WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Warum Chefredakteur Chris Schleimer für eine Klimaanlage im Stade de Luxembourg plädiert

Vor vier Jahren waren klimatisierte Stadien das Feindbild der WM in Katar. Heute wirken sie plötzlich gar nicht mehr so absurd.

Warum Chefredakteur Chris Schleimer für eine Klimaanlage im Stade de Luxembourg plädiert

Klimaanlagen haben in Luxemburg derzeit Hochkonjunktur. Wer eine bestellen möchte, braucht vor allem Geduld. Vielleicht sollte sich auch die Stadt Luxemburg langsam beeilen. Das Stade de Luxembourg verfügt nämlich noch nicht über eine Klimaanlage. Sollte das Gesundheitsministerium bei der nächsten Hitzewelle wieder klimatisierte Orte, wie Einkaufszentren, empfehlen, wäre das Stadion sonst chancenlos.

Wo bleibt die Empörung?

Vor vier Jahren hätte man über diesen Gedanken vermutlich nur den Kopf geschüttelt. Damals waren klimatisierte Fußballstadien das Symbol für alles, was an der WM in Katar kritisiert wurde. Fußball in der Wüste, heruntergekühlte Arenen und Nachhaltigkeit, die spätestens an der Stadiontür endete.

Vier Jahre später ist die Empörung erstaunlich klein. Dabei stehen auch bei dieser WM klimatisierte Stadien auf dem Spielplan. In Nordamerika gehören solche Arenen seit Langem zum Profisport.

Ausgerechnet diese WM dürfte die klimaschädlichste der Geschichte sein. Drei Gastgeberländer, 48 Mannschaften und Flüge quer über den Kontinent sorgen für einen gewaltigen ökologischen Fußabdruck. Über die Klimaanlagen spricht dagegen kaum noch jemand.

Einkaufszentren, Kinos und Stadion

Vielleicht liegt das auch daran, dass sich die Realität verändert hat. Während der Hitzewelle empfahl das luxemburgische Gesundheitsministerium, klimatisierte Orte wie Einkaufszentren oder Kinos aufzusuchen. Ein klimatisiertes Stade de Luxembourg wäre da fast schon die logische Ergänzung.

Dass Hitze zum Problem geworden ist, zeigte sich schon 2022. Die WM in Katar wurde in den Winter verlegt, weil Fußball im Sommer kaum verantwortbar schien. Vier Jahre später gehören Hydration Breaks zum Alltag und über Anstoßzeiten wird fast so intensiv diskutiert wie über den VAR.

Umso bemerkenswerter ist, wie sich der Blick auf klimatisierte Stadien verändert hat. Vor vier Jahren regte man sich über klimatisierte Stadien auf. Heute würde vermutlich niemand etwas dagegen haben, ein WM-Spiel bei angenehmen 22 Grad zu verfolgen.

Vielleicht sollte sich das Stade de Luxembourg mit der Klimaanlage tatsächlich beeilen. Es wäre doch schade, wenn ausgerechnet das Nationalstadion bei der nächsten Hitzewelle kein kühler Zufluchtsort wäre.

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