Editorial

Luxemburg baut nicht – und zahlt den Preis dafür

Luxemburgs Wohnungsmarkt hat die letzte Krise noch nicht verdaut – da kündigt sich durch explodierende Ölpreise möglicherweise bereits die nächste an. Dabei gäbe es eine einfache Antwort, die zudem noch viele andere Probleme des Landes lösen könnte, schreibt Christian Muller in seinem Editorial: endlich die notwendigen Wohnungen bauen.

Fehlende Wohnungen in Deutschland seit Jahrzehnten, Wohnungsnot mit rund 30.000 fehlenden Einheiten sichtbar

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass hierzulande etwa 30.000 Wohnungen fehlen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Was Donald Trump mit seiner Politik der Konfrontation im Nahen Osten ausgelöst hat, trifft Europa und auch Luxemburg mit voller Wucht. Der Ölpreis liegt erstmals seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wieder bei über 100 Dollar pro Barrel. Der Gaspreis in Europa hat sich verdoppelt.

Während Milliarden zusätzlicher Einnahmen in Putins Kriegskasse geschwemmt werden, leiden in Europa Wirtschaft und Verbraucher. Die EZB hat letzte Woche ihre Wachstumsprognose für die Eurozone nach unten revidiert: Sie rechnet nun im laufenden Jahr nur noch mit einem Plus von 0,9 Prozent statt wie zuvor mit 1,2 Prozent. Parallel dazu hat sie ihre Inflationsprognose kräftig angehoben: von 1,9 auf 2,6 Prozent.

Weiter fallende Leitzinsen, auf die viele gehofft hatten, rücken damit in weite Ferne. Im Gegenteil, je länger der Krieg dauert und die Ölpreise hoch bleiben, desto mehr steigt das Risiko, dass die EZB die Leitzinsen wieder anheben muss. Es geht um viel mehr als nur um den Preis von Benzin an der Tankstelle.

Für Luxemburg kommt das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die letzte Krise am Immobilienmarkt ist noch nicht überwunden. Zwar erholt sich der Markt seit Mitte 2024 langsam, doch das Volumen der neuen Immobilienkredite liegt immer noch weit unter dem Vorkrisenniveau.

Und nun drohen möglicherweise wieder steigende Zinsen – der Hauptfaktor, der 2022 die Nachfrage zum Kauf von Wohnungen zum Einbrechen gebracht hatte. Wegen der teureren Kredite und der bereits hohen Preise wurde der Wohnungskauf hierzulande unerschwinglich. Das Bauen neuer Wohnungen kam fast komplett zum Erliegen. Dabei ist der eigentliche Bedarf, schon wegen der wachsenden Bevölkerung, stetig weiter gestiegen.

Es ist ein Mechanismus, den Luxemburg gut kennt, der sich nun zu wiederholen droht. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass etwa 30.000 Wohnungen fehlen. Trotzdem bewegt es niemanden zum Handeln.

Im Sinne einer antizyklischen Wirtschaftspolitik hätte die Regierung den Bau Tausender Wohnungen in Auftrag geben können – was aber nicht passiert ist. Dabei waren alle Voraussetzungen vorhanden: Es gibt genügend Kapital und genügend Bauland. Mit zu den größten Besitzern von Wohn-Bauland zählt die Stadt Luxemburg.

Ein Bau-Boom hätte dem mauen Wachstum hierzulande gutgetan. Europaweit zählte Luxemburg letztes Jahr zu den Schlusslichtern beim Wachstum.

Dabei wäre ein aktiver Wohnungsbau mehr als nur eine Stütze für die Konjunktur. Er würde zudem die Attraktivität des Standortes stärken. Immerhin klagen nicht nur Bürger über Dauerfrust bei der Wohnungssuche. Auch Handwerksbetriebe und der Finanzplatz, die weltweit um Talente werben, sehen die Situation als wettbewerbs­schädigend. Wer will schon in ein Land kommen, wo es keine bezahlbaren Wohnungen gibt?

Doch statt zu handeln, hat die Regierung mit halbherzigen Maßnahmen reagiert, die nur wenig gebracht haben. Rund 4.500 Arbeitsplätze sind seit Krisenbeginn Mitte 2022 im Bausektor verschwunden. Erfahrenes Personal, das der Branche in Zukunft fehlen wird.

Ein aktiver Wohnungsbau wäre zudem nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Sozialpolitik. In den vergangenen Jahren haben die hohen Kaufpreise viele Menschen in den Mietmarkt gedrückt. Das hat Folgen: Für das Vermögen der einzelnen Haushalte spielt es hierzulande eine große Rolle, ob die eigene Wohnung gekauft oder gemietet wird: Wer sein Haus bereits abgezahlt hat, besitzt im Schnitt ein Nettovermögen von 1,2 Millionen Euro. Wer noch einen Kredit abzuzahlen hat, besitzt im Schnitt 779.000 Euro. Wer jedoch mietet, besitzt im Durchschnitt nur 61.400 Euro.

Dabei wäre es so einfach: Wohnungen bauen wäre die Lösung sehr vieler Probleme im Lande. Leider fehlt es allen Parteien am politischen Willen.

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1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 24.03.202607:32 Uhr

Sie haben recht, Herr Müller, es ist schwer verständlich, dass die Regierung die Lage immer noch nicht begriffen hat, um mittels eines Baubumes die Volkswirtschaft mal kräftig anzukurbeln, d.h. Eine Steigerung des BSP anfachen.Unsere Politiker, die gerade an der Macht sind, scheinen einfach zu doof zu sein, dass sie das immer noch nicht begriffen haben, dass hier der Staat gefordert ist. Unser CEO hat keine Ahnung von Volkswirtschaft, würde man sagen.

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