Projekt Alpha

„Haarspalterei“: Meisch relativiert Alphabetisierungs-Studie – Harsche Krtitik vom OGBL

Alphabetisierung auf Französisch: Bildungsminister Claude Meisch verteidigt das „Projekt Alpha“ – und relativiert eine Studie. Die Gewerkschaft OGBL kritisiert die verzögerte Veröffentlichung und den Umgang mit den Ergebnissen.

Bildungsminister Claude Meisch (rechts) verteidigt die Alphabetisierung auf Französisch – trotz widersprüchlicher Ergebnisse einer Studie

Bildungsminister Claude Meisch (rechts) verteidigt die Alphabetisierung auf Französisch – trotz widersprüchlicher Ergebnisse einer Studie Foto: Canva/Editpress/Alain Rischard

Steigert die Alphabetisierung auf Französisch die Leistung Luxemburger Schüler oder nicht? Eine Studie kommt zu der Erkenntnis, dass sich die erhofften Leistungsvorteile in den Daten nicht nachweisen lassen. Diese Studie wurde vom „Luxembourg Centre for Educational Testing“ (Lucet) erarbeitet. Das Zentrum hat dafür das Alphabetisierungs-Pilotprojekt „Projekt Alpha“ unter die Lupe genommen. Aber: Die Ergebnisse der Studie wurden vom Bildungsministerium monatelang unter Verschluss gehalten.

Ministerium schlägt anderen Ton an

Am Montag wurde die Studie schließlich veröffentlicht – zusammen mit einer Stellungnahme aus dem Bildungsministerium. Der Ton des Begleitschreibens, anders als der in der Studie: „Les évaluations 2026 confirment la pertinence de la réforme“, heißt es.

Bildungsminister Claude Meisch (DP) verteidigt das „Projekt Alpha“ am Dienstag im Interview auf 100,7 auch persönlich: Der Ansatz sei „sehr positiv“, er helfe den Kindern, wenn sie in einer Sprache lesen, lernen und schreiben lernen könnten, die ihrer Sprache näher liege. „Dat bleift nach ëmmer de Constat“, sagt Meisch.

Immer weniger Alpha-Schüler

Nur: In den Projekt-Alpha-Pilotklassen, die seit 2023/24 liefen, seien von Jahr zu Jahr weniger Schüler. Grund sei, dass ein Teil der Schüler verlängere – also einen Teil des Zyklus wiederhole – und ein anderer Teil weggezogen sei. „Da kommt danach eine Zahl von Schülern heraus, bei der sich die Frage stellt, wie aussagekräftig das dann noch ist“, sagt Meisch.

Sein Ministerium hatte bereits in der Pressemitteilung vom Montag Tendenzen zu besseren Leistungen der auf Französisch alphabetisierten Schüler im Hör- und Leseverständnis vorgebracht. Der Lucet-Bericht weist dies jedoch ausdrücklich nicht als Unterschiede aus, weil sie unter der vom Forschungszentrum definierten Schwelle von zehn Prozent liegen. Für Meisch ist es am Dienstag „Haarspalterei“, ob ein Faktor bei zehn oder elf Prozent statistisch relevant sei.

„Auf Französisch ein Plus“

Mehr oder weniger Empirisches findet der DP-Politiker dann aber selbst. So sei die Zahl der Verlängerungen in den Pilotklassen „um 25 Prozent“ kleiner. Er sei in den vergangenen Wochen zudem viel mit Regionaldirektoren und Schuldirektoren unterwegs gewesen. „Ich merke, dass die Lehrer eigentlich selbst sagen, dass sie ganz viele Schüler haben, bei denen sie fest davon ausgehen, dass die Alphabetisierung auf Französisch ein Plus bringen wird.“

Das Syndikat Erziehung und Wissenschaft (SEW) des OGBL kritisiert den Umgang des Bildungsministeriums mit der Lucet-Studie scharf. In einer Pressemitteilung schreibt die Gewerkschaft am Dienstag, es sei „bemerkenswert, wie das Bildungsministerium die Bedeutung der Studie heruntergespielt“ habe. Es sei nicht glaubwürdig, das, was zuvor als wissenschaftlicher Beweis galt, „plötzlich zu relativieren“.

Der OGBL wirft auch die Frage auf, warum die Ergebnisse der Lucet-Studie, die seit Februar vorlagen, so lange nicht veröffentlicht wurden. Die Begründung der Regierung dafür ist, dass eine zusätzliche wissenschaftliche Überprüfung angeordnet wurde. Die Gewerkschaft mutmaßt, dass das geschehen sei, weil zum Ende des Schuljahres mit „weniger medialer und politischer Aufmerksamkeit“ zu rechnen sei.

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