Fußball

Rebellion gegen Infantino: Wie bei der FIFA um Macht und Milliarden gekämpft werden

Der Druck auf Gianni Infantino wächst. Trotz des massiven Widerstands kämpft der FIFA-Boss weiter um seinen Investorendeal – und seine Macht.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) hat in den kommenden Tage eine Menge Aufgaben zu bewältigen

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) hat in den kommenden Tage eine Menge Aufgaben zu bewältigen Foto: dpa/Darko Vojinovic

Der Kampf gegen den Rest der Welt begann für den schwer beschädigten Gianni Infantino in Marokko. Als sein milliardenschweres WM-Projekt in Trümmern lag und die Zahl der Rebellen fast stündlich wuchs, umgarnte der FIFA-Boss ganz ehrfürchtig den marokkanischen König Mohammed VI. Bei der Feier zum Kronjubiläum lächelte Infantino höflich, er ließ sich nicht anmerken, dass zeitgleich seine gewagte Überfalltaktik kolossal scheiterte – und plötzlich sogar sein FIFA-Thron ins Wanken geriet.

Da nach der Boykott-Androhung der UEFA und der Absage der CONCACAF auch die asiatische Konföderation AFC in den Widerstand trat, steht Infantinos Plan vor dem Aus. Sein PR-Team arbeitete am Freitag auf Hochtouren. Der „offene und demokratische Konsultationsprozess“, den ein Großteil der Verbände vermisst hatte, sei von „fehlerhafter Berichterstattung in den Medien“ gestört worden, hieß es: „Niemand verkauft den Fußball.“ Dies sei etwas, das die FIFA „niemals in Betracht ziehen würde“. Und dennoch: Kurz darauf trat auch noch einer von Infantinos engsten Beratern protestierend zurück.

Asiatischer Verband zieht mit

Das im Geheimen geplante Vorhaben, Anteile an FIFA-Turnieren an private Investoren aus dem Dunstkreis von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen, werten Beobachter inzwischen als möglichen Anfang vom Ende für Infantino. Der lange unantastbare FIFA-Chef stand am Ende der Woche ziemlich alleine da. Selbst der britische Premierminister Andy Burnham bezeichnete ihn als „die falsche Person“, um die FIFA zu leiten. Eine Mehrheit unter den 211 Mitgliedsverbänden wird Infantino für seinen Plan angesichts der Einlassungen der Konföderationen nicht finden. Doch ein Rückzieher wäre eine massive Blamage.

„Dass die Situation so weit eskaliert ist, dass ein Boykott der WM öffentlich diskutiert wird, sollte jeden beunruhigen, dem die Zukunft unseres Sports am Herzen liegt“, schrieb der asiatische Verband: „Der Fußball hätte niemals in eine solche Lage geraten dürfen.“ Die AFC sei „der Auffassung, dass dieser Moment zum Katalysator für eine Stärkung der institutionellen Reformen werden muss“.

Die afrikanische Konföderation CAF legte ihren 54 Nationalverbänden nahe, das Vorhaben wohlwollend zu prüfen. Die CONMEBOL um ihren Präsidenten Alejandro Domínguez, der Infantino nahe steht, verhielt sich dagegen auffallend unauffällig. Die Südamerikaner hoffen auf eine Erweiterung der WM 2030 auf 64 Teams, um mehr Spiele auf ihrem Kontinent zu erhalten.

Ceferin: „Jetzt reicht‘s!“

Unabhängig davon war zu hören, dass sich Infantino nach den WM-Wochen in einer Trump-Blase mit seinem undurchsichtigen Plan übernommen und selbst überschätzt habe. The Athletic berichtete, dass auch die Zukunft des „Alleinherrschers“ an der FIFA-Spitze bei den Treffen von UEFA und CONCACAF infrage gestellt worden sei. Die „Jagdsaison“ sei eröffnet, schrieb der Independent. UEFA-Chef Aleksander Ceferin soll zu Beginn der Europäer-Sitzung am Donnerstag, bei der die Boykottdrohung beschlossen worden war, gesagt haben: „Jetzt reicht’s!“

Anfang der Woche dürfte Infantino noch davon ausgegangen sein, bei der Wahl im nächsten Jahr ohne Konkurrenz bis 2031 im Amt bestätigt zu werden. Zumal 200 Verbände rund um die WM ein Unterstützerschreiben für ihn unterzeichnet haben sollen. Inzwischen gibt es offenbar bei der UEFA aber Überlegungen, einen Gegenkandidaten ins Rennen zu schicken. Nasser Al-Khelaifi, den mächtigen Boss von Paris Saint-Germain? Oder doch sogar Ceferin? Zunächst wagte sich niemand aus der Deckung.

Man müsse den Moment „nutzen, um die Prinzipien guter Unternehmensführung zu stärken und echte Veränderungen zu bewirken“, sagte die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness, die als Infantino-Kritikerin bekannt ist. Es sei „leider keine Überraschung, dass wir jetzt eine solche Verletzung von guter Unternehmensführung und Vertrauen erleben“.

Infantino das „Symptom dieser Probleme“

Dass Infantino den Verbänden eine Zustimmungsfrist zu seinen Plänen bis zum 19. September gesetzt hat, sei „absolut eine Form der Erpressung, ob strafbar oder nicht. Im besten Fall ist es unangemessen“, führte Klaveness aus. Das Wort „Erpressung“ sei auch bei der Zusammenkunft der UEFA-Mitgliedsverbände gefallen, berichtete sie.

Vor verfrühter Euphorie in der Öffentlichkeit durch einen möglichen Sturz Infantinos warnte dagegen Nicholas McGeehan. Der Schweizer sei „das Symptom, nicht die Ursache der Probleme in der Führung des Fußballs“, sagte der Direktor der Organisation FairSquare, die Beschwerde gegen Infantino bei der FIFA-Ethikkommission wegen möglicher Verstöße gegen die Neutralitätspflicht eingelegt hat. Auch der Katarer Al-Khelaifi sei „ein Symptom dieser Probleme. Die Lösung ist eine durch Regulierung erzwungene Strukturreform, keine neue Führungskraft aus den eigenen Reihen.“

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