WM-Kolumne „Hasta la Visa“
Warum Sportredakteur Joé Weimerskirch bei dieser WM nicht ganz ohne Schadenfreude auskommt
Schadenfreude hat keinen guten Ruf. Doch manchmal fühlt sich bei dieser WM eine Niederlage einfach verdient an.
Noch bevor am Dienstagmorgen der erste Kaffee durchgelaufen war, wollte ich nur eines wissen: Wie ist Belgien gegen die USA ausgegangen? Ja, ich gebe es zu: Eigentlich ist Schadenfreude keine besonders sympathische Eigenschaft, doch die 1:4-Niederlage des WM-Gastgebers fühlte sich wie eine Genugtuung an. Nachdem Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino die Rote Karte gegen Folarin Balogun aus der Welt geschafft hatten und wohl alles daran setzten, dass die USA weiterkommen, war dieses Ergebnis die denkbar schönste Antwort. „Overturn this“, schrieb der belgische Verband bei X. Treffender kann man es kaum formulieren. Am Ende wird eben immer noch Fußball gespielt.
Es war nicht das erste Mal bei dieser WM, dass mein Mitgefühl mit dem Verlierer gegen null tendierte. Eigentlich schlägt das Herz des neutralen Fans bei David-gegen-Goliath-Duellen immer für den Außenseiter. Doch Paraguay schaffte es gegen Frankreich, sämtliche Sympathien des Underdogs innerhalb von 90 Minuten komplett zu verspielen. Niemand erwartete offensiven Zauberfußball. Wer tief verteidigt, kämpft und auf Konter setzt, spielt ein völlig legitimes Spiel. Doch was Paraguay zeigte, hatte mit Fußball kaum etwas zu tun. Treten, stoßen, hauen, Zeit schinden, diskutieren, provozieren – und wieder von vorn. Es war die konsequente Verweigerung des Spiels.
Kylian Mbappé quittierte den Auftritt nach dem Abpfiff mit einer Verweigerung des Handschlags mit Paraguay-Torhüter Gill und einem provokanten Lächeln. Offenbar traf genau das die Gegner mehr als jeder Dribbling-Haken. Dass dieser Eindruck nicht täuschte, zeigte sich im Anschluss. Eine Senatorin des Landes beleidigte Mbappé aufs Übelste rassistisch („Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen“). Da ist man dann doch froh, dass diese Nation raus ist.
Vielleicht ist Schadenfreude nicht die edelste aller Emotionen. Doch es gibt eben Niederlagen, die sich einfach wie die verdiente Quittung anfühlen – oder wie die Erinnerung daran, dass sich auf dem Platz doch nicht alles manipulieren lässt.