ArcelorMittal
Gewerkschaften fordern schnellstmögliche Einberufung einer Tripartite
Die Anspannung und Unsicherheit der Mitarbeiter von ArcelorMittal angesichts einer möglichen Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Polen und Indien bleibt groß. Die Gewerkschaften OGBL und LCGB haben Premierminister Luc Frieden, der wohl bereits mit dem Geschäftsführer des Stahlherstellers über das Thema gesprochen hat, per Brief zur Einberufung einer Tripartite aufgefordert.
Bei ArcelorMittal in Luxemburg gibt es derzeit viele offene Fragen und nur wenig Antworten Foto: Editpress/Julien Garroy
„OGBL und LCGB fordern den Premierminister auf, dringend eine Tripartite im Sektor der Stahlindustrie einzuberufen“, teilten beide Gewerkschaften am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit.
Der Hintergrund: Der Europäische Betriebsrat von ArcelorMittal wurde am 29. Januar 2026 von der Konzernspitze über eine Studie informiert, die zur Verlagerung von Jobs aus dem Verwaltungsbereich nach Indien und Polen führen könnte. Im Fokus der Analyse stehen 5.600 Arbeitsplätze in Europa, davon 1.150 in Luxemburg.
Auf eine konkrete Zahl wurde sich, laut einer Mitteilung des Konzerns von letzter Woche, noch nicht festgelegt. Es sei aber wichtig, zu verdeutlichen, dass sich diese Zahlen „auf den Umfang der Studie beziehen und nicht auf das Ergebnis der Studie“, so ArcelorMittal.
Am Mittwoch dieser Woche beklagten die beiden Luxemburger Gewerkschaften nun, dass sie immer noch keine Kenntnis über die möglichen Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze, die tatsächlich abgebaut werden könnten, haben. Völlig empört sei man aber schon allein von der „Brutalität dieser Ankündigung“.
Für weitere Verunsicherung sorgt ein rezentes, „vertrauliches Gespräch zwischen dem Premierminister und dem CEO von ArcelorMittal“ über die Situation in Luxemburg. Noch nicht vergessen ist, dass es auch vor dem Sozialplan bei Amazon im Vorfeld ein Gespräch zwischen dem Premierminister und der Geschäftsführung des Konzerns gegeben hatte.
Ein vertrauliches Gespräch
Bereits seit Oktober 2025 führen die luxemburgischen Gewerkschaften, die Regierung und die Geschäftsleitung von ArcelorMittal Verhandlungen, um die ausgelaufene Tripartite-Vereinbarung aus dem Jahr 2020/21 zu erneuern, schreiben sie weiter. Diese Verhandlungen mit der Geschäftsführung „finden in einem komplexen Umfeld statt, das durch eine unsichere und sehr wettbewerbsintensive europäische und weltweite Konjunkturlage gekennzeichnet ist. (...) Der OGBL und der LCGB lehnen jede Verlagerung entschieden ab, die die Arbeitsplätze, die Kompetenzen und die Zukunft der luxemburgischen Stahlindustrie gefährden könnte.“
Das Modell der Tripartite ermöglicht seit Jahrzehnten die Aufrechterhaltung der Stahlindustrie im Land sowie aller damit verbundenen Arbeitsplätze, heben beide hervor. „Es ist unerlässlich, dass die Regierung alles in ihrer Macht Stehende unternimmt, um die Fortführung des luxemburgischen Modells zu gewährleisten, um das wir so beneidet werden“, so ihre Forderung.
Zur Erinnerung: In den Jahren 2020/21, inmitten einer schwierigen konjunkturellen Lage, hatte ArcelorMittal geplant, 570 Arbeitsplätze in Luxemburg abzubauen, 15 Prozent seiner Beschäftigten. Dank erfolgreicher Tripartite-Verhandlungen konnten damals harte Entlassungen jedoch vermieden und neue Investitionen angestoßen werden. Im Endeffekt hat der Konzern hierzulande heute sogar einige Hundert Mitarbeiter mehr als damals ausgehandelt – insgesamt zählt er aktuell rund 3.500 Abgestellte in Luxemburg.
Der Luxemburger Konzern ArcelorMittal, der zurzeit auf Kirchberg seinen neuen Hauptsitz baut, hat 2025 seinen Nettogewinn deutlich steigern können: Am Ende des Jahres stand ein Plus von 3,15 Milliarden Dollar in den Büchern. Im Vorjahr belief sich der Gewinn auf nur 1,3 Milliarden Dollar.