Bericht zu Projekt Alpha

Keine gesteigerte Leistung durch Alphabetisierung auf Französisch

Ein am Montag veröffentlichter Bericht bescheinigt der Alphabetisierung auf Französisch keine merklichen Auswirkungen auf die Leistung der Schüler. Das Ministerium formuliert das anders.

Diagramm zeigt geringe Auswirkungen der Alphabetisierungssprache auf Schülerleistung im Bildungskontext

Die Alphabetisierungssprache hat wenig Auswirkungen auf die Leistung der Schüler Symbolfoto: Editpress/Georges Noesen

Das Bildungsministerium hat am Montag den monatelang unter Embargo gehaltenen Bericht des „Luxembourg Centre for Educational Testing“ (Lucet) zum Pilotprojekt Alpha veröffentlicht. Die Längsschnittstudie verfolgt die erste Kohorte von Schülern, die im Schuljahr 23/24 in Pilotprojekten auf Französisch oder Deutsch alphabetisiert wurde.

Keine Leistungsvorteile …

Wie Reporter.lu berichtete, lag der Bericht bereits im Februar vor. Der Steuerungsausschuss, in dem das Lucet selbst kein Stimmrecht hat, verschob die Veröffentlichung auf Antrag des Bildungsministeriums und ordnete eine zusätzliche Begutachtung durch einen wissenschaftlichen Beirat an.

Das zentrale Ergebnis bleibt bestehen: Die erhofften Leistungsvorteile der Alphabetisierung auf Französisch lassen sich in den Daten nicht nachweisen. In Mathematik sowie im Hör- und Leseverständnis zeigten alle Gruppen vergleichbare Resultate, unabhängig von der Alphabetisierungssprache.

… dafür aber motivierte Schüler

Ein Misserfolg für die Reform ist der Bericht damit nicht. Nachteile stellt die Studie ebenfalls nicht fest. Einzelne Befunde fallen sogar zugunsten der Französisch-Gruppe aus. So wiederholten 17 Prozent dieser Schüler einen Zyklus, in der statistischen Vergleichsgruppe waren es 24 Prozent. Die Schüler äußerten zudem eine höhere Motivation in ihrer Alphabetisierungssprache. 93 Prozent ihrer Eltern gaben an, ihr Kind sprachlich beim Lernen unterstützen zu können. In der Vergleichsgruppe, die auf Deutsch alphabetisiert wird, waren es 55 Prozent.

Die Forscher mahnen zur Vorsicht bei der Interpretation. Mit 37 beziehungsweise 46 Schülern sei die Stichprobe sehr klein. Ob sich die Ergebnisse auf die landesweite Einführung übertragen lassen, könne auf dieser Grundlage nicht beurteilt werden.

Ministerium widerspricht Bericht

In einem am selben Tag veröffentlichten Kommuniqué stellt das Ministerium die Ergebnisse anders dar. Unter dem Titel „Les évaluations 2026 confirment la pertinence de la réforme“ spricht es von einer leichten Tendenz zu besseren Leistungen der auf Französisch alphabetisierten Schüler im Hör- und Leseverständnis. Der Lucet-Bericht weist diese Differenzen jedoch ausdrücklich nicht als Unterschiede aus: Sie liegen unter der vom Forschungszentrum definierten Schwelle von zehn Prozent, zudem seien die Ergebnisse wegen der unterschiedlichen Testsprachen nicht direkt vergleichbar.

Der wissenschaftliche Beirat beruft sich überdies auf Zusatzanalysen, in denen sich die Tendenz bestätige und verstärke. Im Bericht heißt es dagegen, diese Analysen dienten allein der Absicherung der Hauptergebnisse und stellten keine eigenständigen Auswertungen dar. Eine Aussage zur Wirksamkeit der Reform sei auf Basis der aktuellen Daten nicht möglich, schreiben die Forscher. (hat)

2 Kommentare
JJ 13.07.202619:32 Uhr

Die müssen das sagen sonst wird der Meisch grantig.

Jemp 13.07.202619:17 Uhr

Dass diese Alphabetisierung auf französisch ohne die geringste Rücksicht auf abzuwartende, wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse durchgeboxt wurde, ist auf das allergrösste Problem sämtlicher Luxemburger Schulen zurückzuführen. Dieses Problem hat einen Namen: Meisch.

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