Betrugsfall in Differdingen
Bankenverband ABBL: „Jeder Akteur muss seinen Teil der Verantwortung tragen“
Nach dem Betrug in Differdingen rücken die Sicherheitsmechanismen bei Überweisungen in den Fokus. Die ABBL erklärt, wie Banken vorgehen und wieso auf europäischer Ebene zunehmend auf eine geteilte Verantwortung gesetzt wird.
Betrugsfälle wie jetzt in Differdingen richten jährlich erheblichen Schaden an Foto: Philip Dulian/dpa
Mehr als 400.000 Euro hat die Gemeinde Differdingen im Mai auf das Konto von Betrügern überwiesen. Die Kriminellen hatten sich in die Kommunikation mit einem Architektenbüro eingeschaltet und der Gemeinde eine falsche Bankverbindung mitgeteilt. Doch wie kann eine solche Überweisung unbemerkt auf einem Betrügerkonto landen und welche Sicherheitsmechanismen der Banken sollen genau das verhindern?
Keine 100-prozentige Sicherheit
„Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt Paul Wilwertz, Head of Communication des Bankenverbandes ABBL. Aufgrund der zunehmenden Betrugsversuche haben die luxemburgischen Banken im vergangenen Jahr ein System zur Überprüfung des Zahlungsempfängers eingeführt. Seitdem wird dem Nutzer angezeigt, ob der Name des Kontoinhabers und die Kontonummer übereinstimmen oder nicht. Je nachdem wird einem ein „Match“, ein „Close Match“ oder ein „No Match“ angezeigt. Der Absender wird gegebenenfalls aufgefordert, die Daten zu überprüfen, allerdings steht es ihm frei, dies zu tun. Im Fall eines Fehlers übernimmt er dann die volle Verantwortung.
4,2 Milliarden Euro
So hoch wird der Schaden durch Zahlungsbetrug im europäischen Wirtschaftsraum geschätzt
In den Niederlanden wurden durch dieses System 70 Prozent der Betrugsversuche abgewendet. Ob im Falle von Differdingen die Rechnung trotz eines Warnhinweises überwiesen wurde, ist aktuell nicht bekannt. Die Masche, mit der die Gemeinde Differdingen um mehr als 400.000 Euro gebracht wurde, ist europaweit bekannt und gewinnt an Bedeutung. Betrüger klinken sich in bestehende Geschäftsbeziehungen ein, manipulieren Rechnungen oder Bankverbindungen und bringen ihre Opfer dazu, das Geld selbst auf ein falsches Konto zu überweisen. Nach Angaben von EZB und Europäischer Bankenaufsicht stiegen die Schäden durch Zahlungsbetrug im Europäischen Wirtschaftsraum 2024 auf 4,2 Milliarden Euro.
Schutz vor Betrug verbessern
Die Frage nach der Verantwortung bei solchen Betrugsfällen wird derzeit auch auf europäischer Ebene diskutiert. Mit der Reform der europäischen Zahlungsregeln PSD3 und der neuen Payment Services Regulation (PSR) soll der Schutz vor Betrug verstärkt werden. Dabei setzt sich zunehmend die Auffassung durch, dass die Verantwortung nicht allein bei Banken und Zahlungsdienstleistern liegen kann.
Die Luxemburger Bankenvereinigung ABBL spricht von einem „Ökosystem“, in dem Betrug häufig über mehrere Stationen hinweg vorbereitet wird. Die eigentliche Überweisung stehe dabei oft erst am Ende einer Kette. Deshalb sollen künftig auch andere Akteure wie Telekommunikationsanbieter und Online-Plattformen stärker in die Betrugsprävention einbezogen werden. „Jeder Akteur muss seinen Teil der Verantwortung tragen“, so Paul Wilwertz.