdem seit November 2025 bereits mehrfach Gesprächstermine abgesagt wurden. Andere Mitarbeiter, die befugt zum Reden sind, soll es nicht geben.

Gilt zu bemerken, dass aktuell eine Analyse bei ArcelorMittal läuft, über die das Tageblatt am Mittwoch berichtet hatte. Im Zuge dieser wird überlegt, wie viele von 1.150 theoretisch möglichen Arbeitsplätzen aus dem Bereich Verwaltung von Luxemburg nach Polen und Indien verlagert werden könnten. Auf eine konkrete Zahl wurde sich, laut einer Mitteilung des Konzerns vom Vortag, noch nicht festgelegt. Es sei aber wichtig zu verdeutlichen, dass sich diese Zahlen „auf den Umfang der Studie beziehen und nicht auf das Ergebnis der Studie“, so ArcelorMittal.

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Konzern aktuell rund 3.500 Mitarbeiter in Luxemburg beschäftigt, vor einigen Jahren aber bereits geplant hatte, die Zahl der Angestellten hierzulande auf 3.000 zu senken. Dazu war es damals jedoch nicht gekommen. Im Jahr 2010 beschäftigte er hierzulande noch mehr als 6.000 Mitarbeiter.

Auch noch erwähnen kann man, dass der Bau des künftigen Sitzes auf Kirchberg, dessen Fertigstellung ursprünglich für 2021 geplant war, erst in Gang kam, als der Luxemburger Staat 2023 angekündigt hatte, die Hälfte des Gebäudes zu finanzieren und die betreffende Bürofläche für eigene Bedürfnisse zu nutzen. Ob das so bleibt, ist, ohne Gesprächspartner, eine offene Frage.

2 Kommentare
Grober J-P. 06.02.202609:27 Uhr

Darf man erfahren wo all diese Rekordgewinne hin sind?

Manfred Reinertz Barriera 06.02.202607:54 Uhr

Dann freut sich Herr Mittal, dann kann er wieder kräftig absahnen und vielleicht fällt auch was für die Belegschaft ab?

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