Betrugsfall in Differdingen
Gary Diderich: „Ein politisch Verantwortlicher kann sich niemals seiner Verantwortung entziehen“
Nach dem Betrugsskandal in Differdingen kritisiert der ehemalige Gemeinderat Gary Diderich („déi Lénk“) die Kommunikation der Gemeinde und verlangt konkrete Maßnahmen, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern.
Die Gemeinde Differdingen sollte sich laut Diderich nicht als Opfer darstellen Foto: Editpress/Julien Garroy
„Ein politisch Verantwortlicher kann sich niemals seiner Verantwortung entziehen.“ Das sagte Gary Diderich, ehemaliger Differdinger Gemeinderat und künftiger Abgeordneter von „déi Lénk“, am Freitag im Gespräch mit RTL. Der Schöffenrat sei für die tägliche Verwaltung der kommunalen Angelegenheiten zuständig. Thema war der aktuelle Betrugsskandal in Differdingen, bei dem die Gemeinde mehr als 400.000 Euro verlor. Die Kriminellen waren zuvor in den Server eines Architektenbüros eingedrungen, das am Bau des neuen Rathauses beteiligt ist.
Beamte oder möglicherweise auch politisch Verantwortliche hätten einen kostspieligen Fehler gemacht, sagte Diderich. Zunächst habe er es für „blöd“ gehalten, daraus eine politische Angelegenheit zu machen. Schließlich habe niemand böse Absichten gehabt. Rückblickend ließen Kommunikation und Umgang mit der Affäre jedoch viele Fragen offen. So sei die Öffentlichkeit erst spät informiert worden, obwohl man zunächst davon ausgegangen sei, dass dies frühzeitig geschehen war.
Zur Person
Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Gary Diderich („déi Lénk“) war 13 Jahre lang Mitglied im Gemeinderat in Differdingen. Der Mitbegründer der im Bereich der Integration und Chancengleichheit tätigen 4Motion asbl und der ökosozialen Plattform LIFE arbeitet zudem seit anderthalb Jahren als Berater für interkulturelles Zusammenleben im Familienministerium von Max Hahn (DP). Mitte Oktober wird er zusammen mit Ana Correia für Marc Baum und David Wagner ins Parlament rotieren.
Tatsächlich ging die fingierte Rechnung laut einem Pressesprecher der Stadt Differdingen bereits am 20. April bei der Gemeinde ein. Diese habe das Geld am 13. Mai an die Betrüger überwiesen – insgesamt 407.755,74 Euro. Bürgermeister Guy Altmeisch informierte jedoch erst in der Gemeinderatssitzung vom 30. September über den Vorfall.
Diderich kritisierte gegenüber RTL außerdem, dass bislang zu wenig Bereitschaft zu erkennen sei, die eigenen Abläufe zu hinterfragen und sich besser gegen solche Angriffe zu wappnen. Die drittgrößte Gemeinde des Landes müsse Ressourcen bereitstellen und konkrete Maßnahmen ergreifen, statt sich als Opfer darzustellen.
Der Bürgermeister hatte nach dem Vorfall keinen Anlass für eine Verbesserung der internen Prozeduren gesehen. Im operativen Alltag könne nur wenig geändert werden und die Prozedur sei grundsätzlich sicher, sagte Altmeisch. Auch die Stadt sehe er nicht in der Schuld: „Wir sind das Opfer einer kriminellen Handlung.“ Dementsprechend seien weder politische Konsequenzen noch solche für einen Gemeindebeamten gerechtfertigt. „Wir können die Opfer nicht noch stärker zum Opfer machen.“ (les)