WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Redakteur Stefan Kunzmann bewegt sich zwischen Himmel und Hölle

Die Leser wissen nach dem Spiel zwischen Argentinien und England, ob der Kolumnist mit den Argentiniern vor Freude oder vor Trauer weint.

Redakteur Stefan Kunzmann bewegt sich zwischen Himmel und Hölle

Aufgeladener als das WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England kann ein Fußballspiel kaum sein. Ich schreibe diese Kolumne noch vor dem Spiel und bin jetzt schon fix und fertig. Schließlich erinnere ich mich immer wieder an jenes legendäre WM-Spiel zwischen Argentinien und England im Jahr 1986, als Maradona mit der „Hand Gottes“ und seinem unvergesslichen Dribbling zum zweiten Tor die Albiceleste ins Halbfinale brachte – und später zur Weltmeisterschaft. Der argentinische Sieg wurde von manchen als Revanche der Argentinier für den verlorenen Falklandkrieg gedeutet.

Oder für den „Robo del siglo“ 1966, den Raub des Jahrhunderts: Gemeint ist das Viertelfinale zwischen den beiden Teams, als der – vor wenigen Tagen verstorbene – damalige argentinische Spieler Antonio Rattín wegen aggressiven Verhaltens vom Platz gestellt wurde. Rattín wollte mit dem deutschen Schiedsrichter diskutieren und verlangte einen Dolmetscher, musste letztendlich aber von der Polizei vom Platz geführt werden. Erst danach wurden übrigens Rote Karten eingeführt.

Das Spiel endete 1:0 für England durch ein abseitsverdächtiges Tor. Der noch amtierende Weltmeister Argentinien hat bei dieser WM noch nicht voll überzeugt und die letzten Runden gegen die Kapverden, Ägypten und die Schweiz mit viel Glück und Lionel Messi überstanden, aber auch große Moral und enormen Teamgeist bewiesen.

Bei jedem Spiel bin ich mit einem guten Freund in Buenos Aires verbunden. Egal zu welcher Uhrzeit, wir kommentieren die Spiele und Tore der Argentinier stets, leiden ob der Fehler und der vermeintlichen Behäbigkeit der Albiceleste und freuen uns über Messis Genialität. Kurz: Wir bewegen uns zwischen Himmel und Hölle. Wer weiß, wo wir uns nach dem Spiel befinden – ob im Fegefeuer oder an der Decke der Sixtinischen Kapelle.

Nach dem überlegenen Sieg Spaniens gegen Frankreich wird wieder viel über Tikitaka gesprochen. Dabei gibt es seit Jahrzehnten eine argentinische Variante des Kurzpassspiels („La Nuestra“). Diese wurde von Trainer Lionel Scaloni modernisiert. Ob sie gegen Thomas Tuchels Engländer Erfolg hat und der Autor dieser Zeilen himmelhoch jauchzt oder mit Millionen Argentiniern weint (vor Freude oder Trauer): Die Leser wissen mehr.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Conference League

Mondorf will in Tiflis mutig sein

Conference League

Warum Déifferdeng 03 die Favoritenrolle vor dem Rückspiel abgibt