„Ustouss“ – Das Tageblatt-Sonderheft
Alle BGL-Teams in der großen Saisonvorschau
Mit über 3.000 Zuschauern und einem spektakulären Saisonfinish in Bissen erlebte die BGL Ligue Ende Mai eines der Highlights der letzten Jahre. Wird es 2026/27 ähnlich spannend? Besonders an der Spitze des Feldes müssen die Ellenbogen ausgefahren werden: Im kommenden Sommer wird es nur noch drei europäische Startplätze geben.
Das Tageblatt-Sonderheft zum BGL-Saisonstart ist da Grafik: Tageblatt
Die Topfavoriten
Déifferdeng 03: Beim Vizemeister ist man auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Daran konnte auch Trainer und Rückkehrer Pedro Resende in der Conference League nichts ändern. Das frühe Aus im Europapokal macht D03 jetzt so gefährlich. Der Frust sitzt tief, die Revanchegelüste sind groß. Entscheidend wird wohl weniger die defensive Stabilität, für die das Team ohnehin bekannt ist, sondern die Effizienz auf den letzten 30 Metern sein. Mit Sébastien Thill angelte man sich dafür immerhin einen Nationalspieler, der ehemalige Ligue-1-Profi Corentin Jean soll der Glücksbringer der Sturmspitze werden.
Atert Bissen: Eintagsfliege oder dauerhafter Kandidat für das Meisterrennen? Im Vorfeld ist es schwierig, den Status der Bissener präzise zu definieren. Sicher ist aber, dass die Euphorie nicht verpufft und der Kader darauf ausgerichtet ist, langfristig oben mitzumischen. Die Mannschaft hat sich in der Champions League teuer verkauft, allerdings auch (zu) leichtfertige Tore kassiert. Qualitativ wurde das Team im Sommer noch einmal deutlich verstärkt: Eric Veiga, Diogo Pimentel und Torhüter Geordan Dupire wissen, was im ambitionierten Verein von ihnen erwartet wird.
Die Europapokalanwärter
UNA Strassen: Mit Jérémy Deichelbohrer schnappten sich die Vorstädter den Trainer eines direkten Konkurrenten. Das Mittelfeld wurde im Sommer ebenfalls neu besetzt: Eldin Rastoder (Bissen), Omar Natami (Niederkorn) und Valentin Steinmetz (vereinslos) sind einige der neuen Optionen. Die Strassener haben ihre Pflichtaufgabe gegen die Sanmarinesen in der Conference League erledigt und Punkte für die UEFA-Klubkoeffizientenwertung geholt.
US Mondorf: Die Mannschaft aus der Thermalstadt hinterließ einen guten Eindruck bei ihren zwei allerersten internationalen Pflichtspielen. Durch die gezielten Verstärkungen, etwa Clément Couturier oder Mehdi Kirch, holte man sich die nötige Erfahrung und Stabilität ins Team. Angesichts des Kaders darf man davon ausgehen, dass Mondorf noch einmal „europäisch“ werden will – auch wenn es dort niemand offiziell ausspricht.
Das Mittelfeld
Jeunesse: Die Escher scheinen Gefallen am eingeschlagenen Weg gefunden zu haben. Reinhold Breu bekam im Trainerstab Zuwachs von zwei gestandenen Spielern (David Soares und Kevin Sommer), was für Stabilität im Verein spricht. Man holte sich die nötige Erfahrung in den Kader, um die jungen Talente weiterhin fördern zu können. Jugendnationalspieler Selim Turping stößt nach zwei Jahren bei der U21 in Zürich zum Kader dazu.
Käerjeng: Mit der Verpflichtung von Olivier Thill landete die UN Käerjeng einen großen Coup. Die Ambitionen bei der UNK sind kontinuierlich gewachsen und die Ergebnisse der Testspiele lassen den Verein vor dem Start auf den nächsten Schritt hoffen. Eigentlich scheint das Team gewappnet, um den Klassenerhalt früh in trockene Tücher bringen zu können und danach nach oben schauen zu können.
Düdelingen: Der F91 verpasste die Europapokal-Qualifikation und wird wieder kleinere Brötchen backen (müssen). Langsam, aber sicher reiht sich Düdelingen in den Kreis der Teams des oberen Mittelfelds ein. Der Kader ist etwas kleiner geworden: Die Abgänge der Stammspieler Kino Delorge, Mehdi Kirch oder Agostinho und Dinho (Aldo Gomes) und Keeper Marlon N’Guessan fallen dementsprechend ins Gewicht. Immerhin schafften es die Verantwortlichen, Spieler mit Liga-Erfahrung zu überzeugen, sich dem Projekt anzuschließen.
Niederkorn: Die Gelb-Schwarzen blieben im Vorjahr hinter den Erwartungen zurück. Auch außersportlich gab es Schlagzeilen. Nach einer enttäuschenden Saison soll vor allem wieder mehr Stabilität einkehren. Mit Samir Hadji und Ricardo Delgado verpflichtete der Verein erfahrene Spieler, die sowohl auf als auch neben dem Platz Verantwortung übernehmen sollen. Ob das genügt, um wieder an die Spitzengruppe heranzurücken, dürfte eine der spannendsten Fragen der Saison sein.
Racing: Die alljährliche Überraschungskiste der Liga. Mit Stéphane Masala wurde im Juni der 17. Trainer in zehn Jahren präsentiert. Ob er die nötige Konstanz hineinbringen kann? Der Kader ist so aufgestellt, dass mehr als 40 Punkte (2025/26) und reine Mittelmäßigkeit in der Hauptstadt drin sein müssten. Offensiv besitzt Racing einige Optionen. Allerdings müssen die individuellen Qualitäten in ein funktionierendes Kollektiv überführt werden.
Die Fragezeichen
Hostert: Die Stärke der Truppe aus dem „Gréngewald“ ist ihre Unberechenbarkeit. Jahr für Jahr gelingt es dem Verein, Abgänge aufzufangen und eine konkurrenzfähige Mannschaft auf den Platz zu bringen. Ob dieses Mal mehr als ein Platz im gesicherten Mittelfeld möglich ist, hängt hauptsächlich davon ab, wie schnell sich die Neuzugänge integrieren. Ob Stürmer Michael Omosanya zum neuen Hoffnungsträger von Trainer Marco Martino wird, dürfte sich schnell zeigen.
Wiltz: Die Euphorie des Aufstiegs ist groß, doch sie allein wird in der BGL Ligue nicht reichen. Wiltz muss auf seine Tugenden setzen: mannschaftliche Geschlossenheit und Kampfgeist. Gelingt es, dies Woche für Woche auf den Platz zu bringen, hat der Aufsteiger das Potenzial, den Klassenerhalt zu schaffen.
Rosport: Bei der Victoria beginnt unter Dean Léen so etwas wie eine kleine neue Ära. Der Coach tritt in die Fußstapfen von Martin Forkel. Es ist davon auszugehen, dass die Rosporter sofort ein Auge im Rückspiegel haben müssen und es auch schwerere Phasen zu überstehen geben wird. Der Klassenerhalt dürfte das oberste Ziel sein, ehe sich der Verein nach oben orientieren kann.
Die Kellerkinder
Rümelingen: Die US Rümelingen geht als Außenseiter in die neue Saison. Der Aufstieg hat zwar für großen Elan gesorgt, in der BGL Ligue wartet jedoch ein deutlich höheres Niveau. Mit Stefano Bensi kehrte der verlorene Sohn zurück auf die Trainerbank. Als einer von vier Aufsteigern wird es primär darum gehen, die Punkte in den direkten Kellerduellen zu holen.
Etzella: Die Fahrstuhlmannschaft kehrt nach ihrem Abstieg 2023 wieder in die BGL Ligue zurück. Bei den Ettelbrückern gab es nach dem Rückzug von Präsident Tun di Bari eine Neuaufstellung im Vorstand. Bewusst wurden Spieler mit Liga-Erfahrung verpflichtet, etwa Dupays (Racing), Hemkemeier (UT Petingen) oder Cvetkovic. Ob das reicht, muss sich zeigen.
Walferdingen: Als Vierter der Ehrenpromotion rutschte Walferdingen über die Relegation in die BGL Ligue. Anders als die drei Mitaufsteiger betritt die Résidence absolutes Neuland. 2022/2023 spielte das Team noch in der 1. Division. Bei so vielen Veränderungen kündigt sich eine schwere Saison für das Team an.
Hesperingen: Der Abstiegskandidat Nummer eins. Das Punkteminus beim Startschuss (-12) ist ein Novum und das Ergebnis der Einführung der nationalen Lizenz. Ungelöst sind die finanziellen Probleme, weshalb die internationale FIFA-Transfersperre bei Redaktionsschluss noch immer Bestand hatte. Ob und wie der Swift seine sportliche Zukunft in den Griff bekommen will, ist das größte Fragezeichen überhaupt.
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