Armand Back

Der 11. September war der letzte große TV-Moment

Am 11. September 2001 schaute die Welt gemeinsam auf denselben Bildschirm: 9/11 war das letzte globale Großereignis, bei dem das Fernsehen das unangefochtene Leitmedium blieb.

Menschen in Israel verfolgen am 11. September 2001 die Berichterstattung

Menschen in Israel verfolgen am 11. September 2001 die Berichterstattung Foto: AFP

Wo waren Sie, als die Flugzeuge in die Türme flogen? Wer sich an den 11. September 2001 erinnert, erinnert sich oft auch an den Bildschirm. Damals sah die Welt für einige Stunden nahezu dieselben Bilder.

9/11 war deshalb nicht nur ein politischer Einschnitt. Die Anschläge markieren auch einen medienhistorischen Wendepunkt. So waren sie das letzte globale Breaking-News-Ereignis, bei dem das Fernsehen noch eindeutig das Leitmedium war. Zugleich eines der ersten, an denen das Internet seine kommende Bedeutung zeigte.

81 Prozent der Amerikaner bezogen ihre Informationen damals vor allem aus dem Fernsehen. Nur drei Prozent der Internetnutzer nannten das Netz als wichtigste Quelle. Zwar suchten Millionen Menschen online nach Nachrichten, doch viele Seiten waren dem Ansturm nicht gewachsen. Google verwies zeitweise sogar darauf, für aktuelle Informationen Fernsehen oder Radio einzuschalten.

Es war die große Stunde des Fernsehens. Das normale Programm verschwand. Übrig blieben die brennenden Türme, der zweite Einschlag, die Einstürze, immer und immer wieder dieselben Bilder. Der eigentliche Unterschied zu heute lag wohl in der Gleichzeitigkeit. Millionen Menschen sahen dieselben wenigen Kamerabilder, kommentiert von denselben Sendern.

Doch die nächste Medienwelt war bereits da. Menschen schrieben E-Mails, nutzten Chats und Foren, suchten online nach Vermissten und veröffentlichten erste Augenzeugenberichte. Nur vier Jahre später, bei den Anschlägen von London, hatte sich die Logik verändert. Überlebende lieferten selbst Fotos und Videos. Aus Zuschauern wurden Sender. Heute würde ein vergleichbares Ereignis gleichzeitig auf TikTok, Instagram, Facebook, X, YouTube, WhatsApp und Telegram stattfinden. Tausende Perspektiven würden miteinander konkurrieren, echte Bilder würden neben Gerüchten und Fälschungen stehen.

Vielleicht war der 11. September deshalb der letzte große Moment einer Medienwelt, in der ein Weltereignis noch einen gemeinsamen Bildschirm hatte. Das Fernsehen ist geblieben. An Bedeutung hat es seitdem eingebüßt.

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