Alarmierende Pestizidwerte

„Probleme kleinreden ist keine Lösung“: Mouvement écologique fordert Umsteuern

Eine aktuelle Analyse von 59 Apfelproben aus Europa zeigt: Nur wenige Früchte sind frei von Pestiziden – auch in Luxemburg. Obwohl alle Werte unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen, warnt das Mouvement écologique vor den gesundheitlichen Risiken des „Chemie-Cocktails“ und fordert ein Umsteuern in der Landwirtschaft, besonders zum Schutz von Kindern.

Roter Apfel mit vielen Pestizidrückständen – Mouvement écologique warnt vor gefährlicher Pestizidmischung trotz Grenzwerten

Ein Apfel, viele Pestizide – Mouvement écologique warnt: Grenzwerte schützen nicht vor der gefährlichen Mischung Foto: Editpress/Tania Feller

Die Diskussion um Pestizidrückstände in Äpfeln reißt nicht ab. Nachdem das Mouvement écologique am vergangenen Donnerstag die Ergebnisse einer europaweiten Analyse von „Pesticide Action Network Europe“ (PAN Europe) zur Belastung von Äpfeln durch Pestizide vorgestellt hatte, reagierten das Landwirtschaftsministerium und Berufsvertretungen mit dem Hinweis, alle gemessenen Werte lägen unter den gesetzlichen Grenzwerten. Für das Mouvemet écologique greift diese Argumentation jedoch zu kurz – und vermittelt aus seiner Sicht eine trügerische Entwarnung, schreibt die Umweltorganisation in einer Stellungnahme am Donnerstag.

Untersucht wurden europaweit 59 Proben von jeweils 500 Gramm konventionell angebauter Äpfel, darunter drei aus Luxemburg. Nur sieben Prozent der Proben waren frei von Pestizidrückständen. In den Luxemburger Äpfeln wurden im Durchschnitt fünf verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen, in einer Probe sogar sieben. Zwar wurden die zulässigen Grenzwerte für einzelne Substanzen nicht überschritten, doch genau darin sieht die Umweltorganisation das grundlegende Problem.

Grenzwerte eingehalten, Risiko ausgeblendet

Denn die geltenden Grenzwerte seien umstritten und berücksichtigten nicht die kombinierte Wirkung mehrerer Pestizide. Für diesen „Chemie-Cocktail“ existieren bislang keine ausreichenden Bewertungsverfahren, obwohl wissenschaftliche Studien seit Jahren auf mögliche kumulative und verstärkende Gesundheitsrisiken hinweisen. Aus Sicht des Mouvement écologique werde so der Eindruck erweckt, die Situation sei unter Kontrolle – obwohl zentrale Risiken ausgeblendet würden.

Die Organisation kritisiert zudem, dass das grundsätzliche Problem der Pestizidbelastung seit langem politisch negiert werde. Die aktuellen Apfelanalysen stünden dabei lediglich „symbolisch für ein generelles Problem der heutigen Landwirtschaftspolitik“. Es gehe weder um das Problem eines einzelnen Produzenten noch um das eines einzelnen Produktes, sondern um ein systemisches.

Besonders alarmierend sei dies mit Blick auf die Kinder. Gerade in den ersten Lebensjahren reagiert der Organismus besonders empfindlich auf Schadstoffe. Zwar existieren spezielle Grenzwerte für verarbeitete Babyprodukte zum Beispiel, nicht jedoch für frisches Obst. Dass daraus kein Handlungsbedarf abgeleitet werde, widerspreche aus Sicht des Mouvement écologique dem Vorsorgeprinzip.

Äpfel als Beispiel für eine grundsätzliche Problematik

Die Umweltorganisation weist zudem darauf hin, dass die Apfelstudie keine Einzelprobe darstellt und sich an eine Reihe Analysen anreiht. Frühere Untersuchungen – etwa Haarproben oder Staubanalysen – hätten ebenfalls eine flächendeckende Pestizidbelastung der Bevölkerung in Luxemburg gezeigt. Auch Analysen der Veterinär- und Lebensmittelverwaltung kamen bei Äpfeln zu vergleichbaren Ergebnissen. „Wie viele Analysen braucht es noch, bevor das Landwirtschaftsministerium – sowie das Gesundheits- und Umweltministerium – angemessen reagieren?“, geht weiter aus der Stellungnahme hervor.

Zwar sei der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, doch reiche dies angesichts der weiterhin messbaren Belastungen laut des Mouvement écologique nicht aus. Das fortgesetzte Verdrängen der Problematik führe zu wachsender Polarisierung zwischen den Akteuren und zu einer Verunsicherung bei den Verbrauchern – mit Folgen für Gesundheit, Umwelt und letztlich auch für die betroffenen Produzenten.

Die Schlussfolgerung des Mouvement écologique ist eindeutig: „Wir müssen umsteuern und das heutige Landwirtschaftssystem reformieren.“ Weg vom Pestizideinsatz und hin zu Bio- und optimiertem integriertem Anbau, schreibt die Organisation.

1 Kommentare
JJ 05.02.202612:06 Uhr

Es kommt einem so vor als würden die "écolos" nach Themen suchen um ihre Existenzberechtigung zu unterstreichen. Nach Fleisch,Eiern,Fisch,Käse sind jetzt die Äpfel an der Reihe. Wie steht es mit der Schweinepest und der Krebs erregenden Zahnpasta.Auch schon Jahre her. Als würden die Obstbauern ihre Existenz auf´s Spiel setzen indem sie unkontrolliert drauflos spritzen. Blanche &Co können es nicht erwarten dass wir uns ausschließlich von Mehlwurmprodukten ernähren. Brüssel hat ja schon grünes Licht gegeben.

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