Mädchenfußball
Historischer Schulterschluss: Fola und Jeunesse gründen Entente Esch
Es gleicht einer fußballerischen Revolution: Fola und Jeunesse gehen in Zukunft gemeinsame Wege. Was es mit der Entente Esch auf sich hat, erklärten Stefan Guden und Eric Schaus.
Die Entente Esch entsteht mit dem Willen, eine gesunde Basis für Frauenfußball in Esch zu schaffen Foto: Editpress/Gerry Schmit
Vor wenigen Jahren wäre eine Entente Esch undenkbar gewesen. Sowohl auf der Führungsetage als auch bei den Anhängern beider Lager. Fola und Jeunesse verbindet bekanntlich nicht nur ihre langjährige Vereinsgeschichte, sondern ebenfalls die traditionsreiche Rivalität zwischen „deene vum Bierg“ und „deene vun der Grenz“.
Doch 2026 wird als Jahr der Kompromisse und der Überwindung alter Gräben zurückbleiben: Über die Sommermonate entstand – im Sinne des Fortschritts – das allererste Escher Projekt einer Zusammenarbeit im Mädchen-Bereich. Schon ab Herbst soll die Entente Esch in der Alterskategorie WU13 sogar auf Punktejagd gehen können.
Einen Boom auslösen
Vorausgesetzt, die Resonanz zum Start der Initiative fällt groß genug aus. Die Hoffnungen auf einen mächtigen Boom sind jedenfalls groß. „Esch braucht einen Hype im Mädchenfußball“, formulierte es Eric Schaus, Jugendkoordinator der Schwarz-Weißen. Weshalb in den nächsten Tagen und Wochen die Werbetrommel gerührt werden muss.
Für Jeunesse-Präsident Marc Theisen kann man die Pläne „aufgrund der Spannungen der Vergangenheit“ als „revolutionär“ beschreiben. Bedenken, dass dies ein erster Schritt in Richtung einer Fusion zweier historischer Bestandteile der nationalen Fußballgeschichte sein könnte, sind jedoch unbegründet: „Die Zusammenarbeit bezieht sich nur auf den Ausbildungsbereich bei den Mädchen. Wir möchten deshalb, dass sie sich ihre eigene Identität aufbauen“, erklärte Fola-Vizepräsident Stefan Guden.
Akuter Nachholbedarf
Diesen gemeinsamen Weg beschreiten beide Vereine demnach in einem Bereich, der bislang kaum von der historischen Rivalität geprägt war: der Mädchenfußball. Dieser steckt in der Minettmetropole noch in seinen Kinderschuhen. Vielmehr soll die Entente Esch eine Zukunftsperspektive für junge Spielerinnen darstellen. Das Interesse für Fola und Jeunesse ist dabei identisch: Man will dem Risiko entgegenwirken, Mädchen zu verlieren, die irgendwann nicht mehr in gemischten Teams spielen wollen – hat aber derzeit nicht das ausreichende Spielerinnenreservoir, um in sämtlichen Kategorien Mannschaften anmelden zu können. Die beste Option ist es also, jetzt die Kräfte zu bündeln.
Wir sind keine Konkurrenten und es wird auch niemand dem anderen den Nachwuchs wegnehmen. Eine Fusion für die gesamte Jugend wäre fatal für die Stadt.
Stefan Guden
Fola-Vizepräsident
„Es besteht Nachholbedarf. Es kann ja nicht sein, dass es in Esch kein Potenzial für eine gute Basis im Frauenfußball geben soll“, meinte auch Stefan Guden, Vizepräsident der Fola. Doch die konkreten Zahlen sehen aktuell nicht rosig aus. Die Schwarz-Weißen bekamen im Laufe der vergangenen Saison sogar nicht mehr ausreichend Spielerinnen für ihre WU15 zusammen. Zählt man die Mädchen ab, die an Konkurrenten ausgeliehen sind, bleiben fünf aktive Spielerinnen auf der „Grenz“. Die Fola ist bei den Lizenzzahlen zwar einen Schritt weiter, sieht dennoch mehr Potenzial bei einem gemeinsamen Projekt: „Bei den Mädchen gibt es diese emotionale Aufgeladenheit aus der Vergangenheit nicht mehr. Wir wollen ein Escher Projekt auf die Beine stellen und streben eine gute Ausbildung an, damit Esch irgendwann langfristig zu den besten Teams des Landes gehört.“
Eigenes Logo, eigenes Trikot
Weshalb in Kürze ein neues Logo und Trikot – in neutralen Farben – ausgearbeitet werden soll. Der Grund: Innere Konflikte vermeiden, die mit dem „Heimatklub“ verbunden sein könnten.
Guden betonte, dass durch die Entstehung der Entente weder Fola noch Jeunesse irgendwann von der Landkarte verschwinden werden: „Diese Entente ist kein Grundstein für eine Fusion. Wir haben 350 Jugendspieler, Jeunesse hat rund 200. Wir sind keine Konkurrenten und es wird auch niemand dem anderen den Nachwuchs wegnehmen. Eine Fusion für die gesamte Jugend wäre fatal für die Stadt.“ Denn viele Kicker würden bei einem Zusammenschluss dieser Größenordnung auf der Strecke bleiben.
Keine Entente bei den Frauen
Bewusst wurde der Seniorinnenbereich allerdings nicht in die Entente eingebunden: Während die Fola-Frauen seit vielen Jahren eigenständig bestehen, ist man bei der Jeunesse noch nicht bereit für diesen Schritt. „In fünf, sechs Jahren soll man die ersten Erfolge der Entente Esch sehen können“, hofft Guden. Dann sollen auf beiden Seiten wieder vollzählige Mädchenteams beim Verband angemeldet werden können, wie Schaus hinzufügte: „Es handelt sich um ein Übergangsprojekt. Die Idee dahinter ist, dass wir in drei, vier Jahren wieder eine eigenständige Jugend haben. Doch in diesem Moment wollen wir den Spielerinnen eine Perspektive geben, damit sie überhaupt spielen können. Man muss sehen, was dabei herauskommt.“
Es ist uns wichtig, die Vereinsbrille abzusetzen und etwas für die Zukunft der Stadt Esch aufzubauen – und nicht nur nach Vereinsinteressen zu schauen
Eric Schaus
Jugendkoordinator der Jeunesse
Was die Trainingsmöglichkeiten und die spätere Spielstätte der WU13 angeht, wird die Fola die Verantwortung aufgrund ihrer besseren Erfahrungswerte übernehmen. Bei der Jeunesse will man jetzt noch einmal bewusst Eltern ansprechen und sie auf die Option einer reinen Mädchenmannschaft aufmerksam machen. „Es ist uns wichtig, die Vereinsbrille abzusetzen und etwas für die Zukunft der Stadt Esch aufzubauen – und nicht nur nach Vereinsinteressen zu schauen“, sagte Schaus.
Über den Stolz hinwegsehen
Über frühere Streitgründe sieht man inzwischen hinweg: „Man kennt sich. Jeder hat seine Identität. Für diese Zusammenarbeit muss man über den eigenen Stolz hinwegsehen“, fügte der Fola-Vizepräsident an. „Es geht um das Sportliche, nicht um den ‚Bierg‘ oder die ‚Grenz‘“.
Die Entente Esch ist nicht als dauerhaftes Standbein der Jugendabteilung gedacht, sondern als Brücke. Nun bleibt noch abzuwarten, ob auch die US Esch bereit ist, auf den fahrenden Zug aufzusteigen, um aus dem Escher Duo ein Trio zu machen.