Öl und Gas
Krieg im Iran könnte Energiepreise in die Höhe treiben – auch in Luxemburg
Mit dem Krieg im Iran rückt der Benzinpreis wieder in den Blick vieler Verbraucher. Pessimisten rechnen bereits mit hohen Preissteigerungen. Hinzu kommen heftige Bewegungen beim Gaspreis. Aktuell ist jedoch noch vieles unsicher – alles hängt davon ab, wie es in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen wird.
Mit dem Druck auf die „Straße von Hormus“ versucht der Iran, den Verbraucher an den Kosten des Krieges zu beteiligen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Es ist eine Entwicklung, die nicht überraschend kommt: Gibt es Krieg in der Region, wo am meisten Öl gefördert wird, dann steigen die Unsicherheiten und damit auch der Preis am Weltmarkt.
So meldete die Nachrichtenagentur AFP am Montagmorgen: „Infolge des Angriffs auf den Iran sind am Montagmorgen die Ölpreise wieder gestiegen. Zu Handelsbeginn in Asien kletterte der Ölpreis kurz über 82 Dollar pro Barrel (159 Liter), gab dann aber wieder nach.“ Gegen Mittag lag der Preis für ein Barrel bei rund 79 Dollar. Verglichen mit den Tagen vor den US-israelischen Angriffen ist das ein Zuwachs von etwa acht Prozent.
Konkret befürchtet wird, dass der Iran die „Straße von Hormus“, eine 50 Kilometer breite Meeresenge, die den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean verbindet, komplett schließen könnte. Rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion wird täglich über diese Handelsroute transportiert. Am Sonntag wurden dort bereits drei Schiffe angegriffen, zahlreiche Reedereien stellten den Schiffsverkehr durch die Passage danach ein.
Die Entwicklung des Ölpreises in den letzten fünf Jahren Bild: Screenshot tradingeconomics.com
Wäre die Straße von Hormus dauerhaft nicht mehr passierbar, könnten viele Golfstaaten kein Öl mehr exportieren. Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über alternative Exportrouten über Pipelines. Katar, Bahrain, Kuwait, der Irak und auch der Iran selbst sind auf den Transport über die Golf-Häfen angewiesen.
Markt reagiert auf Instabilität
„Der Markt hat auf die Instabilität reagiert“, erläutert Jean-Marc Zahlen, Generalsekretär des „Groupement énergies mobilité Luxembourg“ (GEML), am Montag gegenüber dem Tageblatt. „Auf der Straße von Hormus gibt es Restriktionen, die Risiken rund um den Transport sind gestiegen. Das macht ihn teurer.“ Was diese Preissteigerungen auf dem Weltmarkt für den Luxemburger Autofahrer bedeuten, sei aktuell noch „schwer zu prognostizieren“, sagt er weiter. „Wir wissen nicht, wie es im Iran weitergehen wird und wie lange es dauern wird.“
Doch „in den nächsten Tagen, wenn es so weitergeht, kann man mit Preissteigerungen rechnen“, sagt er weiter. „Wir müssen hoffen, dass die Auswirkungen nicht zu groß werden. (…) Wir verfolgen die Situation, schauen uns von Tag zu Tag an, wie es weitergeht.“
In Luxemburg gibt es einen staatlich fixierten, maximalen Preis, den Tankstellen von den Kunden fragen dürfen. Dieser Preis wird täglich auf Basis der Schwankungen der Marktpreise neu errechnet – wenn es dann spürbare Veränderungen gibt, veröffentlicht das Ministerium automatisch die neuen maximalen Preise. In der Regel kann es so ein bis zwei Mal pro Woche zu Preisänderungen kommen. In Luxemburg dauert es so meist ein paar Tage, bis der Marktpreis einen Einfluss auf den Preis an der Zapfsäule hat.
Das Risiko ist aktuell der Transport, nicht die Versorgung
Jean-Marc Zahlen
GEML-Generalsekretär
Faktoren, die mitspielen, gebe es neben dem Ölpreis selbst noch eine ganze Reihe, so Zahlen, etwa der Euro-Dollar-Währungskurs. Zudem spiele es eine Rolle, wie sehr die Märkte die jetzige Entwicklung antizipiert hätten. Immerhin sei der Ölpreis bereits in den Tagen und Wochen vorher gestiegen – Mitte Januar lag er erst bei rund 60 Dollar pro Barrel.
Der aktuell gültige Preis hierzulande ist von Dienstag letzter Woche. Er beläuft sich auf 1,483 Euro für einen Liter Super 95 und auf 1,465 Euro für einen Liter Diesel. Das ist leicht günstiger als im November 2025 und weit entfernt von früheren Höchstständen: Im Oktober 2022 beispielsweise kostete Super 95 mehr als 1,76 Euro für einen Liter und Diesel mehr als zwei Euro pro Liter.
Gaspreis steigt deutlich
Einen Preis von zwei Euro pro Liter, wie manche ihn bereits befürchten, findet Jean-Marc Zahlen „a priori unrealistisch“. „Das würde mich erstaunen“, sagt er. „Derartige Preissteigerungen sehen wir derzeit nicht am Markt.“ Zudem hebt er beruhigend hervor: „Das Risiko ist aktuell der Transport, nicht die Versorgung.“ Hinzu komme, dass man in Europa relativ gut diversifiziert sei, was die Herkunftsländer des verbrauchten Öls angehe. Etwas beunruhigender als der Blick auf den Ölpreis derweil ist der Blick auf den Gaspreis. Dieser ist in Europa seit Freitag um mehr als 20 Prozent in die Höhe geschnellt. Auch hier spielen die gleichen Gründe eine Rolle wie beim Öl. Rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten LNG (Flüssiggas) muss von Katar aus durch die „Straße von Hormus“, um zu seinen Kunden zu gelangen. Hinzu kommt, dass es sich um einen Markt mit weniger Anbietern handelt als der Ölmarkt und Europas Gasspeicher nach einem kalten Winter, relativ leer sind.
Wie beim Öl gibt es jedoch auch beim Gas Faktoren, die gegen rasante Preisanstiege sprechen. So ist in Europa der Winter vorbei und der Großteil des LNG aus Katar geht nach Asien. Der Anteil des Flüssiggases aus dem Golfstaat in Europa ist in den letzten Monaten, Eurostat zufolge, deutlich zurückgegangen. Betrug er im Jahr 2024 noch mehr als zehn Prozent, so sind es aktuell nur noch rund sechs Prozent. Ende 2025 standen die USA für fast 60 Prozent aller europäischen LNG-Importe.