Editorial

Kultur ohne Flaggen: Warum das Nationendenken ausgedient hat

Kaum eine internationale Großveranstaltung kommt derzeit ohne Boykottaufrufe aus. Dabei fällt es zunehmend schwer, Staaten zu verteidigen. Die Lösung? Schluss mit Wettbewerben der Nationen.

Symbolbild: Bei Staatsbesuchen macht es Sinn, Flaggen zu hissen - nicht aber bei Kulturevents

Bei Staatsbesuchen ist es sinnvoll, Flaggen zu hissen – nicht aber bei Kulturevents Symbolbild: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Fünf Nationen boykottieren den Eurovision Song Contest 2026 wegen Israels Teilnahme. Über 20 europäische Kulturminister*innen – darunter Eric Thill (DP) – fordern Russlands Ausschluss von der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig.* Die Debatte, welche Staaten bei internationalen Kultur- oder Sportevents willkommen sind, tobt – und sie ist berechtigt. Besonders in der Kultur verfehlt sie aber die Schlüsselfrage: Sind Länderpavillons und Wettbewerbe der Nationen überhaupt noch zeitgemäß?

Das Wort erfragte Eric Thills Position zur Präsenz von Israel oder den USA an der Biennale in Venedig. Er blieb bisher eine Antwort schuldig. Zum Verhältnis von Kultur und Politik soll er auf die künstlerische Freiheit als fundamentales Menschenrecht verwiesen haben. Sie setze kulturelle Vielfalt voraus und verbiete zugleich jeden Versuch, diese Freiheit für antidemokratische Zwecke zu instrumentalisieren. In anderen Worten: Es ist kompliziert.

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