Luxemburg
Das Wachstum bei den Arbeitsplätzen legt langsam wieder zu – Staat bleibt Jobmotor, Bau und Industrie schrumpfen
Die Zahl der neuen Arbeitsplätze wächst wieder schneller als vor einigen Monaten, aber dennoch weiterhin langsamer als gewohnt. Das geht aus neuen Zahlen von Statec hervor. Neue Rückgänge wurden im Bauwesen und in der Industrie gemessen.
Laut den neusten Statec-Zahlen ist weiterhin ein Großteil der neu geschaffenen Jobs auf den Staat zurückzuführen Foto: Editpress/François Aussems
„Erneut sind die Verwaltung und andere öffentliche Dienstleistungen der dynamischste Wirtschaftszweig“, was die Schaffung neuer Jobs angeht, schreibt Statec in seiner Pressemitteilung zur Entwicklung der Zahl der Beschäftigten im dritten Quartal 2025. „Die Dienstleistungen der Zentralverwaltung und die sozialen Aktivitäten ohne Unterbringung von älteren und behinderten Menschen verzeichnen das stärkste Wachstum.“
Die Zahl der Angestellten beim Staat wächst damit weiterhin deutlich stärker als die Zahl der Gehaltsempfänger im Privatsektor. Bereits im Jahr 2024 war die Entwicklung volkswirtschaftlich nicht erfreulich: Wegen der schrumpfenden Zahl der Jobs im Bauwesen hatte der Privatsektor in dem Jahr, netto, kaum neue Jobs geschaffen. Es war das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise von vor 15 Jahren. Von 4.800 neu geschaffenen Arbeitsplätzen waren 2024 satte 4.200 auf den Staat zurückzuführen.
Im Jahr 2025 hat sich dieser Trend demnach weiter fortgesetzt: Von den rund 6.400 neuen Jobs, die zwischen dem dritten Quartal 2024 und dem dritten Quartal 2025 geschaffen wurden, stand der Staat für fast 4.500.
Staat steht für 23,2 Prozent aller Jobs
Seit Jahren ist das Gewicht des Staates als Arbeitgeber am Wachsen: Im Jahr 2000 stand er für 17 Prozent aller Beschäftigten hierzulande – mittlerweile hat er einen Anteil von 23,2 Prozent. Fast unbemerkt hat es damit in den letzten Jahren eine Verschiebung zwischen den Sektoren gegeben: Der Staat hat mittlerweile den traditionellen Spitzenreiter „Handel“ als größten Arbeitgeber überholt.

Weiter stark geschrumpft ist derweil die Zahl der Angestellten im Bausektor. Innerhalb eines Jahres ist es ein Minus von 2,1 Prozent oder 1.040 Jobs. Seit Ende 2022 sind demnach, den saisonbereinigten Zahlen von Statec zufolge, 4.435 Jobs in dem Sektor verschwunden, das sind fast zehn Prozent aller Arbeitsplätze im Bauwesen.
Auch weiter schlecht entwickelt hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie. In den vergangenen zwölf Monaten wurde ein Verlust von etwa 60 Stellen verbucht. In den vergangenen drei Jahren ist es ein Minus von 500 Arbeitsplätzen.
4.435 Jobverluste im Bausektor
Mit einem Verlust von fast 400 Arbeitsplätzen hat sich auch der Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien letztes Jahr negativ entwickelt – und das noch vor dem Sozialplan bei Amazon, wo die angekündigten 370 Entlassungen sich wohl erst in den Zahlen von 2026 wiederfinden werden.
Doch trotz dieser Rückgänge ist seit einigen Monaten im Quartalsvergleich auch im Privatsektor wieder eine Verbesserung zu beobachten. Nach Zuwächsen von zwischen 300 und 400 Stellen um die Jahreswende, betrug das Plus im zweiten Quartal 2025 bereits wieder 450, und im dritten Quartal mehr als 1.000 neue Stellen. Das bleibt aber weiterhin deutlich hinter den 2.000 neuen Jobs im Privatsektor pro Quartal in den guten Zeiten, als sich hierzulande noch Gedanken über „zu viel Wachstum“ gemacht wurden.
Zugelegt hat demnach im Jahresvergleich vor allem die Zahl der Arbeitsplätze im Handel (plus 1.050 Jobs), bei den Unternehmensdienstleistungen (plus 1.200 Jobs) und im Finanzsektor (plus 550 Jobs).
Weniger Grenzgänger aus Deutschland – mehr aus Frankreich
Auch weiter zugelegt, um 1,3 Prozent im Jahresvergleich auf 231.500, hat die Zahl der Grenzgänger. Hier gibt es jedoch Unterschiede zwischen den Ländern zu beobachten: Die Zahl der Grenzgänger aus Belgien stagniert, die aus Frankreich wächst schnell (plus 2,6 Prozent auf über 128.000), während die der Deutschen weiterhin rückläufig ist, um 0,6 Prozent.
Das Wachstum der Zahl der Arbeitsplätze ist für die Luxemburger Staatsfinanzen, bedingt durch Steuern und Sozialabgaben auf den Gehältern, überaus wichtig. Die Einnahmen aus diesem Bereich sind seit vielen Jahren am Wachsen: 2010 war die Marke von zwei Milliarden Euro jährlich ständig überschritten worden. Seit 2014 liegen die diesbezüglichen Jahreseinnahmen bei mehr als drei Milliarden. Von den 19 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, die der Staat in den Monaten Januar bis September 2025 verbucht hat, sind allein 4,9 Milliarden auf die Steuern auf Gehälter zurückzuführen.
Für 2026 rechnet Statec mit einer weiteren Verbesserung: Die Zahl der Jobs insgesamt soll um 2,2 Prozent zulegen. Im Gesamtjahr 2025 wird mit einem Plus von 1,4 Prozent gerechnet. 2024 war es lediglich eine Zuwachsrate von einem Prozent.
