Editorial
Über Probleme zu reden, ist kein Esch-Bashing
Esch ist keine „Crime City“ – hat aber Sicherheitsprobleme, die nicht kleingeredet werden dürfen. Kritik an der Stadt ist nicht automatisch Bashing, solange sie konkret und begründet bleibt.
Mobile Pflanzkübel bringen etwas Grün auf den Rathausplatz, trotzdem bleibt er stark versiegelt – ein Beispiel dafür, dass Esch weder nur grau noch grün genug ist Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Esch ist keine „Crime City“. Das haben Bürgermeister Christian Weis (CSV) und der Gemeinderat Marc Baum („déi Lénk“) während einer Diskussion Mitte Juni über den lokalen Sicherheitsplan (PLS) gleichermaßen betont. Das bedeutet allerdings nicht, dass Esch keine Sicherheitsprobleme hat. Die Stadt pauschal als gefährlich darzustellen, wäre ebenso falsch.
Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten in Esch ist zuletzt zwar um zwei Prozent gesunken. Bei den von der Polizei bearbeiteten Fällen von Ladendiebstahl zeigt sich jedoch eine andere Entwicklung: Ihre Zahl stieg von rund 180 im Jahr 2023 auf etwas mehr als 210 im Jahr 2025. Innerhalb Eschs ist die Lage nicht überall gleich: In manchen Straßen und Vierteln sind Kriminalität und offener Drogenhandel sichtbarer als in anderen.
Gerade deshalb ist die Kritik der Opposition berechtigt, dass die Gemeinde beim PLS schneller vorankommen muss: Drei Jahre nach Einführung des Sicherheitsplans sind erst 28 von 46 Maßnahmen umgesetzt und auch die vorgesehene Evaluierung hat verspätet begonnen.
Die Polizeistatistiken gehören ebenso zur Realität wie ein Friseur, der seine Tür tagsüber abschließt, oder Geschäftsleute, die wiederholt Diebstähle erleben. Diese Erfahrungen lassen sich nicht wegdiskutieren. Sie dürfen sagen, dass sie eine Verschlechterung wahrnehmen und trotzdem weiterhin in Esch bleiben wollen. Eben weil die Minettmetropole nicht nur aus diesen Schnappschüssen besteht.
Escher wissen, was ihnen die Stadt zu bieten hat: kurze Wege, lebendige Viertel und eine große kulturelle Vielfalt. Dazu kommen Theater, Kulturfabrik, Rockhal und zahlreiche kleinere Kulturinitiativen. Vom dicht bebauten Zentrum ist man schnell im grünen „Ellergronn“, auf dem „Gaalgebierg“ oder in anderen Naturräumen. Die Minettmetropole lebt von ihrer Mehrsprachigkeit, von unterschiedlichen Lebensgeschichten, von Vereinen, Geschäften, Cafés – und einer direkten Art, miteinander umzugehen.
Manchmal fühlt es sich an, als sei Esch-Bashing ein Nationalsport. Vor allem in den sozialen Netzwerken zeichnen Menschen ein Bild der Stadt, das mit der Realität wenig zu tun hat. Manche urteilen über Esch, obwohl sie die Stadt hauptsächlich aus Schlagzeilen, Vorurteilen oder einzelnen Bildern kennen. Wie es sich dort lebt und arbeitet, wissen sie nicht – oder nur aus einer vergangenen Zeit.
Kritik ist – wenn sie begründet ist und auf Tatsachen basiert – nicht automatisch ein Angriff auf die Stadt. In der Alzettestraße stehen viele Lokale leer und sie muss dringend verschönert werden. Trotzdem steckt sie voller Leben und hat gute Geschäfte, Restaurants und Cafés. Viele Plätze sind stark versiegelt und werden im Sommer zu Hitzeinseln. Trotzdem ist Esch je nach Viertel eine vergleichsweise grüne Stadt, mit alten Bäumen und schattigen Grünflächen.
Esch muss weder schlecht- noch schöngeredet werden. Die Stadt ist lebendig und vielfältig. An vielen Orten ist sie grün und attraktiv. Gleichzeitig hat sie auch Leerstände, versiegelte Flächen und Sicherheitsprobleme, die nicht verschwinden, nur weil man nicht darüber spricht. Aber Esch verträgt diese Diskussion. „Vun der Long op d’Zong“ gehört schließlich zur Stadt: geradeheraus, manchmal etwas schroff, aber immer mit Herz.