WM-Kolumne „Hasta la Visa“
Wie aus dem Horrormärchen: Jenny Zeyen über ihren persönlichen Albtraumpokal
Vier Mannschaften kämpfen noch um den Weltmeistertitel. Doch während die sportliche Entscheidung näher rückt, bleibt vor allem eine andere Frage: Welches Bild wird von dieser XXL-WM am Ende wirklich in Erinnerung bleiben? Vielleicht das des Albtraumpokals?
Die XXL-WM neigt sich der Zielgeraden zu, und seit den frühen Sonntagmorgenstunden steht fest, dass die Trophäe am Ende auch an einen der großen Favoriten gehen wird. Im Rennen sind noch Frankreich, Spanien, Argentinien und England – das nach seiner Qualifikation mit acht Siegen und null Gegentoren wenigstens zum erweiterten Kreis der Favoriten gezählt werden konnte. Aber liebe Leser, das Team von Thomas Tuchel wird am Ende ohnehin nicht gewinnen. Sie wissen ja, ausländische Trainer und Weltmeistertitel, das hat bisher noch nie geklappt. Und warum sollte das ausgerechnet bei einer deutsch-englischen Kombi funktionieren? Aber vielleicht klappt es diesmal ja mit dem Elfmeterschießen?
Enttäuscht bin ich eher, dass es doch keiner der „Außenseiter“ unter die letzten vier geschafft hat. Was wäre das für ein schönes Bild gewesen, wenn die Belgier einen WM-Sieg mit dem „Trump-Tanz“ gefeiert und dann den Pokal höchstpersönlich vom US-Präsidenten überreicht bekommen hätten? Oder wenn die Norweger zur Siegerehrung gerudert wären.
Und da stellt sich bei mir nun, da das überdimensionierte Turnier fast zu Ende ist, die Frage, welches Bild für mich diese WM überhaupt geprägt hat. Es ist definitiv kein Bild der DFB-Elf. Aber für alle, die sich schon Sorgen gemacht haben: Der Deutschland-Fan zu Hause hat sich inzwischen beruhigt und verfolgt das Turnier kaum noch – ein Dank gilt hier auch der FIFA und der Farce um das Balogun-Rot.
Das Bild dieser WM ist für mich vielmehr der Friedenspreis der FIFA. Seien wir ehrlich: Ein Pokal, wie es ihn in den besten Horrormärchen nicht einmal gibt. Das Teil sieht aus, als hätte es Gianni Infantino als Achtjähriger an seinem Kinderschreibtisch gemalt, und jetzt, so viele Jahre später, konnte er seinen Traumpokal endlich umsetzen und seinem „Best Buddie“ überreichen.
Haben Sie ihn sich eigentlich schon einmal genauer angeschaut? Diese vielen „Zombie“-Hände, die versuchen, den Ball zu greifen. Es könnten all die Fußballfans weltweit sein, die versuchen, sich ihren Lieblingssport zurückzuholen. Bezeichnender könnte ein Preis für diese WM wirklich nicht sein.