Limpertsberg
„Probleme für Radfahrer, Fußgänger und Gastronomen“: ProVelo kritisiert Radweg in Avenue Pasteur
Laut ProVelo ist der neue Radweg in der Avenue Pasteur in Luxemburg-Stadt alles andere als ideal. Der Weg sei regelmäßig für Radfahrer blockiert, Fußgänger hätten kaum Platz und Restaurateure mussten auf ihre Terrassen verzichten. Die Radaktivisten fordern eine Sperrung des unteren Teils der Avenue Pasteur für den motorisierten Durchgangsverkehr.
Der Radweg lässt im momentanen Konzept kaum Platz für Fußgänger Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die Avenue Pasteur auf dem Limpertsberg hat seit kurzem eine Fahrradspur, die in beide Richtungen befahrbar ist. Klingt also wie ein sinnvoller Schritt in Richtung sanfte Mobilität für die Luxemburger Hauptstadt. – Nicht ganz, meint ProVelo. „Mit dem Ende der ersten und dem Beginn der zweiten Phase der Bauarbeiten zur Einrichtung des Radwegs […] wird deutlich, dass die gewählte Lösung zahlreiche Probleme für Radfahrer, Fußgänger und Gastronomen mit sich bringt“, schreiben die Fahrradaktivisten am Donnerstag in einer Pressemitteilung.
Der Radweg werde bereits regelmäßig durch illegal parkende Autos oder bei der Müllentsorgung blockiert. Auch für die Fußgänger sei die neue Aufteilung der Straße von Nachteil: Der Fußgängerweg messe an manchen Stellen kaum mehr als einen Meter. „Konflikte mit Radfahrern sind zu Stoßzeiten vorprogrammiert, wenn der Bürgersteig nicht mehr ausreicht, um die Fußgängerströme zu bewältigen, oder wenn der Bürgersteig selbst blockiert ist“, schreibt ProVelo. Und die von der Pandemie gezeichneten Restaurants haben wegen der Umstrukturierung sogar ihre Terrassen verloren.
Der Grund? „All dies, um sicherzustellen, dass der motorisierte Durchgangsverkehr in direkter Linie durch ein Viertel, das vorwiegend aus Wohnhäusern besteht, weitergeführt wird“, meinen die Radfahrer. Die Straße würde von einer Reduzierung und Beruhigung des Verkehrs profitieren. Heißt: eine Sperrung des unteren Teils der Avenue Pasteur für den motorisierten Durchgangsverkehr. Der Sommer würde sich anbieten, um dies in einer temporären Form auszuprobieren. „Der Erfolg einer solchen Maßnahme kann durch eine anschließende Evaluierung der Aktion mit allen beteiligten Akteuren ermittelt werden“, schreibt ProVelo.
Die aktuelle Hitzewelle unterstreiche mehr denn je, dass in Ballungsräumen neue Infrastrukturen für eine sanfte Mobilität nur auf Kosten des motorisierten Verkehrs geschaffen werden könne. In der Avenue Pasteur sei dies hingegen auf die Kosten der dort gepflanzten Bäume geschehen. (fey)
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