„Es war ein perfekter Tag“

Luxemburger Sebastian Ziekman wird Junioren-Europameister im Triathlon

Er hatte seine gute Form beim Sprint in Echternach vor Luxemburger Publikum angedeutet, am Freitag schnappte sich Sebastian Ziekman beim Saisonhöhepunkt den Titel in Polen: Der 18-jährige FLTri-Athlet ist neuer Junioren-Europameister. Linda Krombach lag ebenfalls zwischenzeitlich auf den Medaillenrängen, wurde am Ende Fünfte.

Der neue Junioren-Europameister kommt aus Luxemburg

Der neue Junioren-Europameister kommt aus Luxemburg Foto: FLTri

Neun Sekunden Vorsprung reichten, um in gebührender Manier zu jubeln: Sebastian Ziekman setzte nach dem Rennen noch zum Sprung an – und kickte das Siegerband über die Ziellinie, um dann lautstark seinen Titel zu bejubeln. Der Luxemburger hatte sich mit einer perfekten Renntaktik gerade zum Europameister gekrönt, dies nach 750 Metern im Freiwasser, 20 Kilometern auf dem Rennrad und einem finalen Laufparcours von fünf Kilometern.

Bereits der Auftakt in Elblag hatte für den Trispeed-Athleten auf einen guten Verlauf hoffen lassen, da er als Fünfter aus dem Wasser gestiegen war und damit den wichtigen Sprung in die Leadergruppe geschafft hatte. Nach einem starken Eindruck auf dem Rad (und der neuntbesten Zeit insgesamt) konnte er sich letztlich beim Laufen, seiner stärksten Disziplin, absetzen. Am Ende war es nur noch ein Duo, der Luxemburger und der Brite Gorrill, das um die Krone kämpfte. Die entscheidende Tempoverschärfung verfehlte die Wirkung nicht, und so lief Ziekman am Ende mit neun Sekunden Vorsprung ins Ziel ein.

„Dachte nicht, dass er gewinnen kann“

Im Vorfeld hatte „Pro Tri Data“ noch einen vierten Platz für Ziekman vorausgesagt. Doch die späteren Statistiken zeigten, dass der FLTri-Athlet sich das Rennen optimal eingeteilt hatte – um seinen großen Coup durchzuziehen.

„Ich wusste, dass er gut und bereit ist“, sagte Nationaltrainer Cyrille Eple. „Seine Vorbereitung war wirklich gut, aber zwischen gut sein und einen EM-Titel gewinnen, liegt noch viel. Unser Ziel waren die Top fünf und wir wussten, dass dann das Podium drin war. Um ehrlich zu sein, dachte ich aber nicht, dass er gewinnen kann. Das Niveau hier ist nämlich schon außergewöhnlich.“

Für den luxemburgischen Triathlon-Verband ist es der nächste historische Titel innerhalb weniger Jahre: 2021 wurde Mara Krombach in Antalya (Türkei) Jugend-Europameisterin, 2023 wurde Jeanne Lehair Europameisterin der Elite in Madrid (Spanien) und 2026 eben Ziekman im polnischen Elblag.

Jubel als neuer „Signature-Move“

Anders als sein Trainer zeigte sich Ziekman selbst „nicht wirklich überrascht. Aber ich habe keine Worte. Ich hatte eine sehr gute Saison und wusste, dass ich zu den besten Europäern gehöre. Es war ein perfekter Tag, alles kam zusammen. Ich hatte einen richtig guten Start und bin wirklich gut geschwommen. Beim Rad wollte ich in meiner Gruppe gut mit den anderen zusammenarbeiten, doch wir wurden von einer anderen Gruppe eingeholt. Ich wusste aber, dass ich im Laufen einer der Besten war – und am Ende hat es funktioniert.“

Den Jubel im Ziel will er nun zu einer Art „Signature-Move“ machen. „Ich hatte das letztes Jahr bei einem Sieg im Europacup in Chisinau schon gemacht. Ich dachte mir, wenn ich in meinem Leben noch einmal die Chance bekommen würde, zu jubeln, dann würde ich das noch einmal probieren.“

Emile Vanolst wurde 27. und kam 2:16 Minuten hinter seinem Landsmann ins Ziel. Der dritte Luxemburger, Charel Schiltz, wurde 39. (auf 3:30 Minuten). Insgesamt waren 70 Junioren am Start.

Ein zufriedener Nationaltrainer an der Seite des neuen Junioren-Europameisters

Ein zufriedener Nationaltrainer an der Seite des neuen Junioren-Europameisters Foto: privat

Krombach: Starker Platz fünf

Der Tag hatte bereits verheißungsvoll begonnen. Linda Krombach, die einzige Frau des Aufgebots, hatte sich einen Platz in den Top Ten erhofft. Mit Rang fünf war das Ergebnis letztlich noch deutlich besser.

Der Name der Luxemburgerin tauchte erstmals auf der Radstrecke auf der Ergebnisliste der ersten zehn auf. Dort wurde auch konkreter, wie die Verfolgergruppe aussehen würde. Linda Krombach bewegte sich weiterhin auf den Plätzen 12 bis 15, führte die zweite Gruppe teilweise an. Vorn waren ihr die weiteren Konkurrentinnen auf etwa eine Minute voraus. Krombach fuhr ein starkes Rennen und arbeitete sich bis auf Platz sechs vor.

An der Spitze lieferten sich Anouk Rigaud (F) und Anouk Danna (CH) das entscheidende Rennen um die EM-Titel bei den Juniorinnen. Bei den Verfolgerinnen hatte es ebenfalls viel Bewegung gegeben: Krombach lag zweieinhalb Kilometer vor Schluss auf Platz drei. Es kam zum Dreikampf, bei dem die FLTri-Athletin die beiden anderen ziehen lassen musste. Mit einer Gesamtzeit von 1.02:43 hat Krombach definitiv ein internationales Ausrufezeichen gesetzt.

„Historischer Tag“ für den Verband

Gleich zwei der Luxemburger Athleten landeten in Polen bei der Europameisterschaft der Junioren in den Top fünf – so etwas ist definitiv außergewöhnlich. „Wir sind sehr zufrieden“, freute sich Christian Krombach, Präsident des Triathlonverbandes. Seine Tochter sei nach dem Rennen zwar ein wenig enttäuscht gewesen, dass es nicht für eine Medaille gereicht hat, letztlich ist man sich bei der FLTri aber bewusst, dass dieses Abschneiden einen „historischen Moment“ darstellt. Vor allem, da sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern talentierte Nachwuchsathleten bereitstehen. Mit den Platzierungen von Vanolst und Schiltz sieht man die EM als „mission accomplie“.

„Für mich als Präsident ist das besonders erfreulich, da solche Momente nicht nur eine Motivation für die Athleten und Trainer sind, sondern gleichzeitig ein Ansporn für die nächste Generation. Aushängeschilder sind noch immer die beste Medizin, um Kinder zum Sport zu bringen. Zudem sehen sie, dass sie etwas schaffen können, wenn sie an sich glauben.“

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